Sintflut-Impakt und Megatsunamis

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von Edith Kristan-Tollmann und Alexander Tollmann (1992)

Abb. 1 Nur einige der besonders hohen Gebirgswälle haben einer Überspülung durch die impaktbedingten Mega-Tsunamis getrotzt, während andere - wie die nordamerikanischen Kordilleren - nicht ausreichten, um ihr Hinterland vor den tobenden Wassermassen zu schützen. (Bild: Screenshot aus Roland Emmerichs Film '2012')

Symbol für die Sintflut ist die Flutwelle (Abb. 1), die vom Meer her gegen die Kontinente vordringt und gemeinsam mit dem Flutregen wirkt, der auch die übrigen, vom Meer nicht erreichten, geschützten Partien der Kontinente unter Wasser setzt. Gerade der Beschreibung dieses Flutdesasters waren die ausführlichsten Schilderungen innerhalb der Sintfluttraditionen gewidmet. Auf der anderen Seite aber verfügen wir heute ebenso über eingehende Beschreibungen über Experimente von künstlichen Impakten mit Übergeschwindigkeiten in Flüssigkeiten und über die zugehörigen Photos und Berechnungen der hierdurch erzeugten Flutwellen und deren Verbreitungsmodus.

Hinzu kommen Erfahrungen über Flutwellen von Atombombenversuchen im Pazifischen Ozean (Abb. 2). Durch die Kombination dieser Grundlagen haben wir heute ein sehr konkretes Bild vom Geschehen durch die Meeresflutwelle auch beim Sintflutimpakt. Dieses Bild ist vielfältiger, komplexer, regional stärker differenziert, als man es sich zuvor hätte ausmalen könne. So ist z. B. die fast weltweite Beteiligung von kochenden Meeresflutwogen überraschend, verblüfft mancherorts eine mehrfache Flutkatastrophe in kurzen Abständen oder erstaunt die Fluthöhe, die die amerikanische Kordillere in Depressionszonen überwinden konnte. Für die Betroffenen war dies alles umso grauenhafter, als dieses Desaster bei den späteren Teilakten bereits in der hereingebrochenen Impaktnacht erfolgte.

Abb. 2 Atomwaffen-Tests wie dieser (am 15. April 1948 auf dem Eniwetok-Atoll) haben schreckliche Schäden verursacht, aber zumindest dazu beigetrage, das Tsunami-Geschehen bei einem Impakt-Ereignis

Wir haben es uns angelegen sein lassen, zunächst die Lokalflutsagen — die im Zeitalter der Aufklärung gerne zum Anlaß genommen wurden, eine generelle Sintflut zu negieren — auszugliedern und abzutrennen. Dies war nicht schwer, da bei all den tradierten Lokalfluten in den ursprünglichen, ältesten Darstellungen keineswegs die typischen Impaktmerkmale wie Weltfeuer, permanente Nacht, Sintfrost usf. enthalten sind, die uns heute, nach Kenntnis des Geschehens bei einem kosmischen Einschlag, eindeutige Wegweiser sind, um das alte Problem leicht zu lösen.

Als Beispiele solch auszugliedernder Lokalfluten seien hier — ohne näher darauf eingehen zu können — bloß die Beispiele der weit verbreiteten griechischen Flutsagen der Antike genannt, so die Flut des Ogyges, die um 1796 v. Chr. in Theben in Boeotien stattfand und vielleicht auf einen Ausbruch des Kopais-Sees zurückgeht, dann die Flut des Deukalion, die sich um 1530 v. Chr. durch den Tsunami im Gefolge der Santorin-Vulkanexplosion im östlichen Mittelmeer einstellte und schließlich die nicht näher datierbare Flut des Dardanus, die sich bei einem Ausbruch des Pontischen Meeres ereignet haben soll (welches Desaster aber vielleicht doch schon beim Sintflut-Event stattfand).

Stellen wir unserer kurzen Auswahl von Beispielen über das Flutgeschehen der Sintflut selbst zufolge der Tradition der Völker die Betrachtung der entsprechenden Zeilen im babylonischen Gilgamesch-Epos und in der Bibel voran. In beiden Mythen wird das physische Ereignis nur schwach und wenig aussagekräftig geschildert. Im Gilgamesch-Epos mag interessieren, daß die Schuld für die sechs Tage und sieben Nächte anhaltende Flut dem Südsturm gegeben wird, was mit dem Impaktzentrum im westlichen Zentral-Indik harmoniert. Die Bibel bietet hingegen bezüglich Dauer und Ausmaß recht unzutreffende Angaben, wie aus dem Vergleich mit der Unzahl der übrigen Flutsagen hervorgeht. Und noch dazu widersprechen die beiden heterogenen Fassungen des Bibeltextes einander selbst beträchtlich. So stellt die alte, jahwistische Version fest: „Und es kam die Flut 40 Tage auf das Land", während uns in der Priesterversion mitgeteilt wird, daß die Wasserfluten 150 Tage über die Erde anstiegen, bis über die Gipfel der höchsten Berge und erst dann wieder allmählich fielen, sodaß erst wieder im zehnten Monat die Spitzen der Erde sichtbar wurden und erst nach zwölf hebräischen Mondmonaten und zehn Tagen, also zusammen nach 364 Tagen die Flut wieder versiegt war.

Abb. 3 Naturnah und realistisch sind die überlieferten Schilderungen des Impakt-Tsunamis der Eskimos (Innuit). (Bild: Foto einer jungen Innuit-Frau in traditioneller Tracht aus dem Jahr 1907)

Die große Mehrheit der übrigen Sintflutlegenden der Völker gibt der babylonischen Version recht: Fast stets wird als Dauer der Flut, der Sturzregen und der anhaltenden Dunkelheit ein Zeitraum von einer Woche ± zwei Tagen angegeben. Schwerpunkte ausführlicher Flutsagen liegen in Süd- und Südostasien (von Indien bis China, das entgegen älteren Angaben sehr wohl dezidierte Sintflutlegenden mit inkorporierten Impakterscheinungen besitzt), sodann in Australien, wo sich z. B. die Narrinyeri, die Urbewohner von Victoria, an diese einmalig große Flut erinnern: „Da erhob sich eine entsetzliche Flut, die wild über die Hügel hinstürmte, warf die Fliehenden nieder und ertränkte sie" [1]. [2]

Sehr naturnahe und realistisch ohne die sonst häufigen phantasievollen Schuldzuweisungen liest sich die Schilderung der Zentraleskimos (Abb. 3) im hohen Norden Amerikas: „Vor langer Zeit begann einmal der Ozean plötzlich zu steigen, bis er das ganze Land bedeckt hatte. Das Wasser floß über die Gipfel der Berge und das Eis trieb über sie hinweg. Als die Flut sich zurückzog, strandete das Eis und bildete überall auf den Gipfeln der Berge Eishauben" (1. c, S. 84).

Erschütternd sind die zahlreichen Berichte der Indianer Nordamerikas über die Flutkatastrophe. So die Darstellung der Navahos (Abb. 4) in Kalifornien, nach der die Flutwelle wie eine hohe Wand, wie ein Gebirge, ohne Lücke in allen Weltgegenden zugleich erschien, unüberschreitbar, unüberfahrbar, und alle Menschen ertränkte. Oder jene der Choktaw im Mississippigebiet, die zunächst von der bedrückend lang anhaltenden (Impakt-)Nacht sprachen und dann ihre Freude schilderten, als endlich ein Lichtschimmer im Norden aufkam und sie zu einem Freudenfest veranlaßte, das sehr rasch abbrach, als "man entdeckte, daß es große Berge anrollender Wogen waren, die die Leute alle umbrachten."

Abb. 4 Die Navajo gehören zu den vielen Völkern Nordamerikas, die über mehr als neun Jahrtausende hinweg die Erinnerung ihrer Vorfahren an den Impakt-Tsunami bewahrt haben. (Foto eines Navajo-Kriegers aus dem 19. Jahrhundert)

Ebenso auch noch unter Bewahrung der Details dieses schrecklichen Erlebnisses ihrer Vorfahren die Schilderung der Pimas [3]: "Da geschah in einem Augenblick ein fürchterlicher Donner und ein schreckliches Krachen, ein grüner Wasserhügel erhob sich über der Ebene. Eine Sekunde lang schien er aufrecht zu stehen, dann wurde er durch einen grellen Blitzstrahl gespalten und wälzte sich vorwärts wie ein großes Tier... Als der Morgen anbrach war nichts Lebendes mehr zu sehen außer einem einzigen Menschen — wenn es überhaupt ein Mensch war."

Als zusätzliches Schrecknis kam hinzu, daß fast in globalem Ausmaß — abgeschwächt im Atlantik-Gebiet — die Meeresflut meist als kochende See herankam, da die niedergehenden Wassermassen der Sturzregen sich im Fallen so erwärmt hatten, daß sie siedend vom Himmel fielen und das Wasser des Ozeans zum Kochen brachten, abgesehen von der Aufheizung durch die Explosion im engeren Impaktbereich. Über diese kochende Flut gibt es weithin bis Feuerland im Süden lebhaft im Gedächtnis haftende Traditionen der Völker.

Da wir heute wissen, daß es verstreut über den Weltozean hin sieben Einschlagszentren gegeben hat, so müssen wir für manche Gebiete mit dem Nacheinander und der Überlagerung getrennter Flutwellen von den individuellen Zentren her rechnen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit solcher Flutwellen beträgt nach Beobachtung von Tsunamis nach schweren Erdbeben oder nach Atomwaffenversuchen im Ozean 10-14 km/sec. Bei analogen Überlegungen zum Endkreide-Impakt ist nicht genügend berücksichtigt worden, daß neben der vom Einschlag wegrollenden Explosions-Flutwelle zusätzlich die impaktbedingten Weltbeben-Tsunamis in ebenfalls gewaltigem Ausmaß zu erwarten sind. Genau diese Schlußfolgerungen der theoretischen Überlegungen zum Sintflutgeschehen bestätigen verschiedene Traditionen der Indianer, die von zwei, ja von vier aufeinanderfolgenden Flutwellen berichten, wobei allerdings die Angaben über den zeitlichen Abstand der Fronten offenbar in Abhängigkeit des Ausmaßes des Schreckens zu verschiedener Länge angewachsen sind — von Tagen und Stunden bis zu einem halben Monat, ja sogar bis auf „viele hundert Jahre später".

Daß es sich hierbei vielleicht noch um einen verzögerten Nachläufer eines Restfragmentes vom Sintflutkometen nach einem nächsten Umlauf handelt, wäre theoretisch möglich [...], aber nicht sehr wahrscheinlich, weil wir keine entsprechenden Meldungen anderer Völker besitzen. Erst seit wir über sehr exakte Berechnungen der Fluthöhe von Impaktwogen aufgrund der Experimente und Berechnungen zum Zweck der Endkreide-Impaktanalyse verfügen, sind die davor ins Reich der Phantasie abgeschobenen Berichte der Legenden über das Ausmaß der Flutwoge plötzlich wieder in das Reich der Realität zurückgeholt worden. Hatten doch W. NAPIER & V. CLUBE [4] ermittelt, daß die Höhe der Meeresflut am Entstehungsort so groß ist, wie die Tiefe der vom Einschlag betroffenen Meeresstelle, daß sie also im Durchschnitt im Weltozean bei 4-5 km liegen kann und daß eine Maximalhöhe der Flutwelle am Beginn von 8 km möglich ist. E. GAULT & Ch. SONETT [5] berechneten dann die Dämpfung der Höhe mit der Entfernung vom Ursprungsort aufgrund ihrer Experimente.

Allerdings ist zu berücksichtigen, daß R. J. HUGGETT [6] mitgeteilt hat, daß Wogen, die in einer Entfernung von tausend bis wenige tausend Kilometer auf eine Höhe von rund 200 bis 100 m herabgemindert werden, dann beim Auflaufen auf der Küste ihre Höhe wiederum verzehnfachen, also trotzdem enorme Hindernisse beim Eindringen in den Kontinent überwinden können.

Stellt man aufgrund der Traditionen jene Regionen der Erde zusammen, die wenigstens von der direkten Überrollung durch die Meeresflutwelle verschont blieben, so zeigt sich, daß nur ganz hohe Gebirgswälle einer Überspülung getrotzt haben. So bildeten die südasiatischen Kettengebirge in dieser Hinsicht einen Schutzwall für Zentral- und Nordasien — nämlich vom Taurus über das südpersische Zagrosgebirge, den Hindukusch, den Himalaya hinüber bis zu den südchinesischen Ketten. In Südamerika waren die Anden hoch genug, um der Flut zu trotzen. Auch Zentral- und Ostafrika scheint von der Flut verschont worden zu sein, obgleich dies durch das weitgehende Fehlen von Fluttraditionen bei den Negern schwer belegbar ist. Nicht hingegen reichten die nordamerikanischen Kordilleren aus, um das Hinterland vor der Flut zu schützen, wobei zusätzlich nach Aussagen der Eskimos auch das dort von Eisschollen beladene Meer breit von Norden her in den Kontinent eindrang. Vom Indik her aber überspülte die Flut die Niederungen des Nahen Ostens und die Rotmeerfurche und verbreitete sich auch noch im östlichen Mittelmeergebiet, während die Alpen wiederum Schutz vor der im Mediterrangebiet ja bereits sehr abgeschwächten Flutwelle für Mitteleuropa boten.

Es beeindruckt tief, welche Fülle von qualitativen und regionalen individuellen Einzelheiten des Flutereignisses durch die Traditionen der Völker, die neuneinhalb Jahrtausende überwiegend mündlich überdauerten, auf uns gekommen sind. Daß dies alles nicht einfach Phantastereien sind, wie früher vielfach gedacht, wird gerade durch diese Vielfalt und die oft klaren echten Beziehungen zu den Eigenheiten des individuellen Ursprungslandes erwiesen.



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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Edith Kristan-Tollmann und Alexander Tollmann ist ihrem Papier Der Sintflut-Impakt The Flood impact entnommen, das in den Mitteilungen der österreichischen geologischen Gesellschaft 84, Wien, Juni 1992, S. 1-63, erstveröffentlicht wurde. Redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de, Publikation mit freundlicher Genehmigung von Herrn Raoul Tollmann, dem Sohn und Erben der beiden AutorInnen.

Fußnoten:

  1. Siehe: JOHANNES RIEM, "Die Sintflut in Sage und Wissenschaft", Hamburg (Agentur d. Rauhen Hauses) 1925, S. 63
  2. Red. Anmerkung: Vergl. dazu auch: electrobleme, "Australian flood myth is history", 02. Juli 2016, bei everythingselectric.com (abgerufen: 04. Juni 2020)
  3. Siehe: IGNATIUS DONNELLY, "Atlantis, die vorsintflutliche Welt" (Deutsch von W. SCHAUMBURG), Leizig (S. Schnurpfeil), 1895, S. 142
  4. Siehe: V. CLUBE und W. NAPIER, "The Cosmic Serpent", London (Faber & Faber), 1982, S. 458)
  5. Siehe: D. E. GAULT & Ch. P. SONETT, "Laboratory simulation of pelagic asteroidal impact" — Spec. Pap. geol. Soc. Amer., 190, 69-92, 18 Abb., 6 Tab., Boulder, 1982
  6. Siehe; R. HUGGETT, "Catastrophism. Systems of earth history" — IX, 246 S., etl. Abb., London (Arnold), 1969, S. 181)

Bild-Quellen:

1) Roland Emmerich, "2012" (Screenshot), nach: KINOWERKSTATT, unter: 2012 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Former Defenses Nuclear Agency (DNA) (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:AbombOperationSandstoneApril1948.png
3) Crisco 1492 (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Inuit Woman 1907 Crisco edit 2.jpg
4) Horatio Ladd, "The Story of the States: The Story of New Mexico",. Boston: D. Lothrop, 1891, S. 337 bei Wikimedia Commons, unter: File:Navajowithsilver1891.png