Gloria Farley

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Forscherinnen- und Autorinnenportrait

Abb. 1 Gloria Farley (1916-2006)

(bb) Gloria Stewart Farley (Abb. 1) (* 1916; † März 2006) war eine amerikanische Vorschul-Pädagogin, Sozialarbeiterin, Privatgelehrte, Amateur-Archäologin und -Epigraphikerin sowie eine engagierte Diffusionistin und Verfechterin der Annahme präkolumbischer transatlanischer Reisen und Aufenthalte von Menschen aus der Alten Welt nach und in Nordamerika.

Als Tochter eines Arztes in Heavener, Oklahoma geboren, wo sie - abgesehen von einem 13-jährigen Aufenthalt in Missouri und Washington Court House, Ohio, nach ihrer Eheschließung mit J. Ray Farley - ihr gesamtes Leben lang ansässig war, begann sie sich schon früh für die Rätsel der Vergangenheit in ihrer Heimat zu interessieren. Bereits im Alter von zwölf Jahren bekam sie bei einem Ausflug zum Poteau Mountain eine, damals nur Einheimischen bekannte, lokale Kuriosität zu sehen: eine aufrecht stehende, ca. 3,60 m hohe Steinplatte, die mit mysteriösen Glyphen beschriftet ist. Dieser Stein, der die Zeitläufte in einem von der Natur geschützten Areal überstanden hat, bzw. seine Inschrift (Abb. 2) wurde später zu einem von Gloria Farleys zentralen Forschungsobjekten, dem sie jahrelange Studien widmete. Ihr verdankt dieses rätselhafte und nach wie vor umstrittene Objekt auch den Namen, unter welchem es inzwischen weltweite Bekanntheit erlangt hat: der Heavener Runestone. [1]

Abb. 2 Die Inschrift auf dem Heavener Runestone, der von Gloria Farley auf diesen Namen 'getauft' wurde

Mehr als fünfzig Jahre lang suchte Gloria Farley nicht nur in Archiven und Bibliotheken, sondern auch - "schroffe Steilhänge erklimmend und durch schlammbedeckte Höhlen kriechend, um Beweise zu sammeln" [2] - im Rahmen ausgedehnter Feldforschung, nach Evidenzen für die Anwesenheit fremder Besucher - Händler, Exploratoren und Einwanderer - im präkolumbischen Nordamerika. "Sie widmete ihrer Suche Wochenenden, Ferien und Urlaubsreisen - wobei sie dafür nicht selten ein Viertel ihres bescheidenen Einkommens als Sozialarbeiterin ausgab". [3]

Abb. 3 Das Frontcover von Gloria Farleys Werk In Plain Sight aus dem Jahr 1994

Bereits bei ihren frühen Forschungsreisen durch Oklahoma, Arkansas und Colorado [4] (spätere Expeditionen führten sie in einundzwanzig weitere US-Staaten, nach British Columbia, Ägypten und Nubien) stieß Farley, die alle wesentlichen Grundlagen und Techniken des archäologischen Handwerks - wie das Anfertigen von Skizzen der Fundstätten, von Gipsabdrücken und von Fotos des Fundguts usw. - autodidaktisch erlernte, auf überraschend viele Felsritzungen mit Glyphen, aber auch auf andere Artefakte, die augenscheinlich nicht amerinden Ursprungs waren - ein Talent, dass ihr schließlich die Bezeichnung "epigraphic explorer" (Epigraphie-Kundschafterin) eintrug.

Jedenfalls stieß Farley schon bis zur Mitte der 1970er Jahre im zentralen Bereich der Vereinigten Staaten auf konkrete Hinweise für die altertümliche Präsenz von Skandinaviern, Agyptern, Iberern und Libyern. Gehandikapt war die Forscherin dabei zunächst durch die Tatsache, dass sie anfangs ebensowenig Ahnung von Epigraphie hatte wie die allermeisten US-amerikanischen Berufsarchäologen, die ebenfalls keine nennenswerte Ausbildung in der Entzifferung alter Schriften Europas, Afrikas, oder Asiens vorweisen konnten. Auch diesbezüglich musste sich Farley im Selbststudium die notwendgen Kenntnisse aneignen. Außerdem schickte sie Fundberichte und Spezimen zur Begutachtung an Experten.

(Abb. 4) Vorder- und Rückseite der so genannten Thurium-Münze, die um 1955 bei Terral, Oklahoma, entdeckt wurde. Dieses, mit vier Ösen zu einem Anhänger umgearbeitete Spezimen aus Bronze wurde ca. 200 v.Chr. in der griechischen Kolonie Thurium in Italien geprägt - eine von diversen 'numismatschen Anomalien', die Gloria Farley in ihrem Buch vorstellt. (Fotos: Cyclone Covey)

Gedankt wurde ihr dies allerdings nur im Lager der akademischen Anhänger oder Vertreter des Diffusionismus, wie etwa George F. Carter, Norman Totten und Barry Fell (der 1976 in senem Buch America B.C. auf mehrere ihrer Entdeckungen hinwies), während man sie seitens des isolationistischen Mainstreams zumeist als "unwissenschaftliche Exzentrikerin" abtat, und sich über ihre angebliche Ünfähigkeit mokierte, ihre Funde selbst zu übersetzen und zu analysieren. "Das ist Unsinn", bemerkte Fell dazu. "Gloria kann zehn verschiedene altertümliche Schriften identifizieren, und sie ist unermüdlich bei ihrer Verfolgung von Spuren." [5]

Immerhin bekam die überaus engagierte Privatforscherin, die 1976 zur Präsdentin der damaligen Eastern Oklahoma Historical Society gewählt wurde, später die Gelegenheit, Vorträge an der Harvard University und vor der Southern Historical Association zu halten [6], sowie 1980 - gemeinsam mit Prof. Norman Totten - an der Brigham Young University in Utah. Zudem erhielt Gloria Farley aufgrund ihrer Forschungsarbeit zahlreiche Ehrungen. So wurde sie z.B. bereits 1977 durch die Handelskammer von Heavener zur 'Bürgerin des Jahres' gewählt, und 1982 als Gründungsmitglied in die Oklahoma Women's Hall of Fame aufgenommen. Die Epigraphic Society ernannte sie zum Fellow und die Midwestern Epigraphik Society verlieh ihr im Jahr 2000 den Barry Fell Award. Zudem wurde sie Fellow des renommierten Explorers Club.

In Jahr 1994 erschien Farleys populärwissenschaftlich gehaltenes Buch "In Plain Sight: Old World Records in Ancient America" (Abb. 3). Darin handelt sie zahlreiche wichtige Funde und Projekte ihres Lebenswerks ab, wie den Heavener Runestone, den sie als Relikt einer Amerika-Fahrt von Wikingern betrachtete, welche Nordamerika - wie auch andere präkolumbische Besucher - bereisten, indem sie das ausgedehnte Fluss-System des Teilkontinents nutzten. Besonders interessant sind u.a. ihre Beschreibungen diverser Entdeckungen antiker altweltlicher Münzen (Abb. 4) [7] und Schiffsabbildungen [8]. Bevor Gloria Farley im März 2006 verstarb, sorgte sie mit der Initiierung einer non-profit Organisation namens Gloria Farley Publications Incorprated [9] dafür, dass In Plain Sight - auch posthum weiterhin erscheinen kann.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Fußnoten:

  1. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Bernhard Beier, Krypto-archäologische Funde in Heavener, Oklahoma, unter: Der 'Heavener Runestone'
  2. Quelle: Thomas Fleming, "EVIDENCE PROVES IT: COLUMBUS WAS A LATECOMER - There's proof that shows Mediterraneans were living in America - from New England to the Southwest", 29. Januar 1978, in The Lakeland Ledger; nach: Google News Newspaper Archive
  3. Quelle: ebd.
  4. Zu entsprechenden Funden in Colorado siehe bei Atlantisforschung.de auch: William R. Corliss, "Bemerkenswerte Petroglyphen in Colorado und Alabama" (1984)
  5. Quelle: Barry Fell, zitiert nach Thomas Fleming, op. cit., 1978 (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Anmerkung: Leider gibt Thomas Fleming, von dem auch diese Information stammt, dazu keine Datierungen an. Es lässt sich also zunächst nur feststellen, dass diese beiden Vorträge von Gloria Farley vor dem Januar 1978 erfolgten.
  7. Online nachzulesen unter: Gloria Farley, In Plain Sight, Chapter 11 - The Coincidence of the Coins, bei gloriafarley.com
  8. Online nachzulesen unter: Gloria Farley, In Plain Sight, Chapter 2 - They Came in Ships, bei gloriafarley.com
  9. Siehe dazu auch: Bart Torbert, "Gloria Farley Publications Incorporated", 8. Juli 2006, bei Yahoo! groups - Epigrapy forum

Bild-Quellen:

1) Gloria Farley Publications Incorporated, unter: "In Plain Sight" Old World Records in Ancient America - By Gloria Farley
2) Technogypsy bei Wikimedia Commons, unter: File:Heavener-runestenen.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Gloria Farley Publications Incorporated, unter: "In Plain Sight" Old World Records in Ancient America - By Gloria Farley" (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) Cyclone Covey, nach: Gloria Farley, "In Plain Sight - Old World Records in Ancient America", Chapter 11 - The Coincidence of the Coins (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)