William H. Stiebing Jr.

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Forscher- und Autorenportrait

Abb. 1 Das Frontcover der TB-Ausgabe von William H. Stiebing Jr.'s Buch "Ancient Astronauts, Cosmic Collisions" (1984), in dem der Autor einen 'Rundumschlag' gegen alle wesentlichen Teilbereiche alternativer, devianter Ur- und Frühgeshichtsforschung ausführt.

(bb) William H. Stiebing, Jr. (geb. 1940) [1] ist ein - inzwischen emeritierter - US-amerikanischer Professor für Geschichte an der University of New Orleans, Amateur-Sänger [2] und Sach- bzw. Fachbuch-Autor.

Über Stiebings Vita, seine wissenschaftliche Laufbahn und eventuelle akademsche Meriten ist im Internet - bezeichnend genug - praktisch nichts Substanzielles zu finden, wenn man von der Information absieht, dass er im Jahr 1970 an der University of Pennsylvania in Alter Geschichte und Archäologie zum Ph.D. promovierte. [3]

Zu einer gewissen Bekanntheit gelangte Stiebing jedenfalls aufgrund seiner Sachbuch-Veröffentlichungen - z.B. "Out of the Desert?: Archaeology and the Exodus/Conquest Narratives" (1989) [4], "Uncovering the Past: A History of Archaeology" (1993) [5] und "Ancient Near Eastern History and Culture Ancient Near Eastern History and Culture" (2003) [6] -, die er auf Grundlage seiner archäologischen Kern-Komptenzen verfasste.

Darüber hinaus betätigt William H. Stiebing Jr. sich aber seit Mitte der 1970er Jahre auch als - moderat formuliert - Kritiker außenseiterischer Vergangenheitsforschung. Den Anfang seines 'Privatfeldzugs' gegen alles, was nicht ins Bild konservativer universitärer Lehrmeinungen und Paradigmen passt bzw. ihnen widerspricht, machte er ab 1974 mit seinen harschen Attacken gegen Immanuel Velikovsky und dessen cenokatastrophistische Thesen. [7] [8]

Später erweiterte Stiebing Jr. sein akademisches Feindbild immer mehr, bis er schließlich gegen alle Formen angeblicher 'Pseudoarchäologie' Front machte, wie etwa Neo-Katastrophismus, Chronologiekritik, modernen Diffusionismus, Prä-Astronautik (Paläo-SETI Forschung), vermeintliche 'Pyramidologie' und last but not least auch gegen die Atlantisforschung (sofern ihre Betreiber die Historizitäts-These vertreten). Seine diesbezüglichen Ansichten präsentierte er u.a. umfassend 1984 in seinem Buch "Ancient Astronauts, Cosmic Collisions..." [9] (Abb. 1)

Abb. 2 Die Suche nach Platons Atlantis rangiert bei Prof. Stiebing in der Rubrik so genannter 'Pseudoarchäologie'.

Zu Prof. Stiebings durchaus fragwürdigem Credo hinsichtlich so genannter 'Pseudoarchäologie' heißt es deskriptiv bei Stelios Grant Pavlou: "Stiebing hat vorgebracht, dass es, trotz vieler Unterschiede zwischen ihnen, eine Reihe von Kern-Charakeristika gebe, welche fast alle pseudoarchäologischen Interpretationen gemeinsam haben: 1) Die unwissenschaftliche Natur ihrer Verfahrensweise und Evidenzen; 2) ihre Tendenz, simple kompakte Antworten auf komplexe schwierige Fragen anzubieten; und 3) ihre Tendenz, sich selber als vom archäologischen Establishment verfolgt darzustellen, begleitet von einer ambivalenten Attitüde dem wissenschaftlichen Ethos der Aufklärung [orig.: "Enlightenment"; d.Ü.] gegenüber." [10]

Tatsächlich handelt es sich bei Stiebings Buch, das sich vor allem an ein fachlich nicht vorgebildetes Publikum (also an Laien!) richtet, nicht, wie es in einem Verlagstext heißt, um eine kritische Evaluierung "vieler dieser populären Hypothesen zur frühen Geschichte des Menschen." [11] Und es ist auch nur bedingt richtig, wenn es dort heißt: "Es präsentiert die wichtigsten Evidenzen und Argumente für und gegen Sintflut-Theorien [orig.: "theories of a universal flood"; d.Ü.], den versunkenen Kontinent Atlantis, mysteriöse Pyramidenkräfte, präkolumbische Reisen nach Amerika von Alten Ägyptern und Phöniziern, sowie Velikovskys kosmischem Katastrophismus." [12]

Vielmehr stellt "Ancient astronauts, cosmic collisions..." eine, alles anderer als objektive, zielführend auf die Diskreditierung der behandelten devianten Forschungsgebiete und ihrer Vertreter ausgerichtete, pseudoskeptische Abhandlung dar. Ihre Lektüre ist vor allem denjenigen zu empfehlen, die entweder nach professoraler Bestätigung ihrer entsprechenden Meinungen bzw. Vorurteile bezüglich außenseiterischer Vergangenheitsforschung suchen, oder aber nach Referenz-Literatur zur kritisch-reflektiven Analyse eben jener Sorte der 'Fachbücher' von Autoren mit akademischen Graden Ausschau halten, welche sich in durchaus als ideologisch zu bezeichnender Weise dem Kampf gegen wissenschaftliche 'Häretiker' verschrieben haben.

Jedenfalls wird Prof. Stiebing dem hehren wissenschaftlichen Anspruch, den er in besagtem Buch vor sich herträgt wie eine Standarte, selber nur sehr bedingt gerecht. Dies zeigt nicht zuletzt sein, das Thema 'Atlantis' betreffendes Kapitel (ATLANTIS, THE SUNKEN CONTINENT, S. 29-57). Darin befasst er sich schwerpunktmäßig - nachdem er Platons Atlantisbericht vorgestellt und einen Abriss zur Geschichte der Atlantis-Rezeption geliefert hat, der sich augenscheinlich an den Vorgaben bekannter Atlantis-Debunker, wie Lyon Sprague de Camp [13] und Robert Wauchope [14] [15] orientiert, in zwei getrennten Abschnitten vorwiegend mit zwei Annahmen: mit der 'klassischen' Vermutung von Atlantis als versunkenem Kontinent im Atlantik sowie mit der Kreto-minoischen Atlantis-Hypothese, die er letztlich beide verwirft, ohne näher auf alternative Modelle einzugehen.

Dann folgen noch zwei weitere Abschitte des Kapitels ("Atlantis in the Context of Plato's Writngs" und "Plato's Sources "), die daraufhin zugeschnitten sind, die Fiktionalitäts-These zum Atlanticus als einzig sinnvolle Lösung des Atlantis-Problems erscheinen zu lassen. Übrigens erklärte Stiebing, wie Stelios Grant Pavlou anmerkt [16], "auch später wiederholt, dass er Atlantis als Mythos betrachtet." [17] Dies mag ja an und für sich - was niemand bestreiten wird - eine legitime fachliche Meinung sein; illegitim und wissenschaftlich fragwürdig ist es jedoch, sie, wie William H. Stiebing, Jr. es de facto unternimmt, als gesicherte Erkenntnis darzustellen, um die Atlantisforschung (von der er - wie so viele andere selbsternannte Atlantologie-Kritiker - kaum eine Ahnung hat) bzw. die Vertreter der Historizitäts-These insgesamt ins wissenschaftliche Abseits stellen zu können.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: LibraryThing.com, unter: "William H. Stiebing" (abgerufen: 7. Jan. 2017)
  2. Anmerkung: Bei Stelios Grant Pavlou heißt es dazu: "In seinem Kirchenchor Solosänger, beteiligt Stiebing sich des Öfteren an lokalen Produktionen von Broadway-Musicals, wobei er in Rollen, wie Captain von Trapp in The Sound of Music und Daddy Warbucks in Annie auftritt." Quelle: S.G. Pavlou, "William H. Stiebing Jr." 17. April 2016, (jüngste Bearbeitung), bei Atlantipedia.com (abgerufen: 7. Jan. 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Quellen: Stelios Grant Pavlou, op. cit.; sowie: University of New Orleans, unter: History Faculty (abgerufen: 8. Januar 2017)
  4. Siehe: William H. Stiebing, "Out of the Desert?: Archaeology and the Exodus/Conquest Narratives", Prometheus Books, 1989 (Neuauflagen: 1999 und 2012)
  5. Siehe: William H. Stiebing, "Uncovering the Past: A History of Archaeology", Oxford University Press, 1993
  6. Siehe: William H. Stiebing, "Ancient Near Eastern History and Culture", Longman, 2003 (Neuauflagen 2009 und 2016)
  7. Anmerkung: Für eine Übersicht zu Stiebings zahlreichen diesbezüglichen Publikationen, aber auch zu wissenschaftlichen Gegenreden siehe online The Velikovsky Encyclopedia, unter: "William H. Stiebing, Jr." (abgerufen: 8. Januar 2017)
  8. Anmerkung: Zu Immanuel Velikovskys Werk siehe online - aus dem Blickwinkel seiner Anhänger - in deutscher Sprache z.B.: Julia White, "Dr. Immanuel Velikovsky - einer der grossen Wissenschaftler und Autoren der Neuzeit", unter: "Dr. Immanuel Velikovsky - Seine Arbeit" (abgerufen: 8. Januar 2017)
  9. Siehe: William H. Stiebing, "Ancient Astronauts, Cosmic Collisions and Other Popular Theories about Man's Past", Prometheus Books, 1984
  10. Quelle: Stelios Grant Pavlou, "William H. Stiebing Jr.", 17. April 2016 (jüngste Bearbeitung), bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 7. Januar 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  11. Quelle: AbeBooks.co.uk, unter: "Ancient astronauts, cosmic collisions, and other popular theories about man's past (Synopsis)" (abgerufen: 8. Januar 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  12. Quelle: ebd.
  13. Siehe: Lyon Sprague de Camp, "Versunkene Kontinente: von Atlantis, Lemuria und anderen untergegangenen Zivilisationen", Heyne, 1975; Orig: "Lost Continents: The Atlantis Theme in History, Science, and Literature", Gnome Press, 1954
  14. Siehe: Robert Wauchope, "Lost Tribes and Sunken Continents: Myth and Method in the Study of American Indians", University of Chicago Press 1962 / Mir 1966
  15. Anmerkung: Zu einer objektiven Betrachtung von Wauchopes diesbezüglichen Ansichten siehe übrigens: N. Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems" (Neuauflage), The Minerva Group, Inc., 2001, S. 11
  16. Quelle: Stelios Grant Pavlou, op. cit.
  17. Siehe z.B.: William H. Stiebing Jr., “The Nature and Dangers of Cult Archaeology”, in: Francis B. Harrold und Raymond A. Eve (Hrsg), "Cult Archaeology & Creationism: Understanding Pseudoarchaeological Beliefs about the Past", University of Iowa Press, 1987, S. 1–10

Bild-Quellen:

1) Prometheus Books / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Nikolai Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", Moskau (Verlag für fremdsprachige Literatur), 1970 / Bild-Archiv Atlantisforschung.de