Riesen – Relikte einer fernen Vergangenheit?

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von Roland Roth


Giganten in Überlieferungen und Sagen

"In jenen Tagen gab es auf Erden die Riesen und auch später noch, nachdem sich die Göttersöhne mit den Menschentöchtern eingelassen hatten und diese ihnen Kinder geboren hatten. Das sind die Helden der Vorzeit, die berühmten Männer." (Genesis 6,4)

Abb. 1 Überall auf der Welt finden wir Sagen und Überlieferungen von riesenhaften Wesen, und seit Jahrhunderten stellen Gelehrte Überlegungen zu ihrer Natur und Herkunft an. Bild: Illustration aus der Gigantologie des Athanasius Kircher (1602-1680)

Riesen - überall auf der Welt finden wir Sagen und Überlieferungen von riesenhaften Wesen. Den Legenden nach waren Riesen aufgrund ihrer Größe und Stärke Meister der Steinbearbeitung. Viele Sagen berichten von Riesen, die noch heute existierende Steinmonumente geschaffen haben sollen.

Schon Alexander der Große sandte aus Indien Berichte von schwarzhäutigen Riesen an Aristoteles. Angeblich war dieser Riese vier Meter groß und über 300 Jahre alt.

Glaubt man den Sagen aus vielen Kulturkreisen, ist vieles, was heute unsere Landschaft ausmacht, das Werk dieser Riesen aus der Frühzeit der Erde, wie beispielsweise die kunstvoll geformten Berge, gerundete Hügel, hoch aufragende Felstürme wie die Teufelsmauer im Harz, das Felsenmeer bei Felsberg oder tiefe, gespaltene Täler. In Paul Hermanns Deutscher Mythologie finden sich beispielsweise einige Angaben, die Riesen als lokale Ausprägungen von Naturgewalten kennzeichnen. Ein Riese namens Tännchel soll so die Felsen gesprengt haben, die das Wasser des Rheins zwischen Schwarzwald und Vogesen aufstauten.

Im Eingang der Stiftskirche zu Hersfeld sah man noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts links an der Wand ein Gemälde, welches eine große Frau darstellte, unter deren Füßen ein sehr kleines Kind lag. Die Frau soll eine Riesin und die letzte ihres Geschlechts gewesen sein. Sie lebte mit einem Mann, der dem kleinen Menschengeschlecht angehörte und gebar ein Kind, das gegen sie so klein war, dass sie es verächtlich mit den Füßen zertrat.

Nach einer Sage aus dem Reinhardswald lebte vor sehr langer Zeit ein mächtiger König, der drei Riesinnen mit Namen Saba, Trenda und Bramba zu Töchtern hatte. Der Vater baute einer jeden ein Schloß, namentlich die Sababurg, die Trendelburg und die Bramburg. Interessanterweise pflegten sich die Prinzessinnen die Tage zu verkürzen, indem sie durch mysteriöse Sprachrohre von ihren Schlössern aus miteinander plauderten.

Riesen in Europa

Abb. 2 Die allermeisten Berufs-Wissenschaftler betrachten Riesen lediglich als Fabelwesen. Bild: Auf ein gezeichnetes 'Riesenskelett' montierter Elefantenschädel als Exponat im Naturkundemuseum Kassel, mit dem die Entstehung der Zyklopen-Legenden erklärt werden soll!

Märchenerzählungen über Riesen sind zahlreich, viele Erzählungen basieren auf mythischen Begebenheiten mit möglicherweise wahrem Hintergrund. Schon der Kaiser Maximillian (1459-1519) soll in Worms den letzten Riesen aus dem Odenwald eigenhändig getötet haben.

In England, Irland und Schottland sind eine Unzahl an Geschichten über Riesen bekannt. Sogar die angeblichen Überreste von König Artus sollen von abnormer Größe gewesen sein. Der Legende von Finn MacCumhall (oder Fionn MacCumhail) nach war dieser so riesig, dass er Sterne vom Himmel pflücken konnte, um seiner Frau ein Haarband daraus zu machen. Die großen Basaltsteine von Giant´s Causeway sind angeblich sein Werk.

Die Berge und Hügel Schottlands sind der örtlichen Folklore nach das Werk der schottischen Wetterhexe (Cailleach) Bheur, als sie in ihrer Schürze gesammelte Steine übers Land verstreute. Manche sagen auch, die Berge seien die Stufen zu ihrem Zuhause, dem Schneeberg Ben Nevis. Wenn die Hexe in der dunklen Jahreszeit übel gelaunt war, schlug sie mit einem Hammer auf die Erde und beschwor durch ihr Heulen Stürme herauf.

In vielen klassischen Sagen und Legenden Griechenlands tauchen Riesen auf. Durch die griechische Mythologie streift sogar jede Menge großes Volk, das in den Überlieferungen zufolge Titanen und Giganten genannt wurde. Cineasten kennen in diesem Zusammenhang den Klassiker 'Kampf der Titanen' (Clash of the Titans) mit Sir Laurence Olivier und beeindruckenden Trickszenen des Altmeisters Ray Harryhausen. Ein tricktechnisch aufgemotztes Remake kam 2010 in die Kinos.

Die Titanen, wie der riesenhafte Zyklop Polyphem, kommen in einer Vielzahl von Liedern und Erzählungen vor. Schon Homers Odysseus kämpfte auf der Insel der Zyklopen (auch Kyklopen) gegen einen den einäugigen Riesen und brannte ihm das einzige Auge aus.

Der große Orion war dereinst der riesenhafte Sohn von Poseidon, dem Gott des Meeres und Jagdgefährte der Göttin Artemis. Eines Tages prahlte Orion damit, jedes Lebewesen der Erde erlegen zu können, und erzürnte so Gaia, die Erdmutter, die einen riesigen Skorpion schickte. In einem brutalen Kampf starben beide und wurden an den Himmel zwischen die Sterne gesetzt.

In den griechischen Argonautensagen, den ARGONAUTIKA, kommen die Riesen gleich mehrfach vor. Ein Beispiel: Auf der Halbinsel Kapidagi kam es, dass die Argonauten ahnungslos auf einen Berg kletterten, um sich einen Überblick zu verschaffen. Nur Herakles und wenige Männer blieben als Bewachung auf der Argo. Prompt wurden sie von Riesen angegriffen, aber die wussten nichts von Herakles, der die Ungeheuer kommen sah, und einige von ihnen auf Distanz mit seinen Pfeilen erschoss:

"Ihr Leib hatte drei Paar nerviger Hände, wie Pfoten. Das erste Paar hängt an den knorrigen Schultern, das zweite und das dritte Paar schmiegten sich an die scheusslichen Hüften".

Biblische Quellen

Abb. 3 Die wohl bekannteste Riesenerzählung im westlichen Kulturkreis ist der Kampf Davids gegen den Philister-Giganten Goliath, dessen allgemein bekannter Ausgang hier, illustriert von dem franösischen Maler Gustave Doré (1832-1883), dargestellt wird.

Riesen des Nahen Ostens waren ebenfalls zahlreich. Wenige überlebten die biblische Sintflut. Bekannt sind dabei der sumerische Riese Chumbaba, der von Gilgamesch, König von Uruk, erschlagen wurde.

Jeder kennt wohl die Geschichte von David und Goliath (1. Samuel 17,4), in der über den monströsen Goliath berichtet wird: "Da trat aus den Reihen der Philister ein einzelner Krieger hervor. Er hieß Goliath und stammte aus Gat. Er war über 3 Meter groß..."

In Davids Philisterkämpfen wurde weiter von Riesen berichtet: "...als er (David) vom Kampf erschöpft war, versuchte ein Riese namens Jischbi-Benob ihn zu töten." Später, in Vers 20, wird von einem weiteren Riesen mit 6 Fingern an jeder Hand und 6 Zehen an jedem Fuß berichtet. Insgesamt wurde hier von 4 Riesen gesprochen.

Goliath von Gat, der riesenhafte Kämpfer der Philister, wurde durch den jungen Israeliten David besiegt, der ihn lediglich mit seiner Steinschleuder zur Strecke brachte und den Riesen dann mit dessen eigenem Schwert enthauptete. (Abb. 3) Aber auch die >>Gottessöhne<<, die sich nach dem Buch Henoch mit den Töchtern der Menschen gepaart haben sollen, zeugten nach einigen Bibelinterpretationen ein Volk der Riesen, die auch Nephilim genannt wurden.

Sogar die Kundschafter von Moses berichteten am Ende ihrer Wanderung durch die Wüste von Riesen im gelobten Land nördlich des Sinai: "Und sie brachten über das Land, das sie erkundet hatten, ein böses Gerücht auf unter den Israeliten und sprachen: Das Land, durch das wir gegangen sind, um es zu erkunden, frisst seine Bewohner und alles Volk, das wir darin sahen, sind Leute von großer Länge. Wir sahen dort auch Riesen, Anaks Söhne aus dem Geschlecht der Riesen, und wir waren in unsern Augen wie Heuschrecken und waren es auch in ihren Augen." (Num 13, 32-33)

In der Folge rottete Josua, der Nachfolger Moses, diese Anakiter dieser Region wohl weitgehend aus. Auch in der Region des Landes Moab soll es in der Vorzeit Riesen gegeben haben. Dort wurden sie Emiter genannt:

"Emiter haben vorzeiten darin gewohnt; das war ein großes, starkes und hoch gewachsenes Volk wie die Anakiter. Man hielt sie auch für Riesen wie die Anakiter; und die Moabiter nennen sie Emiter." (5. Buch Mose, Kap.2, 10-11)

Abb. 4 Das auf Tontafeln aus der Bibliothek des Assurbanipal verewigte Gilgamesch-Epos enthält auch die vermutlich älteste Beschreibung des Kampfes gegegen einen Riesen.

Monströse Riesen finden sich auch im Gilgamesch-Epos, das im Hügel von Kunjundschik (heutiger Irak), dem einstigen Ninive, ausgegraben wurde. Die uralten Tontafeln gehörten zur Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal. Dort liest man die Geschichte von Gilgamesch und seinem Freund Enkidu, die den Götterberg besteigen:

"Kurz vor dem Ziel tritt ihnen das furchteinflössende Wesen 'Chumbaba' entgegen. Chumbaba hatte Pranken wie ein Löwe, sein Leib war mit ehernen Schuppen bedeckt, und die Füsse waren mit Krallen bewehrt. Die beiden Kampfgefährten schossen Pfeile auf das Ungeheuer und warfen das Wurfholz, doch alle Geschosse prallten ab. Auch der "Park der Götter" wurde von gigantische Skorpionmenschen bewacht.

Im Epos können diese Monstren keine gewöhnlichen Tiere gewesen sein, denn sie sprechen und warnen die beiden Freunde. Der Sumerologe Prof. Dr. Samuel Kramer übersetzte auf einer sumerischen Keilschrifttafel sogar eine Vergewaltigung, aus der später ein Riese heranwuchs. Enlil schwängerte seine spätere Gattin Ninlil. Die weigerte sich, was Enlil nicht von dem erzwungenen Geschlechtsakt abhielt: "... Meine Vagina ist zu klein, sie versteht den Beischlaf nicht. Meine Lippen sind zu klein..."

Im apokryphen Buch des Baruch wird sogar die Zahl der Riesen genannt, die vor der Sintflut gelebt haben sollen: "Damals lebten die Riesen auf Erden. 4.090.000 an der Zahl". Es bleibt im Dunkel der Zeit verborgen, woher der antike Autor diese Zahl hatte.

Die Riesen waren den Überlieferungen zufolge also reale Lebewesen auf der Erde und sie standen wohl auch in Beziehung zu den Elohim (Götterwesen) und sind aus den Kreuzungen zwischen Menschen und Göttern hervorgegangen. Waren sie ein Produkt, eine Schöpfung der Götter?

Afrika – Land der Riesen

Abb. 5 Der 'Spielplatz der Riesen', eine bizarre Felslandschaft bei Keetmanshoop im Süden Namibias. Allerdings wurde auch diese Formation nicht von Riesen geschaffen, sondern von der Natur.

Eine afrikanische Variante der Riesen wird Chitaurih genannt. Der südafrikanische Zulu Credo Mutwa berichtet in seinen Überlieferungen, dass sie Mischwesen sind, die unseren Planeten besuchten, als der Mensch noch primitv war:

"Sie kamen aus dem Himmel und brachten viel Lärm mit, schwarzen Rauch und Feuer. Aus diesen Objekten kamen die >Chitauri<. Zu dieser Zeit konnten die Menschen noch nicht sprechen. Wir hatten diese Gabe zu dieser Zeit noch nicht. Jedoch hatten die Leute große mentale Kräfte. Ein Mann konnte in den Busch gehen und seine Willenskraft benutzen, um ein Tier zu rufen, das er jagen und töten wollte für seine Kinder. Das Tier erschien und der Mann tötete es und brachte es mit nach Hause."

[...] Mutwa, ein Experte der okkulten Geschichte Afrikas, hat während seiner umfangreichen Reisen und Recherchen auf dem afrikanischen Kontinent über Jahrzehnte die Berichte unzähliger afrikanischer Stammesoberhäupter gesammelt. Er berichtet aber auch über verschiedene Erlebnisse und Begegnungen, die er persönlich mit den Chitaurih hatte:

"Es gibt mehr auf der Erde, als wir denken. Ich habe die Chitaurih gesehen. Ich habe sie gerochen, ich hatte persönliche Erfahrungen mit ihnen. Es gibt Leute die behaupten, diese Kreaturen seien Götter... Die Chitaurih sind ein Stamm von Reptilien-Wesen. Es ist zirka 11 Fuß [etwa 3,35 m] hoch und ist ein sehr schlotteriges Wesen, das keine Knochensubstanz zu haben scheint. Die Finger haben keine Gelenke, sie sehen aus, als wären die Knochen dennoch beweglich. Einige Chitaurih haben 3 Klauen mit einem Daumen. Ihre Haut ist schuppig, ihre Augen sind Groß und gelb mit geteilten Pupillen. Die geteilten Pupillen glühen in der Dunkelheit. Also wenn ein Chitaurih-Krieger, einer der unteren Klassen, sich in einer Höhle versteckt, kann man seine Augen glühen sehen. Aber ein könglicher Chitaurih hat 3 Augen. Die 2 gelben Augen, dien auf eine seltsame Art, fast eisgleich, wie Juwelen, wie bestimmte gelbe Juwelen glühen. In der Mitte ihrer Stirn haben sie ein Auge, das sich nicht von oben nach unten schließt und öffnet, sondern von der Seite. Dieses Auge der Chitaurih kann töten. Es ist der Schein, der aus ihnen kommt, der tötet. Ihre Schädel sind groß und rund und ihre Kiefer erinnern an die von Krokodilen. Ihre Zungen ragen zwischen ihren dünnen Lippen heraus. Sie sind wie Menschen geformt, aber viel größer als wir. Sie sind hoch intelligent und haben erstaunliche telepathische Fähigkeiten. Einige der Chitaurih haben Hörner, die aus ihrem Kopf wachsen. Einige haben einen Ring aus schmalen Horn um den Kopf, dies sind die untergeordneten Chitaurih. Aber die könglichen unter den Chitaurih haben einen Ring aus scharfen Horn um den ganzen Kopf. Diese höchsten Chitaurih, z.B. der König Mubaba Zamahongo, hatten 2 sehr lange Hörner, die vorne seitlich vom Kopf weggingen."


Riesen auf allen Kontinenten

Abb. 6 Ob Krypto-Hominiden wie der Bigfoot (hier ein nach Sichtungs-Berichten erstelltes Museums-Exponat) etwas mit den Überlieferungen der Uramerikaner über Riesen zu tun haben, ist fraglich.

Auf dem ganzen Erdball finden sich Berichte und Legenden von Riesen. Auch Amerika und die arktischen Gegenden wissen von Riesen zu berichten. In den eisigen Ödländern lebten angeblich riesige Stein-Werkzeugmacher, die mit ihren enormen Kräften Felsbrocken oder Walrösser umhertrugen und deren Stoßzähne mit Schnitzereien verzierten.

Noch heute werden die Sagen um die Riesen mit dem geheimnisvollen Sasquatch oder Big Foot (Abb. 6) in Verbindung gebracht, der in den Wäldern Nordamerikas hausen soll. Ob der Big Foot wirklich für die zahlreichen Fabeln über Riesen bei den nordmamerikanischen Völkern verantwortlich zeichnet, mag man heute nicht mehr beantworten können. Die indianische Mythologie und Literatur Nordamerikas umfasst die mündlich überlieferten Erzähltraditionen und die Schriftzeugnisse der Indianer, die in den USA und Kanada leben. Bei den Indianern gelten Riesen zumindest als die Urmenschen aus der Vorzeit.

Vom Tuscarora-Indianer David Cusick stammt die erste Stammesgeschichte: Sketches of the Ancient History of the Six Nations (1825–27). Sogar die Mormonen sollen diese Niederschrift mitunter als Quelle für das Buch Mormon aus dem 19. Jahrhundert verwendet haben. Das Buch berichtet von indianischen Fabeln. Diese spricht beispielsweise von den Zwillingsbrüdern Enigorio und Enigonhahetgea (der gute und der böse Geist) und Kreaturen, die Eagwehoewe (die Leute) und ihre Feinde, die Ronnongwetowanea (Riesen). Cusick berichtet auch, dass es zwischen seinem Stamm, den Tuscarora, und den Ronnongwetowanea etwa 1000 v.Chr. zum Kampf gekommen sein soll. Die Tuscarora hätten gesiegt, worauf es keine Riesen mehr gegeben habe.

Abb. 7 'Steinriesen' verfolgen eine Gruppe von Irokesen - eine weitere indianische Überlieferung, die David Cusick der Nachwelt erhalten hat.

In den mesoamerikanischen Mythen und Überlieferungen, beispielsweise bei den Azteken, finden sich interessante Hinweise und Berichte über die Erschaffung von Himmel und Erde. Die Azteken berichten über 4 Welten oder Sonnen. Tezcatlipoca, der Stammesgott der Azteken und Bruder des Quetzalcoatl, herrschte über die erste Erdsonne, die von Riesen bevölkert wurde. Die Riesen waren so stark, dass sie Bäume mit bloßen Händen ausreissen konnten.

Aber auch die Maya kennen Geschichten über Riesen. Einst hatte der Riese Yeitzo vier tödliche Messer, schwarz, blau, gelb und weiß. Heldenhafte Maya-Zwillinge töteten den Giganten und seine Waffen aus Feuerstein wurden übers Land geschleudert. Aus den Splittern fertigten die Völker ihre Werkzeuge.

Von primitiven Riesengestalten liest man auch im Popol Vuh der Quiché-Maya. Sie wüteten unter den Menschen, bis der Gott "Ah Mucenab" ein gewaltiges Feuer entfachte, um sie auszurotten. Einige überlebten und irrten im trüben Dämmerlicht daher. Sowie die Menschen mit ihnen zusammentrafen, kam es zu verzweifelten Kämpfen.

Abb. 8 Darstellung eines der dämonischen Rakshasas, die in der altindischen Mythologie eine ähnliche Rolle spielen wie die Titanen bei den Götterkämpfen der alten Griechen.

In Indien soll es Kreaturen gegeben haben, Rakshasas (Abb. 8) genannt, die ebenfalls riesenhaft waren und einst u.a. Gebieter über die Insel Lankā gewesen sein sollen. Sie waren so hochmütig, dass sie sogar die Götter herausforderten. Ihr König wurde vom obersten Gott Rama getötet.

Auf den Fidschi-Inseln verbreitete einst ein Riese, Feuerzahn genannt, großen Schrecken unter den Bewohnern der Dörfer bis einige mutige Dorfbewohner ihn mit Steinen erschlugen. Noch im Tode brannten des Riesen Zähne, die man mit Steinwerkzeugen ausbrach und so das Feuer zu ihren Leuten brachten.

Marius Boirayon, ein ehemaliger australischer Pilot, der inzwischen auf den Salomonen-Inseln lebt, berichtet über seltsame Geschöpfe, welche auch heute noch den Archipel bevölkern sollen. Dabei handelt es sich um menschenähnliche Wesen von gigantischem Wuchs. Auch auf Guadalcanal, der größten Salomonen-Insel, sind sie in einem nahezu 1.000 Quadratkilomer großen Gebiet westlich des Mount Popomanaseu zu Hause. Hier sollen sie im Innern der von tropischen Regenwald bedeckten Berge hausen. Auf Malaita, der Nachbarinsel Guadalcanals, werden viele Geschichten über die „Ramo“ erzählt. So nennt man die Riesen hier. Die Giganten bewohnen offenbar alle größeren Inseln des salomonischen Archipels, auf denen sie unter verschiedenen Namen bekannt sind. Eine allgemein verwendete Bezeichnung für die „großen Menschen“ lautet Moo-Moo.

Riesen existierten allem Anschein nach aber auch in Australien, Japan, Russland, Südwesteuropa (z.B. Frankreich und Spanien) sowie Skandinavien. Gab es in einer fernen Vergangenheit überall auf der Erde Riesen? Die Überlieferungen aus allen Teilen der Welt sprechen eine deutliche Sprache.

Rätselhafte Funde

Abb. 9 Links der Unterkiefer eines Gigantopithecus, in der Mitte der eines Gorillas, und rechts der eines Menschen

In den späten 1950er Jahren wurden viele gigantische Knochenfossilien in der Gegend der Gebirgstäler in der Türkei gefunden. Nach Untersuchung wurde bestätigt, dass die Knochenfossilien den Menschenknochen extrem ähnlich waren, mit dem wichtigen Unterschied, dass die Größe der Knochen außergewöhnlich hoch war, verglichen mit Menschenknochen. Das Knochenfossil eines Hinterbeines eines Individiums maß 1,2 Meter Länge. Nach diesem Maß war dieses Wesen 5 Meter groß. Das Wort Riese ist passend für Hominiden, die solche Knochen hatten.

Knochenreste von großwüchsigen Hominini wurden bereits 1936 vorn deutschen Anthropologen L. Kohn-Larsen am Eyasi-See in Zentralafrika gemacht. Sie erhielten sogar einen - heute veralteten - wissenschaftlichen Namen: Meganthropus africanus. Ähnliche Formen tauchten auf Java auf (Meganthropus palaeojavanicus). Aber auch 'echte' Menschen erreichten in der Altsteinzeit enorme Körpergrößen, und der ehemalige Delegierte der Französischen Prähistorischen Gesellschaft, Dr. Louis Burkhalter, stellte sich in einem Artikel, der 1950 in der Revue du Musee de Beyrouth erschien, eindeutig hinter die Funde ihrer riesigen Steinwerkzeuge: "Wir wollen doch klarstellen, dass die Existenz von riesenhaften Menschenwesen in der Acheuléen-Epoche als eine wissenschaftlich gesicherte Tatsache betrachtet werden muss".

Abb. 10 Der Eingang zum Lovelock Cave in Nevada, wo 1911 die Überreste rothaariger Riesen entdeckt wurden.

Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckte auch der australische Selfmade-Archäologe Rex Gilroy, Direktor des Mount York Natural History Museums in Bathurst (New South Wales) übergroße, vorgeschichtliche Werkzeuge, zusammen mit einem Skelett und einem Backenzahn von 5,8 cm Länge und 4,5 cm Breite. Selbst ein Fußabdruck von 60 x 18 cm tauchte im ausgetrockneten Lehm auf. Gilroy vermutet, die Gestalt, die zum Fussabdruck passte, müsste an die sechs Meter gross gewesen sein.

In den verschiedensten Gegenden Nordamerikas existieren Berichte über riesige menschliche Skelette und anderen Fossilien, die dort entdeckt wurden. Im November 1856 konnte man in einigen Lokalzeitungen von einem Fund lesen, der von einem verwesten Menschen stammen sollte, der über 3,28 Meter groß gewesen sei. Freigelegt wurde es von einigen Arbeitern die einen Weingarten in West Virginia pflügten. Der Fund wurde als Fälschung betitelt, nachdem eine Zeitung über 3 Kugeln berichtete, die im Schädel des Skeletts gefunden wurden. Leider wurden die Kugeln nicht näher beschrieben, so daß es sich auch um einfach Blei- oder Kupferkügelchen gehandelt haben könnte. Auch ist nicht bekannt wo der angebliche Riese erneut begraben wurde, so daß es nicht möglich ist die Wahrheit über diesen Fund herauszufinden.

Abb. 11 Alte Aufnahme eines der verloren gegangenen Schädel 'mit Übergröße' aus dem Lovelock Cave

Bereits im Jahre 1823 wurde das Skelett eines 3,60 Meter großen Riesen in Lompock Rancho, Kalifornien, entdeckt. Soldaten waren gerade dabei eine Grube, die als Pulvermagazin dienen sollte, auszugraben, als sie auf diese sterblichen Überreste stießen. Besonders auffällig an diesem Skelett waren seine doppelten Zahnreihen. Außerdem wurden eine Vielzahl an großen Steinäxten, handgefertigten Patronen und Porphyrsteien, mit merkwürdigen Symbolen, freigelegt. Das Skelett wurde, nachdem die Anwohner der Gegend anfingen die Beigaben anzubeten, wieder vergraben. Der Ort an dem es nun liegen soll wurde, wie schon erwartet, vergessen.

Die mumifizierten Überreste von mysteriösen rothaarigen Menschen, die eine stattliche Größe von 2 bis 2,50 Metern aufwiesen, wurden im Jahre 1911 beim Lovelock Cave (Abb. 10), 112 km nordöstlich von Reno, Nevada, ausgegeraben. Entdeckt wurden die mumifizierten Leichname durch Arbeiter, die dort Guano abbauten. Dieser Fund untermauerte die Legenden der dortigen Piute-Indianer. Sie berichteten von Menschen mit den Merkmalen von Größe und Haarfarbe und wurden von ihnen als Si Te-Cah bezeichnet.

Die Wissenschaft riss sich nicht gerade um diesen Fund und somit wurden die Überreste zunächst nicht weitergehend untersucht. Später gingen sie dann größtenteils verloren. Das Humboldt Museum in Winnemucca, Nevada, ist heute glücklicher Weise im Besitz von einigen Knochen, Artefakten und einem der großen Schädel, der knappe 30 cm misst. Andere Artefakte von Lovelock findet man in Reno, im Museum der Historical Society of Nevada. [...]


Legenden über Riesen haben einen wahren Kern

Abb. 12 Der 'irische Riese' Charles Byrne (1761-1783),
hier dargestellt auf einer zeitgenössischen Abbildung

Aktuell haben britische Wissenschaftler durch eine Genanalyse belegt, dass es einen wahren Kern hinter den Legenden von Riesen gibt, zumindest in Irland. Nach zahlreichen Legenden der Grünen Insel sollen einst unzählige Riesen das Land bevölkert haben.

Eine Forschergruppe um Dr. Márta Korbonits von der "Barts and the London School of Medicine and Dentistry" berichteten Anfang 2011 im Fachmagazin "The New England Journal of Medicine", wie sie die Mitglieder von vier heute noch in Nordirland lebenden großwüchsigen Familien auf ihre Verwandtschaft zu Charles Byrne (Abb. 12) untersuchten, der Ende des 18. Jahrhunderts mit einer Körpergröße von 2,31 Metern durch Schauauftritte als der "Irish Giant" (Irischer Riese) Berühmtheit erlangte.

Nordirland war demnach ein regelrechter Hotspot für Hypophysenadenome, gutartige Tumore aus den parenchymalen Zellen des Hypophysenvorderlappens oder des Hypophysenhinterlappens, in Folge derer es unter anderem zu einer bis zu 50 Prozent gesteigerten Ausschüttung von Wachstumshormonen und entsprechenden Wachstumsschüben kommen kann.

Verantwortlich für die in Nordirland konzentrierten zahlreichen Fälle von Riesenwuchs ist demnach eine Genmutation, die sich bis auf die Vorfahren Byrnes und anderer "irischer Riesen" 57 bis 66 Generationen zurückverfolgen lassen. Daher sind die Legenden um riesenhafte Wesen gar nicht mal so schnell in das Reich der Fabel zu verdrängen, Riesen muss es also tatsächlich einmal in größeren Populationen gegeben haben, als es die heutigen Einzelfälle von Riesenwuchs darlegen.

Die Wissenschaft sieht den Riesenwuchs als genetische Defekt an, eine Mutation. Wodurch sie aber ausgelöst wurde und in der Frühzeit sogar vermehrt auftrat, ist bislang unklar und wissen wohl allein die Götter... .


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Roland Roth (©) wurde seinem Buch "DIE FREMDE DIMENSION - BEGEGNUNGEN MIT DEM UNFASSBAREN UND ANDEREN REALITÄTEN" entnommen, das im August 2015 im Ancient Mail Verlag veröffentlicht wurde. Bei Atlantisforschung.de erscheint er mit freundlicher Genehmigung des Verfassers in einer leicht gekürzten und redaktionell bearbeiteten Online-Fassung.

Verwendete Literatur & Webseiten:

Bilder:

1) Athanasius Kircher, "Mundus subterraneus", 1678 - Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Bild-Archiv Roland Roth; Anmerkung: In früheren Zeiten deuteten Menschen ihnen unverständliche Riesenschädel als die Überreste von Riesen und Zyklopen. Dabei handeltet es sich zumeist lediglich um tierische Überreste oder Dinosaurier-Knochen. Das Foto entstand im Naturkundemuseum Kassel.
3) Mattes und Kjetil r bei Wikimedia Commons, unter: File:David-goliath28.jpg
4) Kilom691 bei Wikimedia Commons, unter: File:GilgameshTablet.png
5) Harald Süpfle (Ersteller) bei Wikimedia Commons, unter:File:Spielplatz der Riesen 01.JPG (Lizenz: CC-BY-SA-2.5)
6) Bildarchiv Roland Roth (Das Foto entstand im Naturkundemuseum Kassel)
7) David Cusick (Zeichner), veröffentlicht 1828 in: "David Cusick's Sketches of Ancient History of the Six Nations"; nach: Proyster bei Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: File:Stonish Giants--Wiki.jpg
8) Manohara Upadhya und Gnanapiti (GFDL) / Kõan bei Wikimedia Commons, unter: File:Demon Yakshagana.jpg
9) Simons, E.L. und Ettel, P.C., "Gigantopithecus", in: Scientific American 222:76–78, 84, 1970; nach: ‘Giants’ in the land: an assessment of Gigantopithecus and Meganthropus
10) Ryan, "The Legend of the Red-Haired Giants of Lovelock Cave", 11. Dez. 2012, bei TOP SECRET WRITERS
11) Whyte Eagle, "THE SI-TE-CAH - THE AMERINDS' WHITE ENEMIES ACCORDING TO INDIAN BELIEF", bei Ancient Lost Treasures
12) Felistoria bei Wikimedia Commons, unter: File:Byrne.2.jpeg