Balearische Inseln (Archipel)

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Basisinformationen

Abb. 1 Die fünf Hauptinseln der Balearen

(red) Die Balearischen Inseln - kurz: Balearen - (katalanisch: Illes Balears, spanisch: Islas Baleares) sind eine Inselgruppe im westlichen Mittelmeer, die geologisch eine Fortsetzung der andalusischen Gebirgskette (Betische Kordillere) darstellt. Politisch gehört sie heute als Autonome Gemeinschaft zum Königeich Spanien. Dieses zwischen Frankreich im Norden, Spanien im Nordwesten und Algerien im Süden gelegene Archipel umfasst insgesamt 151 Inseln und Eilande, von denen heute nur die größten fünf - Mallorca, Menorca, Ibiza, Formentera und Cabrera (Abb. 1) - bewohnt sind. [1]

Der Name `Balearen´ ist von dem altgriechischen Wort Baliarides (von βάλλειν - bállein, "werfen") abzuleiten, womit die in der Antike gefürcheten Steinschleuderer (Els Foners Balears) dieser Inseln gemeint waren, die als Söldner zunächst den Puniern und später den Römern wertvolle Kriegsdienste leisteten.

Balearische Urgeschichte

Die Urbevölkerung der Balearen soll, wie allgemein angenommen wird, von Iberien oder dem heutigen Südfrankreich aus eingewandert sein; erste Spuren menschlicher Siedlungen stammen aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Vermutlich verwendeten bereits diese Höhlenbewohner [2] Schleudern zur Jagd oder als Kriegsgerät. [3] Ansonsten war und blieb ihre materielle Kultur aber typisch 'steinzeitlich' und ist weitgehend durch die Bearbeitung von Feuerstein und Knochen charakterisiert. Erst für ca. 2000 bis 1800 v.d.Z. lässt sich die Herstellung von Keramik nachweisen, während die Menschen dort nach wie vor in natürlichen Höhlen lebten, wie sie sie auch zur Bestattung ihrer Toten nutzten. Zum Vergleich: Im Südwesten Europas war damals bereits die Frühbronzezeit angerbrochen und auf Kreta die Altpalastzeit der Minoischen Kultur. [4]

Abb. 2 Der Überrest des Talayot von Es Mestall bei Es Migjorn Gran auf Menorca

Erst zwischen 1800 und 1300 v.d.Z. setzte ein langsamer Angleichungsprozess mit den Kulturen außerhalb des Archipels ein, der sich u.a. in der Verwendung von Bronze-Werkzeugen und -Waffen (zunächst Pfeilspitzen) [5], der Errichtung von Wohn-Hütten und der Schaffung künstlicher Höhlen (Cuevas) ausdrückt, die vermutlich Vorformen der oberirdischen Navetas waren, welche ab ca. 1500 v.d.Z. als erster Typus von Megalithbauten auf den Balearen in Erscheinung traten. Das eigentliche Megalith-Zeitalter der so genannten Talayot-Kultur, das Talayotikum - benannt nach den Talayots, charakteristischen Großstein-Turmbauten (Abb. 2) - begann schließlich gegen 1300 V.d.Z. und endete mit der Eroberung des Archipels durch die Römer im Jahr 123 v.d.Z.. [6] Da ähnliche Bauwerke während des Talayotikums auch auf Korsika, Sardinien und Pantelleria entstanden, gingen manche Forscher schon früh davon aus, dass eine Verbindung zwischen den damaligen Kulturen des westlichen Mittelmeers bestanden haben muss. Zumindet um 1000 v.d.Z. gab es aber augenscheinlich auch schon Handelsbeziehungen der Balearen-Bewohner, die bis nach Griechenland und ins östliche Mittelmeer reichten, da auf dem Archipel griechische Bronzen und Export-Keramik aus dieser Zeit entdeckt wurden. [7]

Abb. 3 Der Talayot von Talaia Joana (Ses Salines) auf Mallorca

Zudem dürften aus diffusionistischer Sicht auch die vorausgegangene Entwicklung der Talayot-Kultur und die Übernahme megalitischer Bauweisen nicht ohne Interaktion der alten Balerarier mit den Kulturen in ihrer Umgebung möglich gewesen sein. Zwar wird heute unter Archäologen allgemein die Lehrmeinung vertreten, bei dem "Talayotikum handel[e] es sich um eine weitestgehend eigenständige, nachvollziehbare Entwicklung der Balearischen Inseln, wobei Verbindungen zu anderen Kulturen nicht ausgeschlossen sind" [8], doch wäre diese, im so genannen 'Vor-Talayotikum' einsetzende, "eigenständige" Entwicklung ohne kulturelle Transfusionen von außerhalb der Inseln wohl kaum möglich gewesen. Dabei müssen die entsprechenden Impulse keineswegs ausschließlich durch Besucher aus Iberien, Nordafrika oder dem östlichen Mittelmeer-Raum importiert worden sein. Auch frühe balearische Seefahrer könnten sie von ihren Reisen nach Hause mitgebracht haben. David Hatcher Childress verweist hierzu auf den nenommierten spanischen Prähistoriker und Archäologen Pericot Lluís García (1899-1978), der ausdrücklich feststellte, dass die frühen Bewohner der Balearen "Seefahrt betrieben, zumindest um die Kommunikation zwischen den einzelnen Inseln aufrecht zu erhalten, obwohl bisher keine Spur von den Schiffen gefunden wurde, die sie benutzten." [9]

Die Balearen und Atlantis

Abb. 4 Das Eiland Es Vedrà bei Ibiza. Nach einer modernen (!) Legende soll es sich bei ihm um den letzten Überrest von Atlantis handeln.

In atlantologischer Hinsicht - und insbesondere in Bezug auf dortige Atlantis-Lokalisierungen - gibt es über die Balearen nur wenig festzustellen. So äußerte z.B. der deutsche Forscher Albert Gruhn 1911 die Ansicht, Atlantis habe vormals zwischen diesem Archipel und Sardinien gelegen. [10] Der amerikanische Autor Robert J. Tuttle vermutete dagegen 2012 [11], die Balearen selbst seien Atlantis gewesen, bevor Teile von ihnen beim Anstieg der Meeresspiegel in der See versanken. [12]

Abb. 5 Ein Abschnitt des heute 'Atlantis' genannten alten Steinbruchs auf Ibiza, dessen Gelände von den dort ansässigen Hippies zu einer Kultstätte gemacht wurde. Sehr gut kann man hier erkennen, wo vormals die massiven Sandsteinquader aus dem Fels gesägt wurden. (Foto: © Klaus Schwenk)

Frank Joseph, der ein bronzezeitliches Atlantis im Atlantik vermutet, präsentierte 2005 seine Idee, die Balearen seien von den Atlantiern annektiert worden, und bei den Talayots handele es sich um ihre Relikte: "Ein frühbronzezeitliches Volk, das wegen seiner militärischen Aggressivität bemerkenswert ist, wie sie durch erhalten gebliebene Darstellungen behelmter Krieger, die lange Schwerter tragen, auf Stein-Stelen bezeugt wird, ließ sich auf den Balearen nieder. Es waren von Atlantis kommende Eindringlinge in den Mittelmeer-Raum, während der späten, imperialistischen Phase des Reiches, wie von Plato beschrieben. Ihre atlantische Identität wird unterstrichen durch eine Anzahl von großen steinernen Wachtürmen, die zumeist auf Mallorca gefunden wurden, die noch immer als Talaias oder Talayots - Ableitungen von Atlas - im Gedächtnis geblieben sind." [13]

Abschließen wollen wir diesen Beitrag mit einem Beispiel für moderne Legendenbildung im Zusammenhang mit Atlantis und den Balearen, wozu wir einen Blick auf das winzige Eiland Es Vedrà (Abb. 4) werfen, das sich nur wenige hundert Meter vor der Westküste von Ibiza befindet. Dort sollen, wie einige meinen, in alter Zeit die berüchtigten Sirenen ihr Unwesen getrieben haben, während manche Einheimische auf Ibiza erzählen, in den Felsen der 'magischen Insel' Es Vedrà habe Tanit, die punische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit ihr Domizil. [14] Wieder andere wollen wissen, dass dort einst ein Riese gehaust habe. "Für manche ist Es Vedrà der letzte sichtbare Teil von Atlantis, andere berichten von UFO-Erscheinungen." [15]

Lassen wir die Frage möglicher UFO-Sichtungen beiseite, so bleibt festzustellen, dass zumindest Atlantis offenbar in den 1960er Jahren mit den Hippies nach Es Vedrà und nach Ibiza kam, oder dort von ihnen während des großen Atlantis-Hypes der späten 1960er und 1970er Jahre zum Bestandteil ihrer Subkultur gemacht wurde. Das prägnanteste Beispiel hierfür ist der, von ihnen zu dieser Zeit zur Kultstätte umgwandelte und 'Atlantis' getaufte alte Steinbruch (Abb. 5) von Sa Pedrera an der Bucht Cala d'Hort (mit Blick auf Es Vedrà). Die dort zu findende Mischung aus pittoresker Naturschönheit, den bei den Steinbrucharbeiten entstandenen Strukturen (Bild a, Bild b), die teilweise nachbearbeitet wurden (Bild c), und den von den modernen Künstlern in die Landschaft 'gezauberten' Artefakten - einschließlich Felskunst (Bild d, Bild e, Bild f, Bild g) und zum Teil ring- oder spiralformigen Steinsetzungen (Bild h, Bild i, Bild j) - ist mit Worten kaum zu beschreiben. Bei einem Besuch dieser Atlantis kann tatsächlich der Eindruck aufkommen, von den Hinterlassenschaften einer verschollenen märchenhaften Kultur zu stehen. [16]


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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Balearische Inseln (abgerufen: 13. Juni 2016)
  2. Anmerkung: Diese Bezeichnung ist für die frühesten bekannten Bewohner durchaus angebracht, weil sie Siedlungsspuren vor allem in küstennahen Felsenhöhlen hinterließen. Da sie einen eher niedrigen kulturellen Entwicklungsstand aufwiesen, erscheint es naheliegend, dass diese Menschen aus ihrer kontinentalen Urheimat verdrängt wurden und auf den Balearen Zuflucht suchten, wo sie offenbar für mehr als 1000 Jahre isoliert lebten.
  3. Anmerkung: "Dem Archäologen Pericot Lluís García aus Barcelona in seinem Buch The Balearic Islands zufolge waren die ursprünglichen Bewohner [der Balearen] so versiert im Umgang mit der Schleuder, dass von vielen Historikern angenommen wird, die Schleuder sei auf diesen kleinen, entlegenen Inseln erfunden worden." (Quelle: David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 281; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  4. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter "Talayot-Kultur"
  5. Anmerkung: Das Auftauchen der Bronze auf den Balearen spricht sehr deutlich für Handelsbeziehungen mit Vertretern anderer Kulturen außerhalb des Archipels zu dieser Zeit. Wie der Archäometallurg Prof. Dr. Ünsal Yalçin vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum - Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen (DBM) Atlantisforschung.de am 16. Juni 2016 auf Anfrage mitteilte, sind bisher auf keiner der Balearischen Inseln irgendwelche abbaubaren Zinnvorkommen entdeckt worden. Eine eigenständige balearische Entwicklung der Herstellung und Bearbeitung von Bronze sei daher beim derzeitigen Erkenntnisstand auszuschließen.
  6. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter "Talayot-Kultur"
  7. Quelle: David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 281
  8. Quelle: Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter "Talayot-Kultur
  9. Quelle: Pericot Lluís García, zitiert nach: David Hatcher Childress, op. cit. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  10. Siehe: o.A., "THE LOST ATLANTIS - IT LY BETWEEN THE BALEARICS AND SARDINIA", 19 August 1911, in North Otago Times; digitalisiert bei PAPERSPAST
  11. Siehe: Robert J. Tuttle, "The Fourth Source: Effects of Natural Nuclear Reactors", Universal-Publishers, 2012, Kap. "Plato's Atlantis" (S. 301-303)
  12. Quelle: Tony O’Connell, "Balearic Islands (m)", 15. Oktober 2015, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 14. Juni 2016)
  13. Quelle: Frank Joseph, "The Atlantis Encyclopedia", Career Press, 2005, S. 65-66 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  14. Quelle: o.A., "Ibiza’s hippy heritage", 3. Juli 2015, bei: Staysure-Blog (abgerufen: 15. Juni 2016)
  15. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Es Vedrà (abgerufen: 13. Juni 2016)
  16. Siehe dazu auch: o.A., "Der Steinbruch Sa Pedrera Cala d’Hort (Atlantis)", bei santjosep.net; o.A., "Sa Pedrera de Cala d'Hort", bei santjosep.net; sowie: Sonia Aceves, "Atlantis: The Balearic version of Atlántida.", 23. Februar 2016, bei Ibiza Concierge by Sonia (alle abgerufen: 12. Juni 2016)

Bild-Quellen:

1) Perique des Palottes bei Wikimedia Commons, unter: File:Balearic.png
2) Dreizung bei Wikimedia Commons, unter: File:Talayot Es Mestall 1.JPG (Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)
3) Maria Gelabert (Autorin) / Aforesg bei Wikimedia Commons, unter: File:Talaia Joana (Ses Salines).JPG (Lizenz: Creative Commons Attribution 3.0 Unported)
4) Josep a.k.a xamonich bei Wikimedia Commons, unter: File:EIVISSA Es Vedr (1296772253).jpg
5) Klaus Schwenk, Ibiza Reisebericht, unter: Wander-Urlaub auf Ibiza - Zum Steinbruch Atlantis