Daniel Wilson

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Abb. 1 Der Ethnologe und Historiker Daniel Wilson (1816-1892) in mittleren Jahren

(bb) Der gebürtige Schotte Sir Daniel Wilson (Abb. 1) (* 5. Jan. 1816 – ✝ 6. August 1892) war ein kanadischer Archäologe und Ethnologe, der zu den akademischen Gegnern der Annahme gehörte, der Atlantisbericht stelle lediglich einen Platonischen Mythos dar. Außerdem verfocht er - entgegen dem fachwissenschaftlichen Trend seiner Zeit - die Annahme präkolumbischer transatlantischer Kontakte.

Leben und Werk

Wilson wurde in Edinburgh geboren und besuchte dort zunächst die Royal High School. Als junger Mann zog es ihn dann nach London [1], wo er im Atelier des Kunstmalers J. M. W. Turner arbeitete. Seine dort erworbenen Fähigkeiten sollten ihm später im Verlauf seiner Karriere noch zugute kommen. [2]

1842 kehrte Wilson nach Edinburgh zurück und wurde 1845 zum Sekretär der Society of Antiquaries of Scotland ernannt. [3] Er korrespondierte mit Christian Jürgensen Thomsen und Jens Jacob Asmussen Worsaae, die für das Dänische Nationalmuseum in Kopenhagen eine Ausstellung mit prähistorischen Exponaten in Form des 'Drei-Zeitalter-Systems' eingerichtet hatten, dem Konzept der chronologischen Abfolge von Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Nach dem selben chronologischen Schema organisierte er daraufhin auch die Ausstellung des Museums der schottischen Society, das damit als erstes dieser Neuerung des Kopenhagener Museums folgte. [4]

Abb. 2 Das Deckblatt von Wilsons Monographie zur Stadtgeschichte von Edinburgh aus dem Jahr 1848

Im Jahr 1848 publizierte Wilson Memorials of Edinburgh in the Olden Time (Abb. 2), dessen besonderen Wert die zahlreichen, von ihm selbst angefertigten Illustrationen ausmachen. [5] Das Buch stellt ein wichtiges Verzeichnis der vielen historischen Gebäude dar, die damals durch das rapide Wachstum der Innenstadt von Edinburgh bedroht waren. Etwa drei Jahre später (1851) veröffentlichte er The Archaeology and Prehistoric Annals of Scotland, in welchem er den Begriff "prähistorisch" (prehistoric) in die archäologische Terminologie des englischen Sprachraums einführte. [6]

Wilson verließ Schottland im Jahr 1853, um eine Professur für Geschichte und englische Literatur in Toronto anzutreten. [7] Neben seinen universitären Verpflichtungen im Bereich der Lehre konnte er dort auch seinen Forschungen auf den Gebieten der Naturgeschichte und Geologie nachgehen, und insbesondere seine zentralen Interessen an der Ethnographie indigener Gruppierungen verfolgen, denen er auf seinen Studienreisen begegnete. Viele seiner mit Wasserfarben erstellten Abbildungen von Landschaften und Lagerplätzen von 'Jäger und Sammler'-Gruppen werden in den kanadischen Nationalarchiven in Ottawa aufbewahrt. Seinen Bruder George Wilson, der erster Direktor eines neu gegründeten Museums in Edinburgh - des heutigen National Museum of Scotland - geworden war, unterstützte Daniel Wilson, indem er ethnographisches Material zur Ausstellung in Edinburgh sammelte. Zudem verfasste er eine Reihe weiterer Bücher, u.a Prehistoric man; researches into the origin of civilisation in the Old and the New world (1865), im Jahr 1869 eine biographische Studie über den englischen Poeten Thomas Chatterton [8], und Caliban: The Missing Link (1873). [9]

Abb. 3 Das Deckblatt der US-amerikanischen Ausgabe von D. Wilsons Atlantis-Buch von 1892

Von 1880 bis 1892 fungierte Wilson als Präsident des University College in Toronto und von 1890 bis 1892 als erster Präsident der föderativen Universität von Toronto. [10] Im Jahr 1888 wurde er für seine Verdienste um die Bildung in Kanada in den Adelsstand erhoben, und 1891 wurde er mit der Freedom of the City der Stadt Edinburgh geehrt. Daniel Wilson starb am 6. August 1892 in Toronto. [11] Die Sir Daniel J. Wilson Residence des University College der University of Toronto erhielt ihm zu Ehren ihren Namen.

Daniel Wilson und das Atlantis-Problem

Wie so häufig bei bedeutenden Persönlichkeiten der Wissenschaftsgeschichte wird retrospektiv auch in den 'offiziellen' Biographien und Würdigungen Daniel Wilsons geflissentlich das unterschlagen, was er an nonkonformistischen Ideen und Erkenntnissen vorzubringen hatte. Dies gilt - einmal mehr - auch für das der scientific community 'lästige' Atlantis-Problem, welches ihn offenbar gegen Ende seines reichen Forscherlebens (Abb. 4) so intensiv beschäftigte, dass es Wilson drängte, auch eine Publikation zu diesem Thema vorzulegen. Die Rede ist hier von seinem letzten, kurz nach seinem Tode mit einem Vorwort seiner Tochter, Sybil Wilson, erschienenen Werk The Lost Atlantis - and other Ethnographic Studies (Abb. 3).

Abb. 1 Sir Daniel Wilson im Alter

Diese sowohl in den USA als auch in Großbritannien [12] publizierte Zusammenstellung von "einigen, sorgfältig studierten Monographien, die miteinander durch einen feinen Faden ethnographischer Beziehung[en] verbunden sind" [13], befasst sich mit höchst unterschiedlichen Gegenständen ethnologischer Natur. Im Gegensatz zu anderen in diesem Buch enthaltenen, gemessen am heutigen Forschungsstand veralteten Texten sind gerade seine beiden Essays zum Thema 'Atlantis' und zu präkolumbischen Kontakten zwischen Alter und Neuer Welt von ungebrochener Aktualität. [14] Ihre Lektüre sollte zumindest für all jene, die sich für Atlantisforschung und den modernen Diffusionismus interessieren, eine 'Pflichtveranstaltung' sein.

Kurz gefasst, ging Wilson sowohl zu der, z.B. von dem bei ihm erwähnten Benjamin Jowett (1817-1893) vertretenen, Fiktionalitäts-These als auch zu allzu wörtlichen Auslegungen der Atlantida auf Distanz. Insbesondere lehnte er vor dem Hintergrund seiner durchaus konservativen Vorstellungen zur Meeresgeologie die Idee eines im Mittelatlantik versunkenen Kleinkontinents ab, die etwa ein Jahrzehnt zuvor Ignatius Donnelly popularisiert hatte.

Vielmeht ging er davon aus, dass Platons Atlantisbericht durch Auschmückungen im Dialog Kritias angereicherte, dunkle Relikt-Erinnerungen an frühere Zeiten überliefert, in denen alt-mediterrane Völkerschaften auch den Atlantischen Ozean, bis hin nach Amerika, befuhren: "Die Legende vom verlorenen Atlantis ist, selbst wenn sie es in keiner anderen Hinsicht sein sollte, insofern wahr, dass sie auf die Kenntnis seefahrender Rassen des Mittelmeer-Raums von der Welt jenseits des Atlantik verweist, zu einer Zeit, die bereits in den Tagen des Sokrates und auch des Solon höchst altertümlich war." [15]


Siehe auch:


Externa





Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Lemma Daniel Wilson (academic) bei Wikipedia - The Free Encyclopedia.

Fußnoten:

  1. Siehe: William Lawson Grant, "Wilson, Sir Daniel", in: Encyclopædia Britannica 28 (11. Ausgabe), Cambridge University Press, 1911, S. 691
  2. Siehe: Francess G. Halpenny (Herausgeberin), "Wilson, Sir Daniel", in: Dictionary of Canadian Biography XII (1891–1900) (online ed.). University of Toronto Press, 1990
  3. Siehe: ebd.
  4. Siehe: William Lawson Grant, op. cit.
  5. Siehe: ebd.
  6. Anmerkung: Die englischsprachige Wikipedia merkt dazu an, dass Wilson vermutlich den von Thomsen und Worsaae verwendeten, dänischen Ausdruck "forhistorie" anglisierte. Zudem verweist Wilson selbst in seinem Essay "TRADE AND COMMERCE IN THE STONE AGE" (op. cit., New York 1892; S. 81) darauf, dass auch der Begriff "Steinzeit" (Stone Period, Stone Age) "in den frühen Jahren des derzeitigen Jahrhunderts von den Altertumskundlern Dänemarks als passende Bezeichnung für jene primitive Arä des westlichen Europa..." vorgeschlagen worden sei.
  7. Siehe: William Lawson Grant, op. cit.
  8. Siehe: Daniel Wilson, "Chatterton: A Biographical Study", New York (Macmillan) 1869 (online als Google eBook)
  9. Siehe: Francess G. Halpenny, op. cit.
  10. Siehe: William Lawson Grant, op. cit.
  11. Siehe: ebd.
  12. Siehe: Sir Daniel Wilson, "The lost Atlantis and other ethnographic studies", Edinburgh (D. Douglas) 1892; digitalisiertes Faksimile im Web bei: Early Canadiana Online
  13. Anmerkung: So charakterisierte Wilson selbst dieses Werk. Aus seinen Notizen von seiner Tochter im Vorwort der US-amerikanischen Ausgabe (S. v) zitiert. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  14. Anmerkung: Das - einige Jahrzehnte nach Wilsons Tod erneut aufgeflammte - anhaltende Publikums-Interesse an ihnen zeigt sich nicht zuletzt anhand der zahlreichen Neuauflagen des Werkes, die gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und nach der Jahrtausendwende erschienen (siehe hier).
  15. Quelle: Daniel Wilson, op. cit (New York 1892), S. 29 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Hopepark bei Wikimedia Commons, unter: File:Sir Daniel Wilson.jpg
2) Google Books, unter: Memorials of Edinburgh in the Olden Time, Band 1 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Archive.org, unter: The Lost Atlantis, and other ethnographic studies (1892) (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) Magnus Manske bei Wikimedia Commons, unter: File:Daniel Wilson.png (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)