Muck (Geologie)

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Auf einen Blick

Abb. 1 Blick auf die mit Baggern freigelegte Flanke einer massiven Muck-Schicht auf der Fundstätte von Cripple Creek (64° 49' 58 Nord, 147° 59' 56 West) in Alaska. (Foto: Loren Eiseley, 1943)

(red) Der Fachbegriff »Muck« (aus dem Englischen, Bedeutung u.a.: "Dreck" oder "Schmodder") bezeichnet in der Geologie und Paläontologie eine spezielle Form von Ablagerungen in einer Dauerfrostschicht, die aus einem gefrorenen Gemenge aus Schlamm, Sand, tierischen und pflanzlichen Überresten sowie Geröll und bisweilen Eisklumpen besteht. Insbesondere für entsprechende Schichten in Kanada und Alaska ist diese Bezeichnung gebräuchlich. Eine Verbreitung solcher »Muck«-Ablagerungen über die gesamte nicht vergletscherte, nordöstliche Kontinentalhalbinsel (Alaska / Nordostkanada) wird angenommen. [1]

Forschungsgeschichte und Kontroversen

Goldfunde lösten in den Jahren von 1890 bis 1900 einen regelrechten 'Goldrausch' in Alaska und Kanada aus. In der Folge rückten auch die dortigen, in entlegenen Gebieten befindlichen, geologischen Schichten stärker in den Fokus der Untersuchungen. Geowissenschaftler und gerade Paläontologen nutzten die Möglichkeiten zur Feldforschung, die sich für sie aus der Tatsache ergaben, dass sich die entstehende Bergbau-Industrie häufig durch durch die bisweilen sehr massiven »Muck«-Schichten graben muss/te, um an die besonders goldhaltigen Strata zu gelangen. So konnten die Forscher - z.B. bei der Goldmine von Cripple Creek, der bekanntesten Fundstätte dieser Art (Abb. 1) - enorme Mengen an Überresten urtümlicher, heute zum großen Teil ausgestorbener Tierarten bergen. Diese Fundstätten sind nicht zuletzt von besonderem wissenschaftlichem Interesse, da sie nicht nur große Mengen an Knochen, z.B. von von Mammuts, Pferden, Mastodonten, Löwen und Riesenbisons [2] liefern, sondern auch andere durch den Dauerfrost gut erhaltene Überreste dieser Spezies (Hautfetzen, Haare, Sehnen- und Fleischreste).

Abb. 2 Oben: Foto des Fragments eines der in die Untersuchung von Hagstrum, Firestone et al. einbezogenen Yukon-Bisonschädel, welches in der Homestake Gulch im Bezirk Klondike geborgen wurde. Unten: REM-Aufnahmen von zwei Mikrosphärulen, die magnetisch vom feinkörnigen Sediment getrennt wurden, das sich im Schädel befand.

Anfang bis Mitte der 1940er Jahre begannen auch einzelne Archäologen sich für die alaskischen »Muck«-Schichten zu interessieren, nachdem darin auch vereinzelte Funde von lithischen Artefakten aus menschlicher Produktion, z.B. Yuma-ähnliche Pfeilspitzen gemacht wurden. Dieses Interesse hielt sich jedoch in engen Grenzen, da die Vorstellung einer Besiedlung Amerikas durch spätpaläolithische Menschen (lange vor der Clovis-Kultur) ein fachwissenschaftliches Tabu-Thema war und ist. So wurde auch bald Protest gegen Ursprung und Datierung der durch Frank C. Hibben entdeckten [3] Pfeilspitzen laut, die seither zumeist nicht mehr als Evidenzen für eine spätpaläolithische Präsenz des Menschen in Nordamerika anerkannt werden.

Ein weiterer wissenschaftlicher Streitpunkt hinsichtlich der alaskischen und kanadischen »Muck«-Ablagerungen ist die Frage, auf welche Weise und wann sie entstanden sind. Verfechter neo-katastrophistischer Vorstellungen zu einem globalen Kataklysmus am Ende der jüngsten Eiszeit berufen sich dazu - im Gefolge Immanuel Velikovskys [4] - häufig auf die Befunde des oben bereits erwähnten Professors Frank C. Hibben (University of New Mexico) aus den 1940er Jahren. Hibben verwies damals u.a. auf "die ineinander verschlungenen Teile von Tieren und Bäumen, vermischt mit Eislinsen und Schichten aus Torf und Moosen ... Bisons, Pferde, Wölfe, Bären, Löwen... Ganze Tierherden wurden offenbar gemeinsam getötet, von einer umfassenden Kraft überwältigt." Dazu hob er hervor: "Derartige Anhäufungen von Tierkadavern oder menschlichen Leichnamen gibt es bei einer gewöhnlichen Naturkatastrophe einfach nicht..." [5]

Greade in jüngeren Jahren hat es - vermutlich vor dem Hintergrund der mit zunehmender Schärfe geführten Debatte um die Ursachen des Aussterbens der Megafauna in Nordamerika und des Jüngeren Dryas-Ereignisses - wiederholt Versuche akktualistisch orientierter oder argumentierender Wissenschaftler gegeben, Hibbens Entdeckungen in Alaska zu diskreditieren, um damit auch der Theorie das sprichwörtliche 'Wasser abzugraben', gegen Ende der Eiszeit habe sich eine globale Katastrophe ereignet. [6] Tatsächlich dürfte es aber kaum möglich sein, ein aktualistisches Modell zu entwickeln, welches das »Muck«-Phänomen in all seinen Facetten zufriedenstellend erklären kann. Auch die Ergebnisse diverser Studien aus jüngerer Zeit zu vermuteten rezenten Impakten kosmischer Körper auf der Erde lassen es immer wahrscheinlich werden, dass die Entstehung der »Muck«-Felder in der Tat mega-katastrophisch bedingt war.

Jüngste Erkenntnisse

Im Jahr 2017 legten Jonathan T. Hagstrum, Richard B. Firestone et al. die Resultate einer wissenschaftlichen Studie [7] vor, in welcher sie das Vorkommen großer Mengen von bei einem Impakt-Ereignis produzierten Mikrosphärulen (winzige Kügelchen aus vormals hocherhitztem und geschmolzenem Material [8]) im Sediment an bzw. in sieben von neun Schädelfragmenten C14-datierter spätpleistozäner Mammuts (Mammuthus primigenius) und Bisons (Bison priscus) nachweisen, welche aus »Muck«-Ablagerungen in den Bergbau-Distrikten von Fairbanks (Alaska) und Klondike (Kanada) geborgen wurden.

Diese und weitere flankierende Evidenzen führen aus Sicht der beteiligten Wissenschaftler zu folgendem Schluss: "In Anbetracht dieser neuen Beweise werden die Mucks und ihre gut erhaltenen, aber stark zerstörten und beschädigten Wirbeltiere und botanischen Überreste teilweise als Explosionsablagerungen interpretiert, die in der späten Pleistozänzeit auf mehrere atmosphärische Einschläge und Boden- / Eis-Impakte in der nördlichen Hemisphäre zurückzuführen sind (~ 46–11 ka [9] BP). Ein solches Szenario könnte durch Begegnungen mit Kometenresten in erdkreuzenden Bahnen (Tauriden-Komplex) erklärt werden, die durch Fragmentierung eines großen kurzperiodischen Kometen im inneren Sonnensystem erzeugt wurden." [10]


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "Muck (Geologie)" bei Wikipedia - Die freie Enzyklopädie (Stand: 20. Februar 2019). Intensive redaktionelle Bearbeitung, umfassender Ausbau und Illustration durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe z.B.: Frank C. Hibben, "Evidence of early Men in Alaska", in: American Antiquity VIII, 1943
  2. Siehe: F. Rainey, "Archaeological Investigation in Central Alaska", in: American Antiquity, V 1940
  3. Siehe: Frank C. Hibben, "Evidence of early Men in Alaska", in: American Antiquity VIII, 1943
  4. Siehe: Immanuel Velikovsky, "Erde im Aufruhr", Julia White Publishing, 2005, Kap. 1 (Im Norden - In Alaska), S. 21-23; Erstveröffentlichung des Werks: "Earth in Upheaval", Doubleday, 1955. Bei Atlantisforschung.de ist der Abschnitt des Buches über Alaska nachzulesen unter: "Spuren eines Kataklysmus in Alaska"
  5. Quelle: Frank C. Hibben, "The Lost Americans", New York (Thomas & Crowell Co.), 1946; zit. nach: Graham Hancock, "Die Spur der Götter - Das sensationelle Vermächtnis einer verschollenen Hochkultur", Bastei Verlag, 2003: der entsprechende Buchauszug ist bei Atlantisforschung.de online unter: Graham Hancock, "Das Ende der Eiszeit - Epoche der Katastrophen" (Teil I), 2009.
  6. Zu einem besonders extremen - man darf wohl schon sagen: penetranten - Beispiel für ein militant-aktualistisches, mit der Attitüde des 'Debunkers' katastrophistischer Vorstellungen vorgetragenes Pamphlet wider den mega-katastrophischen Ursprung der »Muck«-Ablagerungen siehe: Paul V. Heinich (Geologie und Archäologe an der Louisiana State University), "The Imaginary Mucks of Alaska and Siberia was 'Arrowheads from NWA'", 11. Juni 2007, bei The E-Pistles of Paul; zu einer fulminanten und höchst aufschlussreichen Gegenrede siehe: Brendan Ward (alias harlotscurse), "Earth in Upheaval Revisited", "Part 2, In Alaska", Abschnitt: "Doubting Hibben and His Muck" (beide Seiten abgerufen: 20. Februar 2019)
  7. Siehe: Jonathan T. Hagstrum, Richard B. Firestone, Allen West, James C. Weaver und Ted E. Bunch, "Impact-related microspherules in Late Pleistocene Alaskan and Yukon “muck” deposits signify recurrent episodes of catastrophic emplacement", in: Scientific Reports Vol. 7, Article number: 16620 (30. November 2017)
  8. Siehe zu diesen bei Atlantisforschung.de auch: "Neue Beweise für einen gravierenden Impakt vor ca. 12.800 Jahren - Umfassende Analyse von Mikro-Sphärulen untermauert die Theorie eines Impaktereignisses als Auslöser des Klimasturzes zu Beginn des Jüngeren Dryas" (University of California, Santa Barbara, 2013)
  9. Anmerkung: ka ist die in der scientific community gängige Abkürzung von kiloannum = 1000 Jahre.
  10. Quelle: Jonathan T. Hagstrum, Richard B. Firestone et al., 2017, Abstract (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Loren Eiseley, Naturkundlerin, 1943; nach: Ivar Zapp und George Erikson, "Atlantis in America - Navigators of the Ancient World", Adventures Unlimited Press, 1998, S. 71
2) Abbildung (figure) 7, in: Jonathan T. Hagstrum, Richard B. Firestone et al., 2017