Weißgold (Elektron)

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Allgemeine Informationen

Abb. 1 Natürlich gebildete Weißgold-'Drähte' auf Quartz aus Colorado, USA

(red) Weißgold (je nach farblicher Nuancierung auch Gelbgold), im Altertum Elektron (griechisch: ήλεκτρον ḗlektron) sowie Elektrum (lat.: electrum) genannt, war zunächst die Bezeichnnung für eine in der Natur häufig vorkommende mineralische Legierung aus Gold und Silber mit einem zumeist geringen Kupferanteil, von der man anfangs annahm, sie sei ein eigenständiges Metall. [1]

Abb. 2 Hier eine aus Elektron gefertigte Münze, Kyzikos, 4. Jahrhundert vor der Zeitenwende

Über die Kulturgeschichte dieser Legierung heißt es bei Karin Figala: "Die Kenntnis des Elektrons ist bereits für das dritte vorchristliche Jahrtausend für den östlichen Mittelmeerraum belegt. Als Weißgold erwähnt sie das Gilgamesch-Epos (um 2000 vor Chr.). In Ägypten kannte man das Elektron unter der Bezeichnung Asem. [...] Königin Hatschepsut ließ um 1445 v. Chr. zwei Obeliskenspitzen mit bestem Asem überziehen. Neben Schmuckgegenständen wurden auch Münzen aus Elektron geprägt. Die »Sechstelstateren« von Kyzikos (Abb. 2) und Phokäa galten bis in die Zeit Alexanders des Großen als Welthandelsmünzen." [2]

Schon im alten Ägypten wurden aber auch künstliche Elektron-Legierungen - häufig als minderwertige Weißgold- bzw. Asem-Imitate - hergestellt, wozu es in unserer Quelle heißt: "Im Papyrus Leiden beziehen sich mehr als 25 % aller 101 angeführten Rezepte auf die Herstellung und Verwendung von Elektron. Dabei geht es vor allem um dessen Imitation, häufig in Form von Legierungen aus Zinn, Silber, Quecksilber, Blei und Kupfer in unterschiedlichen Kombinationen und mit variierenden Anteilen [...] Diese dem Asem ähnlichen Legierungen ersetzten das echte Elektron (teilweise in geringen Anteilen ebenfalls enthalten) bzw. dienten zu der Verdoppelung (Diplosis) oder Verdreifachung (Triplosis) echten Goldes oder Elektrons. Der Gedanke war, das echte Edelmetall auf diese Weise zu strecken, ohne daß sich dessen Aussehen wesentlich veränderte." [3]

Elektron (Asem) als Oreichalkos?

Abb. 3 Schale aus Elektron mit mythischen Szenen, einem Sphinxfries und der Darstellung eines Pharaos, der seine Feinde erschlägt. Cypro-archaisch I (8.-7. Jahrhundert v. Chr.) aus Idalion, Zypern (Für eine vergrößerte Ansicht bitte das Bild anklicken!)

Auch in der modernen Atlantologie hat Elektron bzw. Asem Beachtung gefunden, und zwar im Zusammenhang mit der von Platon im Dialog Kritias an zwei Stellen erwähnten Substanz Oreichalkos (lat.: orichalcum), die der deutsche Naturkundler und Atlantisforscher Prof. Friedrich Netolitzky (Abb. 4) (1875-1945) in den frühen 1920er Jahren mit dem ägyptischen Asem gleichsetzte. Prof. Richard Hennig schrieb 1925 in seinem Buch "Das Rätsel der Atlantis" über Netolitzkys diesbezügliche Hypothese:

Abb. 4 Prof. Dr. Friedrich Netolitzky (1875-1945) setzte Asem mit Oreichalkos gleich.

"Er ging aus von einer Studie über das in der alten Literatur mehrfach erwähnte, rätselhafte »Bergerz« (Oreichalkos), das im Altertum nächst dem Golde am meisten geschätzt wurde. Plato erwähnt in seiner Atlantis-Mythe auch dieses Oreichalkos und sagt, die innere Mauer der Burg des Poseidon auf Atlantis sei mit diesem Material überzogen gewesen, »als wäre sie mit Salböl überstrichen«.

Netolitzky vermutete nun [4], dies Oreichalkos sei dasselbe gewesen, wie das ägyptische Metall Asem, das als glänzende Überkleidung für Tore, Pyramiden, Obelisken usw. sehr beliebt war. Er macht es wahrscheinlich, daß die Oreichalkos oder Asem eine Legierung von Silber und Kupfer und in vieler Hinsicht somit ein Vorläufer der Bronze war. Nachdem man die Lagerstätte des silberähnlichen Zinn in Wales aufgefunden und die wertvolle Bronze daraus herzustellen gelernt hatte, kam das Oreichalkos mehr und mehr ab." [5]

Sofern Hennig Netolitzkys Ansichten korrekt wiedergibt - wovon auszugehen ist -, verstand dieser unter Asem also keineswegs Elektron im Sinne von natürlichem Weißgold, sondern bezog sich auf eines der künstlich gefertigten Imitate oder auf eine Verschnitt-Variante mit hohem Kupferanteil, wie sie im oben bereits erwähnten Papyrus Leiden vorgestellt werden. Dort heißt es zum Beispiel: "Nimm gereinigtes Kupfer von Zypern, wirf darauf zu gleichen Teilen vier Drachmen Salz des Ammon (Salpeter?) und 4 Drachmen Alaun (1 Drachme = 3,25 g); schmelze und füge einen gleichen Teil Asem (hier: Elektron) hinzu." [6]

Eine soche künstlich gefertigte bzw. gestreckte 'Billig-Variante' des originalen Asem kommt aber schon deshalb nicht als Oreichalkos infrage, weil Platon ausdrücklich erklärte (Kritias 114e), dieses Erz sei "geschürft" worden. Sollten die Neith-Priester in Saïs tatsächlich Asem oder Elektron gemeint haben, als sie in ihrem, dem Atlantisbericht zugundeliegenden Gespräch mit Solon von besagtem "Bergerz" der Atlantier sprachen, kann nur von natürlich vorkommendem Weißgold die Rede gewesen sein. Dies würde gegebenenfalls auch ihre Angabe nachvollziehbar machen, dass besagtes Erz "nächst dem Golde unter den Menschen jener Zeit am höchsten geschätzt wurde". Für die Ägypter der Frühzeit, die zunächst nur Weißgold kannten, muss 'Gold' (also Rotgold) sehr ungewöhnlich gewesen sein [7] und sowohl ideell als auch materiell einen höheren Wert gehabt haben.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Elektron war in der Antike zudem die griechische Bezeichnung für Bernstein.
  2. Quelle: Lothar Suhling, "Elektron", in: Karin Figala (Hrsg.), "Alchemie: Lexikon einer hermetischen Wissenschaft", C.H.Beck, 1998, S. 124
  3. Quelle: ebd.
  4. Siehe: Berliner Philologische Wochenschrift, 1921, Nr. 51
  5. Quelle: Richard Hennig, "Das Rätsel der Atlantis", Berlin (E.S. Mittler & Sohn), 1925, S. 23
  6. Quelle: H. Moesta & P.R. Franke, "Antike Metallurgie und Münzprägung: Ein Beitrag zur Technikgeschichte", Springer-Verlag, November 2013, S. 131
  7. Siehe: David Hatcher Childress, "Lost Cities of Atlantis, Ancient Europe & the Mediterranean", Adventures Unlimited Press, 1996, S. 354

Bild-Quellen:

1) James St. John (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Electrum on quartz Telluride (cropped).jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung 2.0 generisch“, US-amerikanisch)
2) Classical Numismatic Group, Inc. (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:MYSIA, Kyzikos. Early–mid 4th centuries BC. Portrait of Timotheos.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Jastrow (Fotograph & Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Cup Idalion Louvre N3455.jpg
4) Notafly (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Fritz Netolitzky.jpg