Die Besiedlungsgeschichte Amerikas und das Atlantis-Problem

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Vorwort des Verfassers

"Gegen archäologische Fakten zieht Wunschdenken stets den Kürzeren." Andrew Collins

Abb. 1 Die klassische Vorstellung eines Atlantis auf dem Mittelatlantischen Rücken ist aus Sicht konventioneller Erd-, Menschheits- und Zivilisationsforscher inakzeptabel - was bei näherer Prüfung ihrer "wissenschaftlichen" Argumente allerdings nicht allzu viel über die Historizität des Atlantisberichts aussagt.

(bb) "Es war einmal..." So beginnen nicht nur viele Kinder-Geschichten, die Eltern ihren Sprößlingen erzählen, sondern auch manches Wissenschafts-Märchen zur Erd- und Menschheitsgeschichte, das an unseren Universitäten gelehrt wird. "Es war einmal eine Landbrücke", wird den Studenten sinngemäß erzählt, "die heute unter Wasser liegt, während der jüngsten Eiszeit aber noch Asien und Amerika verband. Über diese Landbrücke wanderten vor 12 500 bis 13 500 Jahren schmutzige, in Felle gekleidete Nomaden nach Amerika ein, das zuvor noch nie der Fuß eines Menschen betreten hatte.

Diese höhlenmenschen-artigen Wilden bemerkten gar nicht, dass sie von einem Kontinent zum anderen überwechselten, und auf der Jagd nach Großwild stießen sie durch einen eisfreien Korridor im Gebiet des heutigen Kanada nach Süden vor. Innerhalb von nur 2000 Jahren breiteten sich ihre Nachkommen über ganz Nord- und Südamerika aus, wobei sie nebenbei gleich die meisten Groß-Säugetiere des Doppelkontinents ausrotteten.

Nachdem die Landbrücke in den anschwellenden, endglazialen Meeres-Fluten versunken war, konnte viele Jahrtausende lang niemand mehr nach Amerika gelangen, denn die Steinzeitmenschen der anderen Erdteile waren ja noch viel zu primitiv, um Boote oder Schiffe zu bauen, mit denen man die gewaltigen Wasserwüsten der Ozeane hätte überqueren können. Technologisches Know-how jenseits simpler Steinwerkzeug-Herstellung besaßen sie nicht."

Abb. 2 War Atlantis lediglich eine Erfindung Platons (Bild)? Hat er mit seinem Bericht tatsächlich nur eine "fixe Idee" in die Welt gesetzt und einen "Beitrag zur Geschichte der menschlichen Narrheit" geleistet, wie Atlantologie-Kritiker behaupten?

So, und nicht anders, soll sich die Erstbesiedlung Amerikas durch den Menschen zugetragen haben. Das behaupten jedenfalls die meisten sogenannten 'Fachleute'. Andere Meinungen sind nicht zulässig, gelten als antiquiert, 'an den Haaren herbeigezogen', oder werden, wenn sie mit Atlantis zu tun haben, besonders lautstark angegriffen; schließlich wird Atlantisforschung in diesen Kreisen seit langem als "unwissenschaftlich" [1] oder auch als "Akt des Eskapismus" [2] gebrandmarkt. Insbesondere, wenn der Begriff "Atlantis" im Zusammenhang mit Paläo-Amerika und seinen Bewohnern ins Spiel gebracht wird, verstehen die Damen und Herren des wissenschaftlichen Establishments keinen 'Spaß'!

Weiß denn nicht jeder 'vernünftige' Mensch, dass Atlantis lediglich eine Erfindung Platons (Abb. 2) ist, eine "fixe Idee" und ein "Beitrag zur Geschichte der menschlichen Narrheit" [3] dem nur "geistige Hochstapler" [4] einen historischen Charakter beimessen können? So erklärte erst im August 2004 Prof. Ulf Strohmayer von der National University of Ireland, Galway: "Mythische Orte wie Atlantis sind lediglich dazu da, um irgendwelche Sehnsüchte nach einem Land Utopia in der menschlichen Psyche zu befriedigen. Wir schaffen sie, um uns selber weiszumachen, dass das menschliche Leben, wenn wir auf diesem Planeten die Augen zumachen, woanders, an einem besseren Ort, weitergehen wird." [5] Sic!

"Die Archäologen insbesondere", stellte der österreichische Atlantologe Otto Muck, ein hauptberuflicher Ingenieur, der zudem Physik, Geophysik und Frühgeschichte studiert hatte, 1954 bedauernd fest, "stoßen sich an jenen Stellen von Platons Text, aus denen hervorgeht, daß vor etwa 12 000 Jahren eine erstaunliche Kulturhöhe auf Atlantis bestanden haben soll". Diese "Ablehnung beruht auf einer wissenschaftlichen Lehrmeinung, die lautet: Es ist ausgeschlossen, daß es vor 12 000 Jahren eine Hochkultur gegeben hat, wie Platon sie uns schildert." [6] Mindestens ebenso vehement wird das klassische Atlantis-Modell auch von den meisten Anthropologen [7] abgelehnt, unter denen sich das eingangs vorgestellte Beringstraßen-Paradigma durchgesetzt hat, mit dem erklärt werden soll, wie die "Paläo-Indianer" auf den "isolierten" Kontinent Amerika gelangten.

Im folgenden Beitrag wollen wir aus atlantologischer sowie atlantologie-historischer [8] Sicht den kultur- und wissenschaftsgeschichtlichen Ursachen für diese Ablehnung nachgehen und dabei die Frage ins Zentrum unserer Betrachtung stellen, welche Zusammenhänge zwischen ihr und der modernen Entdeckungs- sowie Besiedlungsgeschichte Amerikas bzw. dem eurozentrischen Blickwinkel wissenschaftlicher Rezeption dieses Komplexes bestehen.

Vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse, u.a. auf den Feldern der Archäologie, Anthropologie und Genetik, können wir überprüfen, ob die schulwissenschaftliche Feindseligkeit und Ignoranz gegenüber der klassischen Atlantis-Hypothese (vergl. dazu: Atlantis im Atlantik sowie: "Kleinkontinent" Atlantis?) tatsächlich gerechtfertigt ist. Die Felder der Geologie (siehe dazu auch: Der geologische Streit um den versunkenen "Kleinkontinent" im Atlantik) und Mythologie (vergl. dazu auch: Stichwort: Euhemerismus; und: Indianische Ursprungs-Mythen, Atlantis und Meropa) haben wir dabei nur 'angerissen', da sie bei Atlantisforschung.de an anderer Stelle ausführlich behandelt werden.


INHALT

1. Teil: Wie Amerika wiederentdeckt wurde - und Atlantis erneut verloren ging

a) Atlantis und die Wiederentdeckung Amerikas durch die Europäer

b) Atlantis und das 'Heiden-Paradigma' - Christlich-europäischer Kulturimperialismus im nachkolumbischen Amerika

c) Irrwege konventioneller Alt-Amerikanisten des 20. Jahrhunderts


2. Teil: Der Mensch im paläolithischen Amerika: Evidenzen contra Paradigmen:

a) Eine Chronologie der Demontage des Beringia- und Clovis-Konzepts (Teil 1)

b) Eine Chronologie der Demontage des Beringia- und Clovis-Konzepts (Teil 2)

c) Moderne Genetik und neue Einblicke in die Paläo-Historie

d) Und jetzt auch noch 'Kaukasoide' in Paläo-Amerika ?!?


3. Teil: Quo vadis, Atlantisforschung? Schlussbemerkungen zum 'Stand der Dinge

Zurück nach Atlantis: Entwicklungen, Ausblicke und Perspektiven


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag wurde zwischen Nov. 2005 und Feb. 2007 von Bernhard Beier © für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Siehe: H.G. Wunderlich, in Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende, Rohwolt 1974, Seite 401
  2. Siehe: Lyon Sprague de Camp, in Versunkene Kontinente, 3. Aufl., Heyne, 1975, Seite 1, 2
  3. Siehe: Arn Strohmeyer, Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos, Donat-Verlag, Bremen, 1997, S. 94
  4. Siehe: Arn Strohmeyer, Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos, Donat-Verlag, Bremen, 1997, S. 10
  5. Quelle: Anonymus, Ireland On-Line news, August 12th, 2004, nach http://www.mythicalireland.com/ancientsites/tara/atlantis2.php (Übersetzung aus dem Englischen durch Atlantisforschung.de)
  6. Quelle: Otto Muck, Alles über Atlantis, München/Zürich, 1976, S. 61, 62
  7. Anmerkung: Vergl. dazu auch: Paläo-Anthropologie und Atlantisforschung
  8. Anmerkung: Vergl dazu auch: Atlantologie-Historik - Beschäftigung mit der Geschichte der Atlantisforschung

Bild-Quellen:

1) http://www.altrementi.com/images/degn.jpg
2) http://usuarios.lycos.es/CULTURA_CLASICA/biografias/platon.jpg (Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)