Kelten in Amerika

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Abb. 1 Zum Vergleich: Links der Bronze-Dolch keltischen Typs, der 1900 bei Merrimackport entdeckt wurde (Peabody Museum in Andover), und daneben ein Exemplar aus Spanien (Peabody Museum der Harvard University)

(bb) Die - zwischen Vertretern des Diffusionismus und des Isolationismus in der Altamerikanistik - traditionell heiß umstrittene Frage einer möglichen, weit präkolumbischen Präsenz von Kelten in der (vermeintlich) 'Neuen Welt' hat spätestens nach den Veröffentlichungen des deutschen Kulturwissenschaftlers Hans Giffhorn zur Integration keltischer Immigranten in die Gesellschaft der antiken Chachapoya Perus [1] in jüngsten Jahren neue Brisanz erhalten. Daher haben wir uns entschieden, im Rahmen unserer Rubrik 'Präkolumbische transatlantische Kontakte' eine eigenständige Sektion zu diesem Thema einzurichten.

Einleitend stellen wir dazu einige interessante Informationen vor, die wir in Hans-Joachim Zillmers Buch "Kolumbus kam als Letzter" entdeckt haben, in dem es u.a. heißt: "Kurz nach 1900 wurde in Merrimackport (Massachusetts) ein bronzener Dolch keltischen Typs (Abb. 1, links), der sich heute im Peabody Museum in Andover befindet, von Dr. C.A. Kershaw entdeckt." [2] Dieses Spezimen, auf das bereits Barry Fell 1977 hingewiesen hat [3], ähnelt frappierend keltischen Klingen, wie sie im protohistorischen Iberien in Gebrauch waren (Abb. 1, rechts).

(Abb. 2) Der Balanced Rock von North Salem würde in Europa zweifellos als Dolmen klassifiziert werden, aber da er sich in Nordamerika befindet, zieht der wissenschaftliche Mainstream es vor, ihn als 'Laune der Natur' zu betrachten.

Ausführlicher geht Zillmer auf megalithische Relikte in den heutigen USA ein, die mit keltischen oder präkeltischen Besuchern aus Europa in Verbindung gebracht werden können, wozu er ausführt: "Es ist gut möglich, dass Hunderte von megalithischen Stätten in den Vereinigten Staaten und Kanada bis auf wenige Ausnahmen unbemerkt geblieben sind. Akademische Kreise haben sich bisher nur deshalb in die Diskussion um amerikanische Menhire (aufrecht stehende Steine) und Dolmen (Hünengräber) in Amerika eingemischt, um diese Diskussion zu verhindern und lächerlich zu machen. Soweit man megalithische Steinsetzungen in ihren prekären Stellungen nicht den Launen der letzten Eiszeit in die Schuhe schieben kann, werden sie und andere stein-, bronze- und eisenzeitliche Funde dem anscheinend unentwegten Handeln der aus Europa stammenden Kolonisten des 19. Jahrhunderts zugeschrieben - besser gesagt: in die Schuhe geschoben. Als wenn diese sich eine neue Existenz aufbauenden Siedler nichts Besseres zu tun gehabt hätten, als mühevoll Hühnengräber zu errichten!

Auf Dolmen trifft man fast überall, insbesondere in Deutschland, Irland und England, aber auch in Amerika. Ganz in der Nähe der Stadt New York besuchte ich den Balanced Rock (Abb. 2) (schwebender Fels), einen großen Dolmen in North Salem. Er besteht aus einem Block Granit, der ungefähr 60 Tonnen wiegt. Granit kommt in dieser Gegend jedoch nicht vor. Stände dieser Dolmen in Irland, wäre er ein Prunkstück aus der Zeit der Megalithiker oder Kelten.

Der Balanced Rock liegt auf kegelförmigen Kalksteinen, die in vier Gruppen angeordnet sind. Die Vermessung der mittleren Abstände der drei äußeren Kalksteinstützungen ergab das Verhältnis 2,99 zu 1,98 zu 3,00 megalithische Yards, einem Maßsystem, das die Megalithiker in Europa verwendeten. Dieses Maßsystem ist aber erst seit Alexander Thom unbestritten. [4]

Der Archäologe und Direktor des Middletown Archaeological Research Center in New York, Salvatore Michael Trento machte in den 70er Jahren Luftaufnahmen von dem Gebiet um den Balanced Rock und entdeckte Verfärbungen im Erdreich, die drei kreisförmige Ringe bildeten. [5] Es könnte sich hier in North Salem um einen alten Komplex handeln, der aus Zeiten weit vor der Ankunft europäischer Kolonisten stammt. [6] Einmal auf die Spur gebracht, fahndete ich nach weiteren Dolmen. In Westport wurde ich fündig. Dort befindet sich eine auf vier Abstützungen ruhende Steinplatte. Neben weiteren stehen größere Exemplare in Barlett (New Hampshire) und Lynn (Massachusetts)." [7]


Beiträge in dieser Sektion:

Nordamerika

Südamerika

  • Die Chachapoya und die Kelten - Erläuterungen zu Hans Giffhorns Hypothese eines transatlantischen Kulturkontakts von Menschen der Alten und der Neuen Welt vor ca. 2000 Jahren (red)


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe dazu von Hans Giffhorn: "Chachapoya: Wurde Amerika in der Antike entdeckt? Eine Beweisführung", in: Amerindian Research Nr. 31, Februar 2014, ISSN 1862-3867, S.43 ff. --- "Chachapoya: Was America discovered in ancient times?" (Ko-Autor Al Bell), academia.edu 2015 --- "Keltische Krieger im antiken Peru", (DVD, Video- und Text-Dokumentation 2016) --- sowie in Buchform: "Wurde Amerika in der Antike entdeckt? Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya", München (C.H.Beck) 2014
  2. Quelle: Hans-Joachim Zillmer, "Kolumbus kam als Letzter: Als Grönland grün war - wie Kelten und Wikinger Amerika besiedelten - Fakten, Funde, neue Theorien", München (Herbig), 2009, S. 31 (Erstausgabe 2004)
  3. Siehe: Barry Fell, "America B.C. - Ancient Settlers in the New World", 1977, S. America B.C. - Ancient Settlers in the New World", 1977, S. 128
  4. Red. Anmerkung: Hier irrt Hans-Joachim Zillmer leider. Die meisten Mainstream-Archäologen denken nach wie vor gar nicht daran, das megalitische Yard anzuerkennen, da sie damit eingestehen würden, dass es einen engen Zusammenhang, mithin eine Verwandtschaft der alten Megalithkulturen Europas (und Nordafrikas) gegeben hat, was der gängigen Lehrmeinung widerspricht. Zitat aus der deutschsprachigen Wikipedia: "Die Ansichten Thoms sind [...] von Archäologen in Kontinentaleuropa und auch in Großbritannien nie akzeptiert worden." Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Megalithisches Yard" (abgerufen 13. Juni 2017)
  5. Siehe: Salvatore Michael Trento, "The search for lost America: The mysteries of the stone ruins", Chicago, 1978
  6. Red. Anmerkung: Vergl. diesbezüglich auch die Forschungen von James Watt Mavor Jr. zu Menhiren und Cairns im US-Bundesstaat Vermont. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de einführend: Bernhard Beier, "James W. Mavor (Forscher- und Autorenportrait) - Teil 3: Alternative Ur- und Frühgeschichtsforschung"; siehe zudem auch von William R. Corliss: "Wer baute die Steinkammern von Neuengland?"; "Die steinernen Rätsel von Neuengland"; "Die 'Stehenden Steine' von Ost-Massachusetts" und: "Eine megalithische 'Souterrain'-Struktur in Connecticut?"
  7. Quelle: Hans-Joachim Zillmer, op. cit., S. 31-33

Bild-Quellen:

1) Barry Fell, "America B.C. - Ancient Settlers in the New World", 1977, S. America B.C. - Ancient Settlers in the New World", 1977, S. 128
2) Daniel Case (en.wikipedia) bei Wikimedia Commons, unter: File:Balanced Rock, North Salem, NY.jpg