Die 'weißen Indianer' Amazoniens

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Einführung in die Thematik

Abb. 1 Die weiten, heute vom tropischen Dschungel überwucherten Gebiete des Amazonasbeckens sollen einst die Heimat hellhäutiger Menschen gewesen sein, die sich stark von indianischen Nachbarn unterschieden.

(bb) Überall in der sogenannten Neuen Welt gibt es Überlieferungen zur vormaligen Präsenz 'weißer Indianer', die so gar nicht ins Bild amerinder Ethnien zu passen scheinen. Von den indianischen Nationen und Stämmen der Great Plains und Waldländer Nordamerikas [1], über die Ureinwohner Mittelamerikas - insbesondere in der Region Darién [2] [3] - bis hin zu den Indios der südlichen Hälfte des Doppelkontinents sprechen Sagen und Legenden der Ureinwohner/innen von solchen hellhäutigen Menschen (bisweilen auch mit blondem, braunem oder rotem Haar und blauen Augen), die z.T. schon lange vor der Ankunft der modernen Europäer quasi 'in ihrer Nachbarschaft' lebten. [4] Aber auch einige der ersten dieser europäischen Explorer, Conquistadores und Bandeiranten erklärten, solchen Menschen auf ihren Reisen begegnet zu sein. Eines der Zentren jener rätselhaften 'Hellhäutigen' befand sich anscheinend im Amazonasbecken (Abb. 1) Südamerikas, mit dessen 'Weißen Indianern' wir uns im vorliegenden Beitrag beschäftigen.

Rezeptionsgeschichte des Phänomens seit der frühen Kolonialzeit

Abb. 2 Gaspar de Carvajal (1500–1584) berichtete als erster moderner Europäer über eine Begegnung wit 'weißen Indianern' in Amazonien.

Die Begriffe 'weiße Amazonier' oder 'weiße Indianer' wurden zuerst im 16. Jahrhundert von spanischen Missionaren verwendet, die über Sichtungen oder Begegnungen mit mysteriösen Eingeborenen von 'weißer' Hautfarbe im Amazonas-Regenwald berichteten. Als allererster dieser Berichterstatter darf wohl der spanische Dominikaner Gaspar de Carvajal (Abb. 2) gelten, der erklärte, er habe als Teilnehmer einer von Gonzalo Pizarro geleiteten Expedition (1540-1542) Angehörige eines weißen Stammes von Amazoniern getroffen, die ihr langes Haar geflochten und um den Kopf gewickelt trugen. [5]

Der britische Journalist, Privatforscher und Buchautor Harold T. Wilkins hat 1947 in seinen Mysteries of Ancient South America auch diverse Berichte über ähnliche Sichtungen von 'weißen Indianern' in Mittel- und Südamerika vom 16. bis 20. Jahrhundert zusammengestellt. Über Amazonien schrieb er in diesem Zusammenhang: "Mehr als einmal berichteten Jesuiten-Missionare, wie Pater Juan Lucero [1635 -1714; d.Ü.], über Treffen mit weißen Indianern an den Ufern des Río Huallaga (Abb. 3), einem Nebenfluss des Quellgebiets des mächtigen Río Marañón oder Amazonas. " Lucero, "der 1681 von ihnen hörte, nannte sie Curveros [6] und sagte, sie hätten einen Nachfahren des Inka Túpac Amaru zum König gehabt, der gemeinsam mit 40.000 Inka-Peruanern vor den Gräueln der spnanischen Conquistadores weit weg in die unerforschten Wälder im Osten von Cuzco geflüchtet sei." [7]

Abb. 3 An den Ufern des Río Huallaga (Foto) trafen, wie es in alten Chroniken heißt, Jesuiten-Missionare auf 'weiße Indianer'.

Wir wollen hier zwar die Inka, die ja angeblich (!), besonders was die Oberschicht betrifft, zumindest zum Teil besonders hellhäutig gewesen sein sollen [8] nicht näher besprechen, um nicht den Rahmen dieses Beitrags zu sprengen, wollen aber zumindest schon einmal kurz auf die Beziehungen dieser Kultur mit dem schließlich von ihnen eroberten Reich der - definitiv extrem hellhäutigen - Chachapoya verweisen, mit welchen wir uns später im Text noch einmal befassen werden.

Halten wir nun zuerst fest, dass das Thema 'Weiße Indianer' - speziell in Amazonien - im 19. Jahrhundert kein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit gewesen zu sein scheint. Dies änderte sich augenscheinlich erst im frühen 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund eines rapide wachsenden Verlags-, Buchhandels- und Pressewesens, das ein immer größer werdendes Publikum für solche Themen gewann und dieses steigende Interesse natürlich auch zu bedienen trachtete. Diese Feststellung gilt insbesondere für die 1920er Jahre, die einen "Höhepunkt in der Zeitungsgeschichte" [9] darstellten. So ist es kaum verwunderlich, dass der britische Colonel (Oberst) Percy Fawcett, ein britischer Forschungsreisender und Abenteurer, der genau zu jener Zeit im Gebiet des Mato Grosso nach einer uralten, von ihm als 'verschollene Stadt Z' bezeichneten Örtlichkeit suchte, in der seiner Meinung nach ein Volk von 'weißen Indianern' gelebt habe oder noch immer lebe, zu einem Publikumsliebling wurde - gewissermaßen zu einem 'Vorfahren' von Indiana Jones. Der Presse-Hype um Fawcett nahm sogar noch zu, nachdem dieser 1925 auf seiner letzten Expedition mit seinen beiden Begleitern spurlos verschwand und höchstwahrscheinlich ums Leben kam. [10]

Abb. 4 Ein Foto Percy Harrison Fawcetts (Mitte) mit zwei Begleitern auf einer seiner Expeditionen. Der Forschungsreisende war von der Existenz 'weißer Indianer' überzeugt.

Für die fachwissenschaftliche Forschung war die Vorstellung 'weißer Indianer' zu dieser Zeit aber schon eher ein sprichwörlicher 'Dorn im Auge', da sich in der Altamerikanistik (vor allem in den USA) bereits die Lehrmeinung verfestigte, ALLE amerikanischen Ureinwohner/innen seien Nachfahren von Menschen, die vor Jahrtausenden via Beringstraße aus Asien kommend, nach Amerika eingewandert seien. Für 'weiße' Indianer war in diesem starren Konstrukt einfach kein Platz, und dies erklärt wahrscheinlich auch den recht 'geqält' wirkenden Bericht über eine Begegnung mit solchen Menschen, den der amerikanische Mediziner, Geograph und Geologe Alexander Hamilton Rice, Jr. (Abb. 5) nach seiner Expedition der Jahre 1924 bis 1925 in entlegene amazonische Regionen am Rio Parima (im Norden Brasiliens) ablieferte.

Abb. 5 Der Harvard-Professor Alexander Hamilton Rice Jr. tat sich offenbar schwer, seine Begegnung mit 'weißen Indianern' in Brasilien 'paradigmengerecht' zu beschreiben.

Dazu wurde Prof. Rice im Juli 1925 in der New York Times [11] folgendermaßen wiedergegeben: "Dann kamen zwei Indianer, die von der Sonne weiß gebleicht [sic!; d.Red.], aber von reinem indianischen Blut waren, aus dem Wald, um die Gruppe zu begrüßen. Dr. Rice beschrieb sie als von geringer Größe und unterernährt. Ihre Gesichter waren mit Farbpigmenten übersät, so dass es schwierig war, die Gesichtszüge zu erkennen, aber sie waren zweifellos weiß. Sie trugen keine Kleidung, [aber] Bogen und Pfeile, die an der Spitze mit Gift versehen waren, wie die zur Expedition gehörenden Indianer sagten. Als die beiden Geschenke [in Form] von Perlen und Taschentüchern erhielten, riefen sie ihren Gefährten lautstark [etwas] zu und andere schlossen sich bald der Gruppe an, die insgesamt aus zwanzig Männern und zwei Frauen bestand." [12]

Ansätze zur Lösung des Phänomens der 'weißen Indianer' Amazoniens

Nachdem wir gerade das höchst erstaunliche physiologische Phänomen "von der Sonne weiß gebleicht[er]" menschlicher Haut kennengelernt haben, wollen wir uns nun einmal ernsthaft der Frage zuwenden, wie sich das Rätsel der 'weißen Indianer' womöglich erklären lässt. Dazu beginnen wir mit der - in der Fachwelt verpönten, aber durchaus naheliegenden - Annahme, es sei (wann auch immer, oder eventuell sogar wiederholt) zur transatlantischen Zuwanderung 'weißer' Menschen, z.B aus Europa, [13] gekommen, die dann auf unterschiedliche Art und Weise mit einheimischen Völkern interagiert und physiologische Merkmale vererbt sowie kulturelle Relikte hinterlassen haben.

Abb. 6 Hier eine blondharige 'weiße' Gringuita (kleine Gringa) aus der peruanischen Region Chachapoyas, in der viele Nachfahren der alten Chachapoya leben. Bereits seit Jahrhunderten kommen dort in indianischen Familien solche Kinder zur Welt, die nicht von postkolumbischen Einanderern abstammen.

Dazu kommen wir zunächst noch einmal auf die bereits zuvor erwähnten, 'weißen' Chachapoya des andinen Peru zu sprechen, ein heute quasi ausgestorbenes Volk, das sich seinen amerinden Nachbarn nicht nur in physischer Hinsicht (durchschnittliche Körpergröße, Haut-, Augen- und Haarfarben), sondern auch in vielen kulturellen Aspekten deutlich unterschied. Der deutsche Kulturwissenschafter Prof. i.R. Hans Giffhorn hat die Vergangenheit der Chachapoya, die im späten 15. Jahrhundert von den Inka überwäligt wurden und deren Überlebende später weitgehend von durch die Spanier eingeschleppten Krankheiten ausgerottet wurden, mehr als 16 Jahre akribisch erforscht. 2013 stellte er dann die Ergebnisse seiner interdisziplinär erfolgten Studien in Buchform als geschlossene Kette überprüfbarer Evidenzen vor. [14] Kurz zusammengefasst, kommt Giffhorn zu dem Schluss:

Bereits in der Antike überquerten Menschen aus Europa - namentlich Kelten (Abb. 7), die ihrer Unterwerfung durch die römischen Legionen zu entgehen trachteten, den Atlantik, erreichten Südamerika und schlossen sich nach einer Fahrt den Amazonas hinauf den einheimischen Vorfahren der späteren Chachapoya an, mit denen sie verschmolzen, und deren weitere Entwicklung sie in verschiedenen Hinsicht beinflussten. Zu den Evidenzen, mit denen Hans Giffhorn argumentiert, gehören, ebenfalls nur kurz angerissen, Rundbauten und Festungsmauern im Chachapoya-Gebiet, wie es sie genau so im antiken Spanien gab, praktisch identische Steinschleudern, oder auch die gleiche Technik der Schädelbohrung (Trepanation) in präkolumbischen Chachapoya-Mumien.

Abb. 7 Eine phantasievolle Darstellung keltischer Krieger. Gelangten Angehörige dieses europäischen Volkes, die der Unterjochung durch die Römer entgehen wolten, über den Atlantik bis nach Südamerika, wo sie mit den alteingesessenen Vorfahren der Chachapoya verschmolzen?

Wenn wir, und sei es nur um des Arguments willen, die Historizität dieses Erklärungs-Modells zur erhnisch-kulturellen Genese und Entwicklung der Chachapoya akzeptieren bzw. in Betracht ziehen - die in universitären Fachkreisen höchtst unbeliebt ist, da sie wesentliche Paradigmen Lehrmeinungen (siehe: 'Isolationismus') der Altamerkanistik infrage stellt und konterkariert -, so dürfen wir auch über mögliche Zusammenhänge der anzunehmenden keltischen Immigration mit dem Phänomen der 'Weißen Indianer' Amazoniens nachdenken. Immerhin war der vermutete Weg hinauf zum Oberlauf und dem Quellgebiet des Amanonas weit, und entlang seiner Ufer dürfte es viele einladende Orte, bis hin zu großen Städten [15] gegeben haben, die zumindest einen Teil der Immigranten gereizt haben könnten, sich bereits dort anzusiedeln. Zudem könnten sich in der Spätzeit der Chachapoya, während der Endphase ihres Verteidigungskampfes gegen die Inka, Angehörige der hellhäutigen 'Wolkenkrieger' an Überlieferungen ihrer keltischen Vorfahren über deren Entkommen vor den militärisch unbesiegbaren Römern erinnert haben. Womöglich setzten sie sich daraufhin in die Regenwälder Amazoniens ab, wo sie sich assimilierten und gemeinsam mit Einheischen ethnisch uneinheitliche Gruppierungen bildeten, wie z.B. die Tapuya.

Auch die Aché, ein traditionell als Jäger und Sammler lebender Stamm in Paraguay dürfen im Grundsatz ebenfalls als mögliche Kandidaten für ein solches interkoninentales polyethnisches Amalgam-Modell zur Entstehung von Völkerschaften 'weißer Indianer gelten: "Sie werden", wie es in der englischsprachigen Wikipedia heißt, "von den Guaraní sprechenden Nachbarn und in frühen anthropologischen Berichten »Guayakí« genannt. Frühe Beschreibungen der Aché hoben ihre weiße Haut, helle Augen- und Haarfarbe, ihre dichten Bärte, asiatische Merkmale und die Praxis des Kannibalismus als Erkennungsmerkmale hervor. Einige neuere Artikel deuten darauf hin, dass sie Nachfahren von Wikingern [16] oder schiffbrüchigen europäischen Seeleuten sind, auch wenn benachbarte Gruppen sagten, dass sie japanisch aussehen. [17] Eine Studie aus dem Jahr 1996 berichtete, dass >neuere genetische Studien tatsächlich zu dem Schluss gekommen sind, dass die Aché den meisten anderen untersuchten südamerikanischen Indianern physisch und genetisch unähnlich sind, aber keine Hinweise auf eine europäische oder afrikanische Beimischung zeigen<." [18] [19]

Abb. 8 Albinismus bei Völkern des südlichen Amerika ist, wie auf diesen Fotos dokumentiert, ein nachweisliches anthropologisches Phänomen. Als Erklärung für das komplexe Phänomen der 'weißen Indianer' ist diese genetische Störung jedoch ungeeignet.

Bisweilen wird auch das Volk der Guna (alt.: Kuna oder Cuna) in Panama, also nordwestlich Amazoniens, zur Erklärung des Phänomens 'weißer' Indianer herangezogen, dessen Angehörige "eine hohe Rate des Vonkommens [orig.: "high incidence rate"; d.Ü.] von Albinismus aufweisen [20], was ihnen im frühen 20. Jahrhundert den Spitznamen »Weiße Indianer« einbrachte." [21] [22] Eine evidente Erklärung für die zahlreichen Berichte über 'weiße' Ureinwohner Südamerikas liefert der Verweis auf das Vorkommen von Albinismus bei dortigen Ureinwohern aber nicht, denn spätestens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Unterschied zwischen ethnisch bedingter und albinotischer 'Weißhäutigkeit' durchaus bekannt. So schrieb etwa der bereits oben zitierte Harold T. Wilkins Folgendes über eine seinerzeit recht aktuelle Begegnung mit "bärtigen [...] weißen Indianern", wobei er eingangs ausdrücklich hervorhebt, dass es sich : "um keine Albinos" gehandelt habe. Diese 'Indianer' seien: "erst 1932 mit einem deutschen Missionar" zusammengetroffen, "der entlang des Randes eines unerkundeten Waldes im östlichen Peru wanderte. [...] Der deutsche Missionar stellte [...] fest, dass er sich den »weißen Indianern« nicht nähern konnte. Sie waren scheu, furchtsam und verstohlen und trafen die Wald-Indianer am Ufer eines tief in den Wäldern gelegenen Sees, wo sie Tauschhandel betrieben." [23]

An anderer Stelle geht Wilkins noch einmal sehr konkret auf die Albinismus-Frage ein, indem er eine Zuschrift seines Freundes Admiral Bertram Chambers (1866-1945) erwähnt: "Er schreibt mir, dass ihm, als er in Peru war, von einem Mediziner Fotos von Indianern aus diesem Staat und aus den Anden-Regionen gezeigt wurden, welche weiße Albinos waren. (Abb. 7) Könnten nicht jene schwer greifbaren weißen Indianer Brasiliens und der Gebiete der der Quellflüsse des Amazonas Albinos gewesen sein, fragt er". [24] Wilkins Reaktion fiel eindeutig aus: "Die Anrwort ist NEIN!", wozu er sich auf recht außergewöhnliche Zeugen beruft: "Die alten britischen Bukanier aus Richard Sawkins’ und Barty Sharps Tagen wussten von weißen Indianern mit blauen Augen und rotbraunen [orig.: "auburn": d.Ü.] Haaren. Sie sagten, diese seien »mondäugig« und könnten im Dunkeln sehen." [25]

Ein vorläufiges Fazit

Abb. 9 Was eine Diskussion der 'weißen Indianer' Amazoniens betrifft, so erscheint es eher kontraproduktiv, alle möglichen Ethnien und Stämme ins Gespräch zu bringen, nur weil einige ihrer Angehörigen eine hellere Hautfarbe haben als andere. (Bild: Eine Gruppe von Apiaká-Indianern im Gebiet des Mato Grosso, Brasilien; Gemälde von Hércules Florence aus dem Jahr 1827)

Schon anhand der oben dargelegten, noch höchst fragmentarischen Infornation-Lage lassen sich bereits zumindest zwei Schlüsse ziehen: Zum einen handelt es sich bei den sagenhaft-legendären 'weißen Indianern' des Amazonas-Gebiets augenscheinlich nicht um Phantasie-Produkte, denn dazu liegen - bis in die jüngste Vergangenheit hinein - einfach zu viele glaubhafte Berichte über Begegnungen mit derartigen Menschen vor. Wir haben es also nicht mit einem (im landläufigen Wortsinn) 'Mythos', sondern mit einem krypto-anthropologischen oder -ethnologischen Phänomen zu tun. Zum anderen können wir vermutlich schon jetzt mit einiger Sicherheit ausschließen, dass es eine einzige, allumfassende Erklärung für dieses Phänomen gibt. Vielmehr haben wir in Betracht zu ziehen, dass es viele unterschiedliche Gründe für das Auftreten 'weißer Indianer' zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten gibt bzw. gegeben hat.

Solche Gründe können z.B. im Bereich der Mikroevolution von Teilpopulationen ursrpünglich 'unauffäliger' amerinder Ureinwohner/innen liegen; sie können auch - wie etwa im Fall der Chachapoya zu vermuten - das Ergebnis eines genetischen Inputs durch hellhäutige ('weiße') Zuwanderer sein. Oder haben wir es bei manchen 'weißen Indianern' mit den Erben einer hypothetischen untergegangenen Urbevölkerung zu tun, deren letzte Vertreter in isolierten Rückzugsräumen bis in jüngere Zeiten hinein überlebt haben? Ausschließen können wir wohl nur die Albinismus-Hypothese, die sich nicht mit den Beobachtungen ganzer Gruppen 'weißer Indianer' in Einklang bringen lässt.

Es ist bedauerlich, dass die dringend erforderliche Erforschung des Phänomens der 'weißen Indianer' im universitären Bezirk seit Jahrzehnten konsequent verweigert wird - es könnten ja Ergebnisse erzielt werden, welche inzwischen zu Dogmen verhärtete Ansichten und Standpunkte der Altamerikanistik über den sprichwörtlichen Haufen werfen! Somit bleibt sie einigen wenigen Privatforschern und so genannten 'fachfremden' Wissenschaftlern mit eingeschränkten Möglichkeiten überlassen. Allenfalls verwirrend und daher nicht zweckdienlich, was die Lösung des hier behandelte Problems angeht, ist es zudem, wenn echte Laien irgendwelche südamerikanischen Stämme oder Völker anführen, nur weil unter diesen auch einige Individuen mit hellerer Hautfarbe zu beobachten sind als ansonsten üblich.

So heißt es z.B. in der englischsprachigen Wikipedia: "Eine Gruppe von Indianern, die die Quelle einiger dieser Geschichten sein könnten, sind die brasilianischen Parakanã. Obwohl einige hellhäutig sind, »haben die Parakanã Hautfarben, die sich nicht wesentlich von denen anderer indianischer Gruppen unterscheiden.« In einem anderen Artikel heißt es: »Es gibt keine Anzeichen für eine Rassenmischung [orig.: "miscegenation"; d.Ü.] mit Kaukasiern.«" [26] [27] Besonders der Verweis auf die Studie zur Genetik der Parakanã am Ende des Zitats ist wohl vor allem dazu angetan, die lästige Vermutung transozeanischer präkolumbischer Kontakte südamerikanischer Indianer mit 'Kaukasiern' abzuwehren. Dazu bleibt abschließend festzuhalten, dass in wirklich brisanten Fällen - und hier sind noch einmal ganz konkret die Chachapoya-Mumien in Peru zu nennen - von den zuständigen Autoritäten keine zu dieser Frage aussagekräftigen genetischen Studien zugelassen werden. [28]


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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "White Amazonian Indians" (Stand: 16. Juli 2019) bei Wikipedia - The Free Encyclopedia. Übersetzung ins Deutsche, umfassende redaktionelle Bearbeitung, Korrekturen sowie weitgehende Ergänzungen durch Bernhard Beier, Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Zu den vormals 'wei0en Indianern' Nordamerikas dürfen wohl nicht zuletzt die Mandanen gezählt werden, die zumindes einen signifikanten Anteil extrem hellhäutiger Stammes-Angehörger aufwiesen, und deren genaue Herkunft und Frühgeschichte nach wie vor ungeklärt sind. Siehe zu ihnen einführend: Brent Swancer, "The Mysterious Tribe of Blue-Eyed Native Americans", 13. Oktober 2017, bei mysteriousuniverse.org; siehe zudem auch auf Deutsch: Manfred Reitz, "Kleine Kulturgeschichte der Haut – Weiße Indianer in Nordamerika", in: Aktuelle Dermatologie 32, 2006, S. 334–338 (online archiviert bei Archive.org) (beide Artikel abgerufen: 19. Juli 209)
  2. Anmerkung: Darién "ist eine geographische Region der östlichsten Landenge Panamas, die sich bis in den Nordwesten Kolumbiens um den Golf von Urabá (einen Abschnitt des Golfs von Darién) erstreckt und die physiographische Verbindung zwischen Mittel- und Südamerika bildet. Darién ist ein heißes, feuchtes Gebiet, das von tropischen Regenwäldern, Mangrovensümpfen und Mittelgebirgen mit Nebelwaldvegetation geprägt und seit jeher dünn besiedelt ist." (Quelle: Encyclopaedia Britannica (online), unter: Darién (abgerufen: 16. Juli 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlanisforschung.de)
  3. Siehe dazu sehr ausführlich und sachlich: Richard O. Marsh, "White Indians of Darien", New York, 1934 (Dieses Buch ist online bei Archive.org frei aufrufbar!)
  4. Siehe dazu auch: Alexander Braghine, "The Shadow of Atlantis", (Erstveröffentl. 1940), Adventures Unlimited Press, 1997, S-38 ff.
  5. Siehe: Gaspar de Carvajal, American Geographical Society, 1934
  6. Siehe dazu auch: Harold T. Wilkins, "Secret Cities of Old South America", New York (Cosimo, Inc.), 2008 (Reprint der Erstausgabe des Buches von 1952), S. 232
  7. Quelle: Harold T. Wilkins, "Mysteries of Ancient South America", Melbourne - Sydney - London (Rider And Co), 1947, S. 48 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  8. Siehe z.B: Dr. Manfred Reitz, "Weiße Indianer in Südamerika (Abschnitt: Das Rätsel der Inka)", bei Thieme Online Journals, Akt Dermatol 2006; 32(10): 440-445 (DOI: 10.1055/s-2006-944777), Georg Thieme Verlag KG Stuttgart - New York (abgrufen am 16. Juli 2019)
  9. Quelle: [Höhepunkt in der Zeitungsgeschichte Wikipedia - die freie Enzyklopädie], unter: "Geschichte der Zeitung, Abschnitt: "Die 1920er Jahre" (abgerufen: 16. Juli 2019)
  10. Siehe dazu z.B.: Lee Krystek, "Colonel Percy Fawcett", bei Virtual Exploration Society / unmuseum.org (abgerufen: 16. Juli 2019)
  11. Anmerkung: Laut en.Wikipedia wurde dieser Artikel auch im Magazin TIME vom 20. Juli 1925 abgedruckt.
  12. Quelle: o.A. "EXPLORER RICE BACK; SAW WHITE INDIANS – Rare Amazonian Tribe Spoke Language of Their Own, Doctor Declares – DISCOVERED BY HINTON – Naval Flier Made Perilous Flight – Over 75-Mile Jungle – Party Met Many Hardships", in: The New York Times 11. Juli 1925; zit. nach: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "White Amazonian Indians" (abgerufen: 16. Juli 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  13. Anmerkung: Denkbar ist im Grundsatz natürlich auch die transpazifische Immigration 'kaukasoider' (Jōmon oder archaischer Ainu) nach Amerika, sowie eine Kombination beider transozeanischer Optionen.
  14. Siehe die überarbeite und in Einzelpunkten revidierte 2. Auflage seines Werkes: Hans Giffhorn, "Wurde Amerika in der Antike entdeckt?: Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya", C.H.Beck, 6. März 2014, Gebundene Ausgabe: 288 Seiten --- ISBN-10: 9783406664885 --- ISBN-13: 978-3406664885; sowie: Derselbe, "Keltische Krieger im antiken Peru - die Rätsel der Chachapoya", Dopprl-DVD (Spieldauer: 190.00 Minuten), Produzent; SPIEGEL-TV Hamburg, 2016 (Produktionsjahr)
  15. Siehe z.B.: lub/ddp, "Amazonas-Völker bauten Städte im Urwald - Sie bauten schon Städte, bevor die Spanier kamen: Im Amazonas-Gebiet Brasiliens haben Archäologen Überreste städtischer Siedlungen und Straßen gefunden. Bis zu 50.000 Menschen könnten dort einst gelebt haben, vermuten die Forscher.", 29. August 2008, bei SPIEGEL ONLINE (abgerufen: 20. Juli 2019)
  16. Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de auch: William R. Corliss, "Wikinger in Südamerika?" (1989)
  17. Siehe: Kim Hill und A. Magdalena Hurtado, "Aché life history - the ecology and demography of a foraging people", Aldine Transaction, 1996, S. 58; ISBN 978-0-202-02036-5
  18. Siehe: ebd.
  19. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "White Amazonian Indians" (abgerufen: 20. Juli 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  20. Siehe: P. Jeambrun, "L'albinisme oculocutané: mises au point clinique, historique et anthropologique" [zu Deutsch: Okulokutaner Albinismus: klinische, historische und anthropologische Aspekte; d.Ü.], Archives de Pédiatrie Société française de pédiatrie. 5 (8): 896–907 (August 1998)
  21. Siehe: PROCEEDINGS OF THE BOARD OF REGENTS OF THE SMITHSONIAN INSTITUTION AT THE ANNUAL MEETING HELD DECEMBER 9, 1926, Smithsonian Institution, 9. Dezember 1926, "A paper by Miss Frances Densmore discusses the music and songs of the Tule Indians of Panama - the so-called »white Indians«."
  22. Siehe auch: Richard Oglesby Marsh, "White Indians of Darien" New York (G. P. Putnam's Sons), 1934
  23. Quelle: Harold T. Wilkins, op. cit. (1947), S. 47-48; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de
  24. Quelle: ebd., S. 59 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  25. Quelle: ebd.
  26. Siehe: Daniela M. Ribeiro, Maria S. Figueiredo, Fernando F. Costa, Maria F. Sonati: "Haplotypes of alpha-globin gene regulatory element in two Brazilian native populations", in: American Journal of Physical Anthropology, 2003, 121 (1): 58–62 (doi:10.1002/ajpa.10193 - PMID 12687583)
  27. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "White Amazonian Indians" (abgerufen: 20. Juli 2019; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  28. Quelle: Hans Giffhorn, "Wurde Amerika in der Antike entdeckt?: Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya", C.H.Beck, 2. Aufl., 6. März 2014, S. 240-244

Bild-Quellen:

1) Sentry (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Amazonasbecken.png (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
2) Unbekannte Original-Quelle / Bild-Archiv [[Hauptseite|Atlantisforschung.de
3) Flickr user Bruno Girin (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Huallaga River.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 generisch“; US-amerikanisch)
4) Original-Quelle unbekannt; Bild via: Tristan, "British Explorer Percy Fawcett and the Ancient Lost City of Z", 16. August 2015, bei bizarreandgrotesque.com
5) User:EEng (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Alexander Hamilton Rice Jr in the field.jpg
6) Bild-Archiv (©) Prof. i.R. Hans Giffhorn / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
7) Wikimedia Commons, nach: "Die Kelten", bei noricum.eu (eine höchst besuchenswerte Webeite!)
8) Original-Quelle unbekannt; Bild via: Del DowDell, White Indians in South America, 08. August 2014, bei NEPHICODE.com
9) Hércules Florence, 1804–1879 (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Indios apiaka no rio Arinos.jpg