Schwarze Rassisten? - "Afro-Zentrismus" und Diffusionismus

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Rote, gelbe, schwarze und weiße Präkolumbier - Über den angeblich "rassistischen Diffusionismus", Teil III

Abb. 8 Diese Mumie einer rothaarigen Frau wird auf ca. 1400 n. Chr. datiert. Das exzellent erhaltene Spezimen wurde bei Nevado Ampato, Peru, in der Nähe der Berg-Festung Machu Picchu entdeckt. Diese Mumie weist jedoch offenbar weder 'amerinde' noch 'kaukasoide', sondern 'negroide' Züge auf.

(bb) Kommen wir nun zu den sogenannten "Afrozentristen", die J. Colavito ausdrücklich in seine Rassismus-Vorwürfe einbezieht (siehe Teil I dieser Abhandlung). Halten wir dazu einleitend fest, dass auch der Begriff 'Afrozentrismus' keine eindeutige Typisierung einer greifbaren Schule oder Richtung alternativer Urgeschichts-Forschung bzw. des Diffusionismus darstellt. Jedenfalls hat sich in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich eine ganze Reihe (nicht nur 'schwarzer') Alternativ-Historiker - vor allem aus den USA - mit der Rolle beschäftigt, die 'schwarze Völker' in der Zivilisations-Geschichte der Menschheit gespielt haben.

Ihre Forschungen und Veröffentlichungen stellen in vielfacher Hinsicht eine notwendige Antwort auf die Unwilligkeit des nach wie vor eurozentristischen Mainstreams der Anthropologie und Urgeschichts-Forschung zur Revision des vorherrschenden Bildes afrikanischer und altamerikanischer Kulturen dar. Dieses Bild charakterisiert der Forscher-Autor Paul A. Barton folgendermaßen: "Nach einem heute besonders unter Weißen verbreiteten Klischee hat die >schwarze Rasse< weder zur Entstehung von Hochkultur auf unserem Planeten beigetragen, noch hatte sie die Fähigkeit, eigene Hochkulturen zu schaffen." [1]

Als explizit rassistisch empfinden 'schwarze' Forscher aus den USA auch die generelle Negation präkolumbischer Populationen 'schwarzer Natives', z.B. der Garifuna, in Amerika, da schwarze Amerikaner von konventionellen Forschern lediglich als Nachfahren verschleppter Sklaven betrachtet werden: "Mit >Garifuna< oder >Califunami< bezeichnen sich heute die westindischen >Schwarzen<, die oft auch >Black Caribs< genannt werden. Die schulwissenschaftlliche These, es handele sich bei ihnen ausschließlich um geflohene schwarzafrikanische Sklaven der nachkolumbischen Ära, muss mit Misstrauen betrachtet werden. Es könnte sich bei ihnen durchaus, zumindest teilweise, um eine autochthone schwarze Bevölkerung Amerikas handeln, wie Paul Barton meint." [2]

Die frühesten Hinweise auf 'schwarze Ur-Amerikaner' finden sich in der Tat bereits in der europäischen Entdeckungs-Geschichte des Kontinents: "Als Kolumbus zum zweiten Mal auf Hispaniola war, schilderten ihm die Indianer (diese falsche Bezeichnung war zum Namen aller Bewohner einer alten Welt geworden, die plötzlich als neu gebrandmarkt wurde): >Nach Hispaniola waren schwarze Menschen gekommen, die ihre Speerspitzen aus einem Metall fertigten, das sie 'guanin' nannten. Er [Kolumbus] schickte dem Königspaar einige Exemplare zur Untersuchung, die ergab, daß sie aus einer Legierung mit 18 Teilen Gold, 6 Teilen Silber und 8 Teilen Kupfer bestanden.< [Van Sertima, 1976, 11]

Abb. 9 Olmekische Jadefigur eines Schreibers (ca. 1150 v.Chr.) aus Mexiko

Diese Speere und ihre Metallegierung waren identisch mit jenen, die portugiesische Händler und Seefahrer in Guinea gefunden hatten. Die Ergebnisse der königlichen Untersuchungen erwiesen, daß nur Händler von der Guineaküste sie nach Hispaniola gebracht haben konnten. Jene schwarzen Kaufleute, von denen die indianischen Legenden erzählten, waren eine der Gruppen von bedeutenden Vorläufern, die seit beinahe 5000 Jahren von der Alten Welt in die Neue gekommen waren." [3] Auch Ferdinando Kolumbus (Christoph Kolumbus' Sohn) wies in seinen Aufzeichnungen unter anderem auf einen negroiden Bevölkerungs-Anteil in Amerika hin, indem er feststellte, dass "... die Menschen, die weiter östlich lebten, bis zum Cap Gracios a Dios eine beinahe schwarze Hautfarbe" hatten, und "Durchbohrungen der Ohrläppchen" (Abb. 11) aufwiesen, "die groß genug sind, um ein Hühnerei hineinzustecken..." [4] - ein typisches Kennzeichen verschiedener schwarzer, afrikanischer Volksstämme.

Harold T. Wilkins, ein britischer Atlantologe, zitierte 1952 zudem folgendermaßen aus Gomaras 'Historia General de Indias': "Als Vasco Nuñez de Balboa die Schiffe seiner Flotte bei Careta verließ, um zusammen mit einigen Compañeros und indianischen Führern bei Cuareca, Darien, den Kaziken Torecha zu treffen, fand er schwarze Sklaven vor, und man sagte ihm, dass die Cuarecaner sich >dort in der Gegend< (cerca de alli) mit Schwarzen bekriegten. Die Schwarzen kämen >aus entlegenen Ländern<." [5]

Insbesondere die geheimnisvolle Olmeken-Kultur liefert Anhaltspunkte, die eine frühe Verbindung afrikanischer Völker mit Amerika nahelegen: "Der Nachweis afrikanischer Skelette, die bei vielen Olmeken-Stätten gefunden wurden, und ihrer Handels-Partner aus der Alten Welt, die von Dr. Andrzej Wiercinski entdeckt wurden, belegt die kosmopolitane Natur der olmekischen Gesellschaft. Viele afrikanische Skelette wurden in Mexiko gefunden. [...] Wiercinski fand afrikanische Skelette auf den Olmeken-Stätten von Monte Alban und Tlatilco. Morley, Brainerd und Sharer sagten (1989), dass Monte Alban ein koloniales Zentrum der Olmeken (S.12) war." [6] (Möglicherweise ist in diesem Fall sogar der moderne Begriff 'Weltstadt' angebracht, denn andere "Forscher und Autoren, wie die indische Alternativ-Historikerin Sushama Londhe oder Gene D. Matlock aus den USA weisen in ihren Arbeiten zudem auf archäologische und linguistische Nachweise bezüglich früher Verbindungen zwischen Indien und Mittelamerika hin. Auch hier werden - neben linguistischen Argumenten - u.a. bärtige, olmekische Statuen mit asiatischen Gesichtszügen (Abb. 1) - als Belege herangezogen.") [7]

Abb. 10 Olkmekische Jadefigur aus Honduras, ebenfalls ca. 1150 v. Chr.

Peter Marsh (siehe: Peter Marsh´s Szenario zur Besiedlung des Pazifikraums) weist dazu auf die Forschungen von James L. Guthrie hin, "der auf der Basis von steinernen Projektil-Spitzen, Äxten, Töpfergut und anderen Evidenzen (Kennedy, 1971) die Karibier mit anderen, >pan-atlantischen< Kulturen von 3000-1500 v.Chr. in Verbindung brachte. Das Töpfergut im Blickpunkt, listet er sechs Charakteristika, wie etwa Spiral-Bau [?; orig.: "coil building"; d. Ü.], auf, die typisch für das atlantische Europa, Nordwestafrika, Mittelamerika, die Karibik, das südöstliche Nordamerika, Melanesien und Borneo sind. Er sagte, dass Waren mit Herkunfts-Marken [orig.: "check stamped"; d.Ü.] aus dem Südosten (2000 v. Chr.) identisch mit solchen aus Marokko sind, und dass die >red slip<-Technik um etwa 2500 v. Chr. aus Nordwest-Afrika oder Süd-Spanien kam.

Er nannte diese Ära >eine der größten Perioden von Gruppen-Mobilität oder Reisen in der Menschheits-Geschichte<. Archäologische, linguistische und genetische Evidenzen beginnen zu zeigen, dass es während der Bronzezeit ein Handels-Netz aus Malaysia, Burma, den Malediven und Indien gab, das sich bis nach Madagaskar und Ostafrika erstreckte, um Südafrika herum nach Mauritianien, dann über den Atlantik hinaus bis nach Venezuela." [8] Einen ungewöhnlichen Beweis für frühe Kontakte zwischen Nordafrika und Mesoamerika lieferte schließlich 1992 die Toxikologogin Dr. Swetlana Balabanova, die bei einer Untersuchung der Mumie Ramses II. zweifelsfrei feststellen konnte, dass der Pharao zu Lebzeiten nicht geringe Mengen von Kokain zu sich genommen haben muss (siehe: Das Koks der Pharaonen - oder: was Forensik mit Atlantisforschung zu tun hat).

Dass von angeblichen "Afro-Zentristen" wie Ivan Van Sertima, Dr. Clyde Ahmad Winters (siehe z.B.: Die Proto-saharische Zivilisation) oder Paul A. Barton (siehe z.B: Schwarze Zivilisationen Alt-Amerikas (Muu-Lan) und Mexikos (Xi) im Rahmen ihrer Forschungs-Arbeit explizit mit dem "Rasse"-Begriff gearbeitet wird, mag fachlich aus guten Gründen [zu einer konventionellen wissenschaftlichen Begründung siehe: Wir sind alle Afrikaner von Prof. Dr. Volker Sommer; d. Red.] in Frage zu stellen sein - ein Generalverdacht des Rassismus lässt sich daraus jedoch nicht konstruieren. Zudem sollte gerade der kritische Betrachter nicht die Befindlichkeit 'schwarzer' US-Amerikanier außer Acht lassen, die nach wie vor in einer von WASP´s ("White Anglosaxon Protestants") dominierten Gesellschaft leben (das gilt natürlich auch für den Bereich der Wissenschaft), in der 'Schwarze' nach wie vor massiv benachteiligt werden und häufig rassistischen Demütigungen ausgesetzt sind.

Abb. 11 Ein Mixteken-Kopf aus dem südlichen Grenzgebiet zum olmekischen Siedlungsraum, der den typisch afrikanischen Ohrschmuck aufweist.

Tatsächlich gibt es jedoch auch "Forscher" mit erkennbar ideologischem Hintergrund, auf welche die Klassifizierung 'Afro-Zentristen' durchaus zutrifft. So gibt es z.B. Internetseiten, auf denen versucht wird, amerinde Ur-Amerikaner als eine Art bastardisierte Mischlings-Rasse aus afrikanischen und asiatischen Immigranten darzustellen, wobei z.B. anhand physiognomischer Charakteristika zwischen Indianern mit 75%, 50% oder 25% afrikanischer Erbmasse differenziert wird, was ebenso unwissenschaftlich ("biologischer Determinismus") wie beleidigend für die Betroffenen ist. Solche Konstrukte und die These 'schwarzer Dominanz' sind jedoch ebenso wenig diffusionistisch wie die Voraussetzung einer 'weißen' oder 'gelben' (vergl. dazu z.B.: Mu im japanischen "Mahikari-Shintoismus") Urkultur, deren Angehörige allen anderen Völkern der Welt überlegen gewesen seien und ihnen die Grundlagen späterer Zivilisation vermittelten.

Es sollte daher sehr sorgfältig zwischen tatsächlichen "Afrozentristen" (im Sinne einer "schwarzen Kopie" des Eurozentrismus mit nachweislich rassistischen Tendenzen) und solchen Forschern unterschieden werden, die Afrika und die Zivilisations-Geschichte seiner Bewohner ins Zentrum ihres Interesses und ihrer Arbeit stellen, wobei sie - mit begründetem Stolz auf die Leistungen der Altafrikaner - zu Ergebnissen kommen, die den Damen und Herren des wissenschaftlichen Establishments nicht in ihr 'prähistorisches Drehbuch' passen.

Gerade für Afro-Amerikaner in den USA muss die Behauptung 'weißer' Anthropologen und Prähistoriker, es sei rassistisch, ihren fernen Vorfahren die Fähigkeit zu transozeanischen Reisen zuzugestehen, äußerst befremdlich wirken, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Es drängt sich somit abschließend noch einmal die von Prof. Deloria aufgeworfene Frage auf, ob der Rassismus-Vorwurf nicht mit einiger Berechtigung an die Adresse der Isolationisten zurück gereicht werden sollte: Lässt sich eine Ideologie anders als rassistisch - zumindest jedenfalls als eurozentristisch - verstehen, deren Anhänger de facto allen Ernstes behaupten, lediglich 'weiße' Europäer seien zur Entwicklung interkontinentaler Seefahrt in der Lage gewesen?

Ende

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Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Paul A. Barton, "Auch die »schwarze Rasse« hat Anteil an der Entstehung von Hochkultur!", EFODON-SYNESIS Nr. 15/1996 --- Bei Atlantisforschung.de online unter dem Titel: Ägypten als schwarz-afrikanisches Kaiserreich
  2. Quelle: Dr. Horst Friedrich, in einer Anmerkung zu Paul A. Barton, aus: "Auch die »schwarze Rasse« hat Anteil an der Entstehung von Hochkultur!", EFODON-SYNESIS Nr. 15/1996
  3. Quelle: Jan Carew, "Kolumbus und die Ursprünge des Rassismus in Amerika - Sie kamen vor Kolumbus", AMANA ONLINE, 29.03. 2001, online unter http://www.amana-online.de/pp/aa/carew_colon/carew_colon_03.shtml#_edn20 (nicht mehr online)
  4. Quelle: Leo Weiner, "Africa and the Discovery of America - Volume 1", Innes & Sons, Philadelphia
  5. Quelle: Harold T. Wilkins, "Secret Cities of old South America", aus der Atlantis Reprint Series, bei: Adventures Unlimited Press, Kempton, Illinois (USA), Juli 1998 [Erstveröffentl. 1952], S. 109, 110
  6. Quelle: Clyde A. Winters, "African Origin of Olmec Skeletons: Good Scholarship", online unter http://www.geocities.com/TheTropics/Lagoon/1345/african.html
  7. Quelle: Team Atlantisforschung.de, "Das präkolumbische Amerika war polyethnisch und multikulturell!"
  8. Quelle: Peter Marsh, "Polynesian Pathways", Lapita pottery, online unter http://www.users.on.net/~mkfenn/page6.htm


Bild-Quellen

(8) Unbekannte Bild-Quelle

(9) http://www.mu-atlantis.com/jmp1/2.htm

(10) ebd.

(11) Unbekannte Bild-Quelle