Das cromagnoide Atlantis

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von Louis Charpentier (1975)


Eine alte Erzählung

[...] Man wird mir vorwerfen, mich auf das weite Feld der vorgeschichtlichen Spekulation zu begeben. Ist jedoch nicht jeder Versuch des Prähistorikers ein wenig Spekulation? Man kennt Atlantis natürlich nur durch Platon oder genauer durch die Überlieferung einer Erzählung, die der alte Solon von einem ägyptischen Priester hörte und die Platon wieder aufwärmte.

Abb. 1 Atlantis als vulkanische Großinsel im Atlantik. Nach Charpentier möglicherweise Ursprungsort der alten Cromagnon-Kultur, die in Folge der Sintflut unterging.

"Damals konnte man nämlich das Meer (den Atlantik) dort noch befahren; denn vor der Mündung, die ihr in eurer Sprache die Säulen des Herakles nennt, lag eine Insel, und diese Insel war größer als Libyen (Nordafrika) und Kleinasien zusammengenommen. Von ihr gab es für die Reisenden damals einen Zugang zu den anderen Inseln, und von diesen auf das ganze Festland gegenüber rings um jenes Meer, das man wahrhaft so bezeichnen darf... Auf dieser Insel Atlantis nun gab es eine große und bewundernswerte Königsherrschaft, die sowohl über die ganze Insel als auch über viele andere Inseln und über Teile des Festlandes ihre Macht ausübte; zudem regierten diese Könige auf der gegen uns liegenden Seite über Libyen, bis gegen Ägypten hin, und über Europa bis nach Tyrrhenien (Mittelitalien)."[1]

Aristoteles, Schüler Platons, der diesen offensichtlich verabscheute und es auch gar nicht verheimlichte, beschuldigte ihn, diese geheimnisvolle Insel inmitten des Atlantik erfunden zu haben, um unter diesem Deckmantel seine Ideen vom idealen Zusammenleben der Menschen auf der Erde publik zu machen... [vergl. dazu auch: Aristoteles - Kronzeuge gegen Atlantis?; d. Red.] Es ist natürlich gut möglich, daß Platon die Form dieses Miteinander der Menschen dieser Insel erfunden hat, deren Lage in seiner Erzählung genau beschrieben ist.

Seit Aristoteles weiß jeder, daß es untersagt ist, Atlantis ernst zu nehmen. Alle Gläubigen mußten es glauben. Man muß verstehen, daß weder der jüdische noch der christliche Klerus eine Geschichte akzeptieren konnte, die vor der Bibel lag. Trotz einzelner gegenteiliger Versuche schlug die moderne "Wissenschaft" diesen Weg um so lieber ein, als es eine Art imperatives Mandat gab ["ex oriente lux"; d. Red.], wonach Rassen, Sprachen und Kultur aus dem Osten kommen mußten.

Seither tummeln sich auf dieser geheimnisvollen oder mystischen Insel Atlantis alle Genies des vergangenen [des 19.; d. Red.] Jahrhunderts, die - da Platon ihnen nicht genügte - ihr eigenes Atlantis mit Hilfe von Behauptungen schufen, die sie aus übersteigerten Phantasien ableiteten. Das jetzige Jahrhundert hat noch einige hinzugefügt, allerdings nach Art der neuen Zeit. Hörte man nicht erst kürzlich in einer Radiosendung, in der Historiker und Naturwissenschaftler hart diskutierten, wie eine zweifellos ein wenig frustrierte Dame behauptete, es handle sich bei Atlantis um ein typisch Freudsches Symbol, beladen mit allen entsprechenden Komplexen... Atlantis, wie es Psychoanalytikerinnen verkauft wurde! [...]

Man kann diese Insel aber auch nicht einfach verschweigen. Ihre Existenz in vordiluvialer Zeit brächte logische Lösungen für Probleme, die bisher noch bestehen. Wäre es auch die frühe Überquerung des Atlantik durch einige Arten von Euro-Afrika nach Amerika oder das Auftauchen des Cro-Magnon und seine Verbreitung an der gesamten euro-afrikanischen Küste des Atlantik. Sollte es diese Insel wirklich gegeben haben, so ist klar, daß sie atlantisch war, wie Platon behauptete, im Meer zwischen der Meerenge von Gibraltar, östlich der Antillen und des Kontinents, der sich jenseits des Atlantik befindet.. Außerdem läge sie südlich genug, um den fürchterlichen Folgen der Würm-V-Eiszeit im Norden entgangen zu sein.


Geologische Argumente

Konnte eine solche Insel existieren? Ich meine geologisch? Alle Diskussionen wären sinnlos, wenn sich die Fragen nach ihrer Existenz an einer geologischen Unmöglichkeit stießen. Es scheint, daß die sogenannte Wegenersche Theorie oder die Theorie von >der Entstehung der Kontinente< im weitesten Sinne auf diese Frage Antwort gibt. Diese Theorie wird heute allgemein von den Geologen und Vulkanologen anerkannt... Und die Beweise für ihre Gültigkeit häufen sich. Wegener hatte bemerkt, daß der Verlauf er Westküste Europas und Afrikas mehr oder weniger genau der Ostküste Nord- und Südamerikas entsprach. Wenn man sie einander nähert, ist es möglich, sie fast lückenlos aneinanderzufügen. Man nahm an, daß diese beiden Kontinente in früher geologischer Zeit eine Einheit bildeten und langsam auseinanderdrifteten und zwischen sich den heutigen Atlantik schufen. Diese Theorie beschränkt sich nicht nur auf diese beiden Kontinente. Aber nur sie sollen uns im Augenblick interessieren.

... Man hat nämlich festgestellt, daß sich Amerika und Europa/Afrika voneinander entfernen; sehr wenig, aber stetig. Man sollte meinen, diese Tatsache schließe jede Möglichkeit einer so großen Insel mitten im Atlantik aus, der man nirgendwo einen Platz zwischen den sich trennenden Küsten zuordnen konnte. Das Auseinanderbrechen der Kontinente bewirkt jedoch einige vulkanische Phänomene.

Betrachtet man die Dinge, so gewinnt man den Eindruck, als ob die Kontinente zwei feste Schollen wären, die auf dem Zentralmagma der Erde schwimmen. Da sie lose miteinander verbunden sind, bilden sich Zonen von geringerer Festigkeit zwischen diesen beiden >Schollen<. In diesen entstehen Brüche, die zu Klüften führen. Dies Klüfte werden unter dem Druck des Zentralmagmas sofort wieder geschlossen. Entstehen diese Brüche auf dem Land, steigt die Lava nach oben und wir stehen vor klassisch vulkanischen Phänomenen. Wenn diese Brüche jedoch unter dem Meeresspiegel liegen, treten ganz andere Erscheinungen auf. Ist das Meer flach, gelangt die Lava an die Oberfläche und bildet Vulkaninseln. Ist das Wasser dagegen sehr tief, übt es großen Druck aus, der sich der Ausdehnung widersetzt, und der Bruch wird nur >verstopft<. Jeder Verschiebung entspricht ein neuer Lavaausstoß, und die Kontinente driften auseinander, ohne daß diese kontinuierliche Trennung deutlich wird.

Diese >Bruchzone< zwischen Europa/Afrika und Amerika existiert. Sie ist bekannt. Sie wurde in großen Tiefen des Atlantik festgestellt. Sie verläuft von Nord nach Süd und liegt grob gesehen in der Mitte zwischen Ost und West. Wissenschaftler aus aller Welt haben erklärt, sie seien für alles offen. Da man außerdem Taucherkugeln und andere Geräte zur Erforschung großer Meerestiefen entwickelt hat, wollen sie diese zur Untersuchung der Umgebung dieser großen atlantischen Falte nutzen.

Abb. 2 Im Jahr 1963 brach ein Untersee-Vulkans bei Surtsey, südlich von Island, aus und wuchs über den Meeresspiegel. Entstand einst auch Atlantis so?

Mit Archimède, der ersten französischen Taucherkugel, hat man zum erstenmal Teile dieser Falte untersucht, die von Pol zu Pol eine Länge von fast 20000 Kilometer hat und die in einem Unterseeischen Tal verläuft, das man Rücken nennt und das sich in 2000 bis 3000 Meter Tiefe befindet. [...] Für einen Magmaausstoß ist ein erheblicher Druck nötig, das heißt für 3000 Meter Tiefe 3 Tonnen pro Quadratzentimeter... Die Folge ist eine äußerst schnelle Erkaltung der heißen Lava. Es kommt also zu einer schnellen Versteinerung der Lava, so daß sich die Falte sofort wieder schließt.

Wenn die Falte heute auch in dieser Tiefe liegt, so ist es eindeutig, daß dieser Abgrund im Ozean in früheren Zeiten nicht existierte. Da auch der Wasserdruck fehlte, konnte sich das Magma nach oben ausbreiten und Vulkane im Meer, das heißt Inseln schaffen. Man darf nicht übersehen, daß alle ozeanischen Inseln bis hin zum Golf von Mexiko vulkanische Inseln sind. Das gilt sowohl für die Kapverdischen Inseln, die Kanarischen Inseln, Madeira und die Azoren wie für alle anderen unterseeischen Gipfel, die mehr oder weniger erforscht sind. Die ersten Brüche erfolgten sicher kurz nach der >Ablösung< der Kontinente. Man darf vermuten, daß die Meere, die sehr flach waren, damals keinen Druck auf diese Lavaausbrüche ausübten, die dann zu Vulkanen - und zu Inseln wurden.

Als sich die euro-afrikanischen und amerikanischen Küsten nach dieser geologischen Zeit und den vorbeiziehenden Jahrtausenden voneinander entfernten, bildeten die Lavaausbrüche Inseln, die weiter von der Küste entfernt lagen, zum Beispiel Madeira. Madeira, und sehr wahrscheinlich eine noch größere Insel... Es gibt in der Nähe des amerikanischen Kontinents Inseln oder Hochflächen in der Form von Kegeln über den großen Tiefen des Atlantik (bis 4000 Meter und darüber), die Reste dieser Lavaströme sind, ehe sich die Bruchlinie so verschob, daß sie den heutigen Antillen entspricht. Vulkanische Böden sind im allgemeinen jedoch weder sehr stabil noch sehr hart, vor allem, wenn sie auf einem Grund ruhen, der ständig mehr oder weniger in Bewegung ist. Außerdem ist Lava häufig sehr leicht (zum Beispiel Bimsstein und Treibsteine rund um Stromboli). Sie ist porös und die Lavaströme hinterlassen viele Höhlen.

Auch wenn man Poseidon nicht mit ins Spiel bringt, wird man verstehen, daß Inseln bestanden haben müssen, sogar für sehr lange Zeit, und daß sie in Folge der Sintflut verschwanden. Man kann verstehen und auch als vollkommen logisch annehmen, daß - als die nördlichen Gletscher schmolzen und für eine gewisse, bestimmt lange Zeit den Meeresspiegel hoben - unter diesem Druck und durch andere Störungen aufgrund der Änderung des Erdgleichgewichtes poröse Felsen und Höhlen einstürzten und in den Ozeanen untergingen. Unter diesem Blickwinkel wird das berühmte Atlantis Platons durchaus glaubwürdig und in allen von ihm beschriebenen Punkten sogar durchaus wahrscheinlich... Denn er, der zweifelsohne wenig von Vulkanen oder dem Ozean verstand, hat in Atlantis eine Vulkaninsel beschrieben... Oder er >wiederholt< vielmehr das, was ein anderer wußte.

Abb. 3 Wird bei großen Ausbrüchen oberseeischer oder meeresnaher Vulkane (hier der Stromboli) viel 'leichtes Material' ausgestoßen, kann die Meeresoberfläche großflächig mit Bimsstein und anderen Rückständen bedeckt werden - wie von Platon beschrieben.

Gerade diese vulkanische Erde bildete die Berge um die Ebene. [Kritias 118a-118c; die Red] Sie haben keine Merkmale wie jene kontinentalen Bergketten, die aus der Faltung der Erde entstanden, zum Beispiel die Alpen oder die Spanischen Sierras. Es ist ebenso normal, daß die Ebene zwischen diesen Bergen, Ergebnis aufeinanderfolgender Eruptionen, früher besonders fruchtbar war. Wenn sich auch die frische Lava nicht zum Ackerbau eignet, so ändert sie doch schnell ihre Eigenschaften und wird zu Staub. Hat sie eine bestimmte Auflösung erreicht, wird sie außergewöhnlich fruchtbar - wie man es in einigen Gebieten der Kanarischen Inseln feststellen kann...

Als nun Platon die Hauptstadt Poseidon[is] mit ihren drei Gürteln aus Erde und Wasser beschrieb, berichtete er auch von den runden Kratern drei aufeinanderfolgender Ausbrüche aus ein und demselben Schlund. Es folgte ein zweiter, schwächerer in dem alten Krater und schließlich noch ein dritter, der nur einen Kegel >aufsetzte<, der mit seinem dreifachen Ring wie eine Akropolis aussieht, auf der sich der Gott niederläßt, das heißt, der Tempel entsteht (es gibt auf der Insel Las Palmas einen teilweise eingestürzten Krater mit einem Durchmesser von 30 Kilometern, der in diesem Kessel weitere Krater gebildet hat.)

Platon spricht auch von vulkanischer Erde, wenn er die beiden Quellen inmitten des letzten Kegels nennt, zwei Quellen, von denen eine heiß, die andere kalt ist. Dieses Phänomen hätte man der Erfindungsgabe des Philosophen zuschreiben können. Für die Bewohner vulkanischer Gebiete wie im Zentralmassiv ist dieses Naturereignis jedoch nicht weiter erstaunlich... Soll ich noch weitere geographische Einzelheiten ausführen, die im Verlauf späterer unterseeischer Entdeckungsfahrten im Atlantik eine große Fülle von Einzelheiten brachten?

Sollte Atlantis bestanden haben, lag es im Atlantik, oder es war nicht Atlantis. Aber wo in diesem weiten Atlantik? Platon legte es gegenüber Gibraltar, wobei die Meerenge bei seinem Untergang überschwemmt wurde... Wenn dies, wie ich es mir vorstelle, dieselbe Sintflut war, die diese Meerenge öffnete, dann bedeckte dann bedeckte sie die Meerenge mit Schlamm und leichter Lava, die im Meer trieb. Nördlich von Madeira ist eine Kette unterseeischer Berge, deren höchster Gipfel Ampère nur sechzig Meter unter der Oberfläche liegt. Noch weiter draußen liegen die Azoren, nicht weit entfernt von der großen Falte, die den Atlantik von Nord nach Süd durchzieht...

Abb. 4 Heiße Quellen, wie es auf Atlantis zumindest eine gegeben haben soll, sind ein deutliches Kennzeichen für vulkanische Aktivität.

Es gibt noch andere unterseeische Berge weiter im Westen, Berge, denen ein poetischer Geograph die Namen Atlantis [-105], Platon [-213], Cruiser [-160] und Great Meteor [-205] gegeben hat. Great Meteor befindet sich genau auf derselben Breite wie die Kanarischen Inseln, die Gipfel sind mit 3000 bis 4000 Metern relativ hoch. Ich behaupte nicht, sie seien Reste von Atlantis, zumindest aber Zeugen der Vulkantätigkeit zu jener geologischen Zeit, als sich die Kontinente voneinander entfernten und als sich die große Falte nach Westen verschob.

Ich behaupte nicht, es habe Atlantis gegeben, sondern nur, daß es vielleicht dort war. Zieht man all diese Bedingungen in Betracht, wäre es unwissenschaftlich und unlogisch, seine Existenz ohne weiteres zu verwerfen, nur weil man voreingenommen ist. Würde man heute Indizien für die Wahrscheinlichkeit der Existenz von Atlantis und für die Wahrscheinlichkeit seines Nichtbestehens gegeneinander abwägen, neigte sich die Waage sicher zugunsten seiner Existenz... Und wäre es auch nur wegen dieser Art Brücke, die zwingend zwischen Afrika und Amerika bestanden haben muß, damit bestimmte Arten den Übergang auf beide Kontinente gefunden haben können.


Atlantis, die Sintflut und der Mensch von Cro-Magnon

Die Sintflut, von der Platon erzählt, und die die Insel Atlantis in den Wassern hat untergehen lassen, muß stattgefunden haben (ob diese Insel nun bestanden hat oder nicht), und sie muß auch ziemlich schrecklich gewesen sein. Gerade daran erinnern sich fast alle Mythologien der Welt, angefangen von der Genesis bis zum Gilgamesch und den Legenden der Vorläufer der Inka. Sie lassen fast alle die gesamte Menschheit untergehen. Der Priester von Saïs, Vertrauter von Solon, gab sich mit der Behauptung zufrieden, da er wahrscheinlich besser informiert war, daß nur die Bergbewohner vor den Wassern geschützt waren, als die große Flut kam.

Auch dies sei noch gesagt. Der Priester von Saïs legte den Untergang von Atlantis durch die Sintflut in das 9. Jahrtausend vor unserer Zeit, und gerade in dieser Zeit ereignete sich am Ende der sogenannten Würm-V-Eiszeit der berühmte neolithische Hiatus, der die Zivilisationen in den Höhlen zunichte machte. Könnte nicht schließlich die Erzählung Platons das Auftauchen der Cro-Magnon-Rasse erklären - die man von keiner westlichen oder östlichen Rasse ableiten kann - und deren häufigstes Auftreten man bis heute entlang der atlantischen Küste, den Pyrenäen, der Gascogne, der Normandie, der Ostsee, Norwegen und aller Inseln westlich der Britischen Inseln feststellen kann.

Abb. 5 Die Sintflut. Gemälde aus dem 19. Jahrhundert

Man sollte auch nicht die Legenden vergessen, die nicht unbedingt Kindergeschichten sind und die >Welt der Toten< der cromagnoiden Völker auf die atlantischen Inseln legen. Oder andere Legenden, die die Wissenschaft der Druiden aus einem Erbe der Atlanter entstehen lassen. War es nicht das Tor zu den Reichtümern der Atlanter, das der Berber Anteus gegen Herkules verteidigte, als er ihm den Weg zum Garten der Hesperiden verbot. Der Riese Anteus, dessen Name vielleicht einfach nur das baskische Wort handi = groß ist. Fügen wir als Kuriosität noch hinzu, daß das Meer itsas ist und die Sintflut für die Basken itse.

Die Tatsache, daß Atlantis existiert haben könnte wie heute noch Madeira, die Azoren und die Antillen, läßt den Mythos von Platon durchaus logisch und glaubwürdig erscheinen. Wie es auch um die Insel selbst und ihre Existenz bestellt sein mag, ist es möglich, daß dieser Mythos auf die Überlieferung einer früheren Invasion Europas und ganz Nordafrikas durch ein atlantisches Volk hinweist. So sagte Evhémère [Euhemeros; d. Red.], die gesamte griechische Mythologie sei nur eine Anpassung sehr alter Geschichten, und die Namen der Götter seien die Bezeichnung von Herrschern oder Eponyme verschiedener Völker, die in vorhistorischer Zeit miteinander gekämpft und sich vermischt hätten...

In der Geschichte Platons ist Poseidon (Abb. 6), der Gott des Meeres, auch der Gott von Atlantis. Er ist zumindest der Urahn der Könige, die die Insel regierten. 6000 Jahre nach der Sintflut nennt Homer Poseidon den >Weltenzerstörer< und stellt damit eine Verbindung zu Überschwemmungen, Erdbeben und Vulkanen her - die Basken gebrauchen die selbe Sprachwurzel für die Sintflut und das Meer. Überlieferung oder >Urerinnerung< an eine Verbindung zwischen dem Meer (vor allem dem Atlantik) und den Erdbewegungen? Die Sache könnte unter diesem Blickwinkel untersucht werden.

Wie es auch um die Glaubwürdigkeit der Erzählung Platons bestellt sein mag, so weisen doch die geologischen und menschlichen Tatsachen Übereinstimmungen mit dieser Erzählung auf, die uns nicht gleichgültig lassen können, wenn sie auch nicht absolut klar sind. Zu vordiluvialer Zeit, das heißt im Mesolithikum, läßt Platon die Menschen des Atlantik auf den europäischen und afrikanischen Kontinent kommen. Genau zu jener Zeit erscheint zumindest auf dem europäischen Kontinent der Cro-Magnon. Die Versuchung ist groß, diese beiden Fakten miteinander in Verbindung zu bringen. Sie ist umso größer, als sich Abkommen dieses Cro-Magnon genau an den Plätzen ausbreiteten, die Platon als Ausbreitungsgebiet eines Atlantikvolkes bezeichnete.

Abb. 6 Römische Kopie einer griechischen Statue des Gottes Poseidon

Man kann noch weiter gehen. Diese Cromagnoiden setzen sich fest - und bleiben dort - entlang der Küsten des Atlantik; der Kanarischen Inseln und des Atlas bis nach Irland und zu den Hebriden. Wenn es keine Atlanter sind, sind es Atlantiker. Außerdem ist es zumindest für Europa praktisch unmöglich, für diese Cromagnoiden anthropologische Vorfahren in den Völkern zu finden, die aus der Schicht von Combe-Capelle hervorgegangen sind und die einige Jahrtausende vor ihnen in diesen Gebieten hausten. Es sind also Eindringlinge, die von anderswo kommen - und zwar nicht aus dem Orient, das beweist ihr Blut. Es sind Menschen des Westens, und Westen bedeutet Atlantik - alles führt auf diese Feststellung zurück.

Da man in späterer Zeit vor der Sintflut des neolithischen Hiatus Cromagnoide an den Rändern des Mittelmeeres sowohl im Norden wie im Süden findet, müssen sie in den Orient gezogen sein. Und genau das hat doch Platon gesagt, oder nicht? "Auf der gegen uns liegenden Seite (das heißt zum östlichen Mittelmeer) regierten sie (die Könige von Atlantis) über Libyen, bis gegen Ägypten hin, und über Europa bis nach Tyrrhenien (Etrurien)." Also dringen diese Neuankömmlinge in Europa ein. Es ist zu spät, sich vorzustellen, ob es eine bewaffnete Invasion oder eine einfache Infiltration in Gebiete war, in denen fast keine Menschen lebten.

Zieht man alle Faktoren in Betracht, steht man nicht mehr vor Legenden oder unkontrollierbaren Erzählungen, sondern vor Tatsachen, die die moderne Wissenschaft nachgewiesen hat. Die Existenz einer Insel Atlantis und die Wanderung von Bewohnern dieser Insel nach Europa und Afrika sind ebenfalls durchaus glaubwürdig. Das setzt natürlich die prädiluviale Existenz von Seeschiffen voraus.

Die Beschreibung, die Platon von der Gesellschaftsordnung von Atlantis gibt, ist natürlich mit sehr viel mehr Vorsicht zu genießen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß Aristoteles deshalb Platon vorwarf, die Erzählung >Atlantik< von Solon benutzt zu haben, um in Legendenform seine Ideen über die Gesellschaftsordnung darzulegen, von der er träumte. Das muß aber nicht unbedingt ausschließen, daß die Erzählung des ägyptischen Priesters von Sais nicht vielleicht doch einen Hinweis auf die Existenz einer höheren Kultur auf einer Insel Atlantis gab, die im Augenblick der Sintflut unterging.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Louis Charpentier wurde seinem Werk "Das Geheimnis der Basken" (Orig.: "Le Mystère basque" bei Editions Robert Laffont, Paris 1975) entnommen, das 1986 in der Übersetzung aus dem Französischen von Grit Kuntze als Lizenzausgabe (© damals: Walter Verlag, Olten) der Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching, erschienen ist. Da es uns trotz umfangreicher Recherchen nicht möglich war, einen derzeitigen Lizenzhalter für die deutschsprachige Fassung des Buches zu ermitteln, präsentieren wir diesen Beitrag vorläufig als wissenschafts- und atlantologiehistorische Dokumentation zu Studien- und Forschungszwecken.

Fußnote:

  1. Quelle: Platon, "Timaios"; ins Deutsche übertragen von Rudolf Rufener. in: "Sämtliche Werke Band VI", Artemis Verlag.

Bild-Quellen:

1) Wolter Smit, Was this Atlantis?
2) http://www.ddg.com/LIS/InfoDesignF97/car/Real1d.htm (nicht mehr online)
3) VOLCANO DISCOVERY, unter: http://www.decadevolcano.net/photos/etna1099/etna_8364.jpg
4) http://www.geysircenter.is/english/ (nicht mehr online)
5) http://www.ddg.com/LIS/InfoDesignF97/car/Waters1.htm (nicht mehr online)
6) http://www.geocities.com/dominorus/atlantis.html (nicht mehr online)