Robert R. Stieglitz

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Forscher- und Autorenportrait

Biographische Notizen

Abb. 1 Professor emeritus Dr. Robert R. Stieglitz

(red) Robert 'Bob' R. Stieglitz (Abb. 1) ist ein US-amerikanischer Althistoriker und Archäologe mit Forschungsschwerpunkten, wie kulturelle Diffusion auf dem Weg griechischer und phönizischer Seefahrt sowie biblische Archäologie. Seine akademische Karriere begann mit der Erlangung des Bachelor-Grades (B.A.) in Altphilologie / Linguistik am City College of New York. Seinen Master-Grad (M.A.) erlangte er an der Brandeis University, an der er später auch zum Ph.D. für das Gebiet altmediterraner Studien promovierte.

Schließlich war Bob Stieglitz bis zu seiner Emeritierung als Professor für Archäologie an der Rutgers University tätig, wo er auch als Direktor des Grundstudien-Programms (undergraduate programm) zu antiken and mittelalterlichen Zivilisationen fungierte. Zudem lehrte er an Universitäten und Instituten in Griechenland sowie Israel, wo er auch als Kurator des National Maritime Museum in Haifa arbeitete.

Prof. Dr. Stieglitz, der vier Bücher und mehr als 100 Artikel über den alten Nahen Osten und die Welt des Mittelmeer-Raums verfasst hat, verfügt aufgrund seiner diversen Ausgrabungen küstennaher Fundstätten in Griechenland und Israel auch über reichhaltige Erfahrung im Bereich archäologischer Feldforschung. Heute leitet er archäologische Touren für ein interessiertes Publikum in Griechenland, der Türkei, auf Zypern, Kreta, Malta, Sardinien und auf Korsika.

Robert Stieglitz, Helike, eine BBC-Dokumentation und Atlantis

Abb. 2 Eine Momentaufnahme von den Ausgrabungen des antiken Helike in der Nähe des heutigen Ortes Egio am Golf von Korinth. Robert Stieglitz gehört zu den Verfechtern der Annahme, der katastrophische Untergang Helikes habe Platon zur Abfassung seiner Atlantis-Erzählung inspiriert.

Was die Auslegung von Platons Atlantisbericht betrifft, ist Robert Stieglitz, auch wenn dieses Thema augenscheinlich keines seiner eigentlichen Forschungsgebiete darstellt, ein Vertreter der Fiktionalitäts-These, also der gängigen universitär-fachwissenschaftlichen Lehrmeinung, die Atlantis-Erzählung stelle lediglich eine Erfindung Platons dar, womöglich inspirert durch tatsächliche Ereignisse aus antiker Zeit, aber ansonsten ohne jede Historizität. In einer BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2002 mit dem vollmundigen Titel "Helike - The Real Atlantis" erklärte er, wie wir bei Tony O’Connell erfahren, vor laufender Kamera: "Helike war die einzige Stadt, die während einer Nacht spurlos verschwand. [1] Wenn es also überhaupt ein Körnchen Wahrheit in der Geschichte von Atlantis gibt, so ist es das Verschwinden von Helike, das Plato inspirierte, den Mythos von Atlantis zu schreiben." [2] Auf dieser praktisch argumentationsfreien Ebene basiert der gesamte 'Atlantisbezug' der Sendung:

Abb. 3 Platon wusste mit einiger Sicherheit vom Untergang der Stadt Helike, aber als Inspiration für seinen Atlantisbericht und die darin erwähnte Mega-Katastrophe war dieses lokal begrenzte Ereignis untauglich. [3]

Bereits in der Eingangs-Sequenz wird zum ersten mal einfach behauptet, Platons Atlantis-Erzählung sei durch den Untergang von Helike inspiriert worden. Nachfolgend darf Robert Stieglitz - jeweils nur sekundenweise und immer wieder unterbrochen durch dramatische Bilder, Geräusche und Musik, einige wenige Sätze zur Einführung in die Helike-Thematik von sich geben. Danach (bei ca. 3:46 Min.) erklärt die Simme des Sprechers aus dem 'off': "So groß war die Katastrophe, dass Experten meinen, sie inspirierte die größte aller Mythen" (d.h. Platons Bericht über Atlantis´ Untergang), den er, wie es weiter heißt, wenige Jahre nach der Helike-Katastrophe verfasste.. Bei 4:11 Min. macht der Sprecher die Aussage, Helike sei "die einzige Stadt" gewesen, "die in einer Nacht unterging" und dann folgt das obige Zitat, in dem Prof. Stiegliz dies in Bezug zu Atlantis bringt.

Damit hat der sympathische Senior-Wissenschaftler, der in dieser BBC-Dokumentation, in der er augenscheinlich als eine Art akademischer "Grüßaugust" missbraucht wird, um dem behaupteten Zusammenhang zwischen Helike und Atlantis einen Anschein von Reputierlichkeit zu geben, seine Pflicht und Schuldigkeit getan: Im weiteren Verlauf des Films, in dem es praktisch nur noch um die - immerhin höchst interessante! - archäologische Suche nach Helike geht, taucht er nicht mehr auf. Die Hauptakteure sind nun die 'Champions' dieser Suche, nämlich die Archäologin Dr. Dora Katsonopoulou und ihr Forschungspartner, der Astrophysiker Steven Soter. Interessant genug, erwähnt Dr. Katsonopoulou die, von ihr später (2005) [4] öffentlich vorgestellte, atlantologische Helike-Inspirations-Hypothese in der BBC-Dokumentation - in deren Verlauf der Begriff 'Atlantis' vom Sprecher noch mehrfach ohne weitere Erläuterungen oder Zusatzinformationen 'in den Raum geworfen' wird - mit keinem Wort. Auch auf der Webseite des von ihr geleiteten Helike Project spielt Atlantis überhaupt keine Rolle. [5]

Was Prof. Robert Stieglitz betrifft, waren sein Kurzauftritt in besagter TV-Dokumentation sowie seine Aussage zu Helike und Atlantis mit Sicherheit kein bloßer Akt der Gefälligkeit. Dass er tatsächlich von der Richtigkeit der erwähnten Inspirations-Hypothese überzeugt ist, mag man schon daran erkennen, dass er im Juli 2014 im Rahmen des Seminars "Atlantis: An Archeological Mystery" der Smthsonian Associates einen Vortrag zum Thema "The Sinking of Helike and the Atlantis Allegory" [6] hielt, in dem er diese Ansicht bekräftigte.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Prof. Stieglitz bezieht sich hier auf die Aussage der Priester zu Saïs in Platons Dialog Timaios (23c-23d): "...und es kamen ein Tag und eine Nacht, in der die Masse eurer [der Athener] Krieger von der Erde verschlungen wurde, ebenso versank die Insel Atlantis im Meer und wurde den Augen entzogen..."
  2. Quelle: Tony O’Connell, "Stieglitz, Robert (N)", 17. September 2014, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 12. Jan. 2017; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  3. Anmerkung: Platon war, wie er auch in seinem Dialog Nomoi (677 a) deutlich machte, Anhänger eines zyklisch-katastrophistischen Modells der Menschheits- und Zivilisations-Geschichte, das in Größenordnungen von Kataklysmen und Ekpyrosen angelegt war. Lokal begrenzte Ereignisse, wie der plötzliche Untergang bzw. die schlagartige Vernichtung einzelner Städte wie Helike, Bura oder Atalanta waren viel zu 'niederschwellig', um in seinem Zivilisations-Geschichtsbild eine Rolle zu spielen. Zu was auch immer hätten sie ihn also inspirieren sollen?
  4. Siehe: Dora Katsonopoulou, "Helike and mythical Atlantis. An illuminating comparison", in: Stavros P. Papamarinopoulos (Hrsg.), Book of Proceedings ATLANTIS 2005, Heliotopos, 2007
  5. Anmerkung: Es muss der Verdacht aufkommen, dass hier das - in der Öffentlichkeit nach wie vor äußerst populäre - Thema 'Atlantis' von Fachwissenschaftlern bzw. von den über sie und ihre Arbeit berichterstattenden Medien einmal mehr als 'Aufhänger' instrumentalisiert wurde, um das Publikumsinteresse an den jeweiligen Forschungen zu steigern (vergl. dazu bei Atlantisforschung.de: Bernhard Beier, "Pavlopetri - Anmerkungen aus atlantologischem Blickwinkel).
  6. Quelle: o.A., "Atlantis: An Archeological Mystery", bei smithsonianassociates.org (abgerufen: 14. Jan. 2017)

Bild-Quellen:

1) Smithsonian Journeys (Smithsonian Journeys Experts), unter: "Bob Stieglitz"; nach: Tony O’Connell, "Stieglitz, Robert (N)", 17. September 2014, bei Atlantipedia.ie
2) Drekis, bei: Wikimedia Commons, unter: File:Helikeausgrabungen.jpg
3) Wellcome Images - Wellcome blog post (archive, Bild) (Urheber) / (Uploader) bei: Wikimedia Commons, unter: File:Plato. Etching by D. Cunego, 1783, after R. Mengs after Raph Wellcome V0004702.jpg; Lizenz: Creative-CommonsNamensnennung 4.0 international“. (Bild-Bearbeitung durch Atlantsforschung.de)