Atlantologische Checklisten

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Können Checklisten zur Lokalisierung von Atlantis und seiner Metropolis beitragen bzw. die Verifizierung oder Falsifizierung bestimmter Hypothesen erleichtern?

Eine Reihe von Autoren hat Checklisten veröffentlicht, welche die Merkmale von Platos Atlantis mit denen ihrer bevorzugten Ortlichkeit und jenen anderer Autoren vergleichen. Obwohl solche Listen beeindruckend erscheinen können, weisen sie eine Reihe von Mängeln auf. Zunächst werden die Listen willkürlich erstellt und lassen häufig Stichworte weg, die möglicherweise nicht der Theorie ihres Zusammenstellers entsprechen, aber eine konkurrierende Sichtweise unterstützen.

Abb. 2 Die enorme 50-Punkte Checkliste von J.M. Allen ist in der Tat umfangreich - aber wie aufschussreich ist sie tatsächlich? (Vergrößerung)

Zweitens wird häufig eine Entschuldigung für das Nichteinbeziehen bestimmter Elemente mit der Begründung vorgebracht, bei ihnen handele es sich lediglich um Modifikationen durch Plato. Da Platos Text verschiedene Unklarheiten und Widersprüche enthält, können einige Listen-Punkte mehr als eine Interpretation erlauben, zum Beispiel, was den Ort der Säulen des Herakles oder das Datum der Zerstörung von Atlantis angeht.

Wenn die Atlantis-Erzählung schließlich als eine Mischung von Details aus mehr als nur einer Quelle akzeptiert wird, also aus Elementen, die möglicherweise durch Jahrtausende voneinander getrennt sind, so ist es sinnlos, alles in eine einzige Liste aufzunehmen. Ein Beispiel hierfür könnte sein, dass die Hinweise auf den Standort der atlantischen Hauptstadt auf einer sehr alten Quelle beruhen, die Beschreibung ihrer Architektur jedoch möglicherweise durch Strukturen eines anderen Standorts inspiriert wurde, möglicherweise aus Platos eigener Erfahrung. In einem solchen Fall können die beiden niemals gemeinsam entdeckt werden.

Im Fall von Indonesien erstellte Arysio Nunes dos Santos eine 32-Punkte-Checkliste [1], die nun von Dhani Irwanto, der im Jahr 2015 Atlantis: The lost city is in Java Sea veröffentlichte, übernommen und auf 60 Punkte [2] erweitert wurde.

Die Atlantis-Konferenz von 2005 endete mit der Ausarbeitung einer Liste von 24 Kriterien, die erfüllt sein müssen, um [einen Ort als Kandidatin für] Platos verschollene Stadt zu qualifizieren. Jim Allen erweiterte diese Liste zunächst auf 34 Punkte [3] und fügte im Dezember 2010 weitere 16 hinzu, womit seine neue Gesamtsumme auf 50 Kriterien (Abb. 2) [4] stieg, die mit einer offensichtlichen Neigung zu seiner eigenen bolivianischen Theorie ausgewählt wurden.

Die Konferenz von 2005 führte auch zur Ausarbeitung einer Charta der Atlantis-Forschung [5], die, obwohl sie keine Checkliste in dem hier von mir verwendeten Sinne ist, eine sinnvolle Reihe von Richtlinien für Forscher anbietet, die Pseudowissenschaften, Dogmatismus und Missbrauch [des Themas 'Atlantis'; d.Ü.] für politische oder religiöse Zwecke strikt ablehnen.

Schon Olof Rudbeck (1630-1702), der seine schwedische Heimat als Heistatt von Atlantis vorschlug, bezog in sein Werk Atland eller Manheim 102 „Beweise“ ein, die seine Theorie stützen. Die jüngste Checkliste (2016) von Philip Runggaldier zeigt nicht unerwartet, dass er sich für den Standort Keltisches Schelf entschieden hat und nicht für ein Atlantis im Bereich des minoischem Kreta. Für mich kein fairer Vergleich.


Siehe zu diesem Thema als Externum auch:


Abb. 3 Joining the Dots (e-Book) von Tony O’Connell

Addendum des Verfassers

Die atlantische Invasion als Kriteriengeber zur Atlantis-Lokalisierung

Mein Buch "Joining the Dots" (Abb. 3) bietet meines Wissens zum ersten Mal im Detail die offensichtlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Invasion. Offensichtlich benötigen Invasoren eine mächtige Armee, militärische Geheimdienste (Spione) und die Fähigkeit, die Versorgungslinien so kurz wie möglich zu halten.

Letzteres verlangt, dass der militärische Expansionismus auf benachbarte Gebiete gerichtet ist, was durch die Art und Weise, wie sich alle alten Reiche entwickelten, bestätigt wird. Wenn es um Checklisten geht, wird das Bedürfnis nach Nähe jedoch vernachlässigt, was daran zu erkennen ist, dass sie nicht in den Listen enthalten ist, die von Vertretern einiger der extremeren Atlantis-Standorte wie der Antarktis, Amerika oder Indonesien erstellt wurden.

Zumindest einige von Platos Identifikatoren für Atlantis können mit den meisten vorgeschlagenen Orten verknüpft werden, aber wenn diese sich nicht in Reichweite des antiken Athens befanden, können sie nicht Atlantis sein.


Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia entnommen, wo er am 06. Juni 2010 unter dem Titel "Checklists" erschienen ist. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de. Publikation am 23. Mai 2019.

Fußnoten:

Bild-Quellen:

1) ECOLE Best Club, French Session (Links nicht mehr abrufbar) / Bild-Archiv Atlantisforschungen.de
2) J.M. Allen, "Beyond the 24 points of the Atlantis Conference - The 50 points test", bei atlantisbolivia.org
3) Bild-Archive Tony O’Connell (Atlantipedia.ie) und Atlantisforschung.de