Erytheia

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Eine 'fabelhafte' Insel

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Abb. 1 Eine etruskische Bronze-Statuette des Riesen Geryon, Herrscher von Erytheia, den Herakles erschlug, um ihm seine Rinder stehlen zu können

(red) Erytheia (bzw. Erytheis oder Erythia) - später auch Aphrodisias genannt [1] - ist eine mythisch-legendäre, jenseits der Säulen des Herakles im Meer versunkene [2] Insel der hellenischen Sagenwelt, die schon bei Hesiod ((8th Jhdt. v.d.Z.) erwähnt [3] wird. Auf dieser Insel soll der dreiköpfige Riese Geryon (Abb. 1) gelebt haben, welchen der Halbgott Herakles erschlug.

Benannt ist diese 'fabelhafte' Insel nach der Nymphe Erytheia, einer der Hesperiden der griechischen Mythologie. Nach unterschiedlichen Quellen war sie eine Tochter der Nyx und des Erebos, des Phorkys und der Keto oder auch des Atlas und der Pleïone (bisweilen wird auch Hespĕris angegeben).

Verweise auf Erytheia in antiken Werken

Schriftlich erwähnt wird die Insel Erytheia zuerst im 8. oder 7. Jahrhundert v.d.Z. bei Hesiod (Theogonie 979 ff. und 287 ff.) sowie im 8. Jhdt. v.d.Z. bei Eumelos von Korinth oder Arktinos von Milet (Titanomachie Fragment 7, aus: Athenaios 11. 470B), später dann bei Stesichoros (Geryoneis, Fragment S7, nach Strabon, Geographie; sowie: Geryoneis, Fragment S17, nach Athenaios, Gastmahl der Gelehrten und Geryoneis Fragment S86, nach dem Scholion zu Apollonius von Rhodos), bei Aischylos (Fragment 37 der Heracleidae, nach dem Scholion zu Aristeides), bei einem Pseudo-Apollodorus (Bibliotheke, 1. 35; sowie 2. 106-109), bei Herodot (Historien 4. 8. 1), bei Strabon (Geographie 3. 2. 11 sowie 3. 5. 4 und 3. 2. 13), bei Pausanias (Beschreibung Griechenlands 1. 35. 7-8), bei Philostratus (Das Leben des Apollonios von Tyana 5. 4), bei Oppian (Cynegetica 2. 100 ff.), bei Plinius d.Ä. (Naturalis Historia 4. 36) und schließlich bei Seneca (Hercules Furens 231 ff). [4]

Ansätze zur Lokalisierung von Erytheia

Abb. 2 Erytheia und ihre Schwestern im 'Garten der Hesperiden'

Während das sagenhafte Eiland Erytheia und die übrigen Hesperiden (lat.: Hesperĭdum insulae) in den ältesten Überlieferungen zunächst im äußersten Westen des Atlantik ("jenseit[s] Okeanos' Tiefen"; Hesiod, Theogonie, 108) vermutet wurden, was aus Sicht der Verfasser auf mythisiertes Reliktwissen über die Geographie des atlantischen Großraums hindeutet, versuchten spätere Autoren offenbar bereits in der Antike, greifbarere Lokalisierungen im Einzugsbereich der afroeuropäischen Küstengebiete des 'Okeanos' zu finden. Gemeinsam ist allen graeco-romanischen Autoren jedenfalls die Darstellung Erytheias als Atlantik-Insel: "Herodot (Hist. 4.8) beschreibt sie ebenfalls als eine Insel, die jenseits der 'Säulen', nahe bei Gades, gelegen habe. Auch Avienus unterstützte diese Vorstellung", und der spätantike lateinische Grammatiker sowie Kompilator Gaius Julius Solinus beschrieb Erytheia "als an der lusitanischen Küste (Portugal) liegend." [5]

Dementsprechend wurde auch im 19. Jahrhundert in Enzyklopädien unter Bezugnahme auf diese Klassiker davon ausgegangen, die sagenhaften Wohnsitze der personifizierten Hesperiden, also auch der 'Nymphe' Erytheia, hätten z.B. "den Gorgonen gegenüber am Atlas, nach Anderen auf einer Insel des westlichen Ocean (Inseln der H., Hesperĭdum insulae, jetzt die Canarischen Inseln)" [6] gelegen. Karl Ernst Georges, der Erytheia bereits explizit eine "hispanische Insel" nennt, gibt für sie 1913 den "gaditanischen Meerbusen" als geographischen Bezugspunkt an. [7] Seine Interpretation ist durchaus repräsentativ für die meisten Vertreterer moderner, schulwissenschaftlicher Auslegungen der Hesperiden-Legende, welche zwar bezüglich antiker Erwähnungen und Beschreibungen dieser Inseln einen harten historischen Kern vermuten, die Möglichkeit weit prähistorischer bis protohistorischer Atlantikfahrten und deren Nachhall in den betreffenden Sagen, Mythen und Legenden europäischer Frühkulturen [8] weit von sich weisen.

Erytheia und Atlantis

Abb. 3 Die Isla de León wurde erst unlängst zum Gegenstand einer quasi 'revisionistischen' Erytheia-Lokalisierung

Wie Tony O’Connell in seiner Atlantipedia - leider ohne weitere Details zu nennen - Erytheia betreffend bemerkt, sollen bereits einige antike Kommentatoren "viele ihrer Charakteristika vergleichbar mit jenen von Platons Atlantis" gefunden haben. Konkretere Gedanken in dieser Hinsicht finden sich allerdings erst in der modernen Atlantisforschung des 20. Jahrhunderts bei Adolf Schulten (1870-1960). Dazu heißt es bei dem irischen Atlantis-Enzyklopädisten weiter: "N. Zhirov stimmte mit Adolf Schulten bezüglich der Identifizierung von Erytheia mit Tartessos überein. [9] Während Schulten jedoch Tartessos an der Mündung des Flusses Guadalquivir im Südwesten Spaniens lokalisiert, argumentiert Zhirov, dass die Geschichte von Herakles, der die Rinder des Geryon von Erytheia holt, eine Distanz [der Insel] von etwa 60 Meilen zur Küste indiziert.

Er hebt hervor, dass Herakles die ‘Goldene Schale’ des Helios erhalten musste, um ihm bei Tag und Nacht den Weg zu weisen, doch es wäre kein [solcher] Kompass erforderlich gewesen, hätte die Insel in Landnähe gelegen. Außerdem überlegt er, dass Erytheia nicht mehr als ein oder zwei Tagesreisen entfernt gewesen sein könne, da Herakles´ kleines Boot bei einer längeren Reise nicht genug Futter und Wasser für die Tiere hätte mit sich führen können. Die Isla de León (Abb. 3) ist eine große Landstrecke zwischen der Stadt Cádiz und dem Festland und wird von einigen [Autoren] als Heimstätte des mythischen Riese Geryon und seines Viehs akzeptiert. Ein Papier zu diesem Thema [10] wurde auf der Atlantis-Konferenz auf Melos, 2005 vorgestellt." [11]


Externum:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Karl Ernst Georges, "Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch", Hannover 1913 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 1, Sp. 2929-2930, online unter: Geryon, bei Zeno.org - Meine Bibliothek (abgerufen: 13.12.2013)
  2. Anmerkung: Das Adjektiv "versunken" ist auch bei einer mythologischen Interpretation der Erytheia-Legende nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, sondern kann auch im Sinne von "verschollen", "verloren gegangen" oder "verschwunden" verstanden werden.
  3. Quelle: Tony O’Connell, "Erytheia", bei Atlantipedia.ie, 7. Juni 2010 (abgerufen: 13.12.2013)
  4. Quelle: Theoi - Greek Mythology - Exploring Mythology in Classical Literature & Art, unter: Island Erytheia (abgerufen: 14.12.2013); Anmerkung: Dort finden sich auch die entsprechenden (kurzen) Textpassagen in englischer Sprache.
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Erytheia", bei Atlantipedia.ie, 7. Juni 2010 (abgerufen: 13.12.2013)
  6. Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 305, Stichwort: Hesperiden, zit. nach der Online-Version bei Zeno.org - Meine Bibliothek (abgerufen: 15.12.2013)
  7. siehe: Karl Ernst Georges, "Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch", Hannover 1913 (Nachdruck Darmstadt 1998), Band 1, Sp. 2929-2930, online unter: Geryon, bei Zeno.org - Meine Bibliothek (abgerufen: 13.12.2013)
  8. Siehe dazu z.B. bei Atlantisforschung.de: Dr. Christine Pellech, "Die Odyssee - Eine antike Weltumsegelung (Einführung)" und: Dieselbe, "Die Argonauten - Eine Weltkulturgeschichte des Altertums (Einführung)"; sowie: Henriette Mertz, "Wanderings of Odysseus", in: Athene, Volume 22, No.2, Sommer 1961; und: Enrico Mattievich, "Journey to the Mythological Inferno", Rogem Press, 2010
  9. Siehe: N. Th. Zhirov ,"Erytheia, Tartessos and Atlantis", in: 'Atlantis' (London, 1960), 13, S. 53-54
  10. Siehe: Stavros Papamarinopoulos (University of Patras, Greece), Niki Drivaliari (University of the Aegean, Greece), Chara Coseyan (University of Patras, Greece): "Erytheia, as ‘Atlantis’. A case prior to Plato", 2005
  11. Quelle: Tony O’Connell, "Erytheia", bei Atlantipedia.ie, 7. Juni 2010 (abgerufen: 14.12.2013)

Bild-Quellen

1) Vassil bei Wikimedia Commons, unter: File:Musée des BA Lyon 260709 09 Géryon.jpg
2) Botaurus bei Wikimedia Commons, unter: File:Frederic Leighton - The Garden of the Hesperides.jpg
3) Seges bei Wikimedia Commons, unter: File:Vista de Cádiz y sus contornos hacia 1813.jpg