Der Weg zu den Zinninseln

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von unserem Gastautor Karl Jürgen Hepke

Abb. 1 Die Reiserouten der frühen Exploratoren Himilkon und Pytheas zu den Zinninseln im östlichen Atlantik.

Die Westküsten Europas waren für die Länder des Mittelmeerraums seit ältesten Zeiten aus zwei Gründen interessant.

1. Hier befanden sich reiche Lagerstätten des zur Bronzeherstellung unbedingt erforderlichen Zinns.
2. Weiter im Norden befanden sich die Bernsteinküsten, die das im Mittelmeerraum sehr geschätzte Schmuckmaterial lieferten.

Die seefahrenden Völker, die nach dem Untergang des atlantischen Reiches um 1250 v. Chr. an diesen Schätzen interessiert waren, sind in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Aktivitäten: Die Phönizier, die Griechen und die Karthager, die man auch Punier nennt.

Die Phönizier gründeten nach dem Untergang von Tharsis in der Katastrophe von 1250 v. Chr. um 1100 v. Chr. eine eigene Handelsstation, genannt Gades, vor der geschwächten Stadt, um den für sie wichtigen Metallhandel in eigene Hände zu nehmen. Wie es ihre Art war, haben sie keinerlei schriftliche Zeugnisse über ihre Aktivitäten in dieser Region hinterlassen.

Archäologische Zeugnisse gibt es bisher nur von ihren Niederlassungen in Iberien. In neuerer Zeit wurden einige versunkene Schiffe mit Handelswaren vor der iberischen Küste und auf Madeira gefunden, die man den Phöniziern zuschreibt, deren Bergung und Restaurierung aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Vor der Küste der Vendée, bei Jard-sur-Mer, ist eine durch das Meer zerstörte Stadt bekannt, die den Phöniziern zugeschrieben wird, die aber auch schon aus atlantischer Zeit stammen kann. Eine große Anzahl von Dolmen und Menhiren [1] in ihrem Hinterland deutet mehr in diese Zeit.

Nach dem Ausfall der Zinnversorgung durch Tharsis und dem Zerfall des atlantischen Reiches, in dessen Verlauf sich die Griechen völlig mit den Phöniziern überwarfen und keine Chance hatten, als Konkurrent und möglicher Feind durch sie mit Metallrohstoffen beliefert zu werden, lag die griechische Produktion von Metallerzeugnissen praktisch lahm. So war es naheliegend für die seefahrenden Griechen, zu versuchen, die Zinninseln oder Kassiteriden, von denen aus atlantischer Zeit noch bekannt war, dass sie im Norden hinter den "Säulen des Herkules" lagen, zu erreichen.

Bei den "Griechen" die diese Erkundungsreisen betrieben, die auch mit der Gründung von Niederlassungen im westlichen Mittelmeer verbunden waren, handelte es sich vorwiegend um Einwohner der Stadt Phokaia an der Küste Vorderasiens. Man könnte, auf Grund ihrer Vorliebe für das westliche Mittelmeer, in ihnen keine echten "Griechen", sondern nach hierher im Zuge der Wanderung der Seevölker verschlagene Atlanter sehen, die sich nach und nach wieder in Richtung Westen bewegten. Auch der Name ihrer Stadt erinnert sehr stark an Phoiniken und Phäaken, also Völker, die ursprünglich im Westen angesiedelt waren.

Wie dem auch sei, in Griechenland sah man in ihnen Griechen und beschrieb ihre Reisen entsprechend. Herodot (Abb. 2) berichtet, dass der König von Tartessos die Phokäer um Unterstützung gegen die Karthager gebeten hat. Man kann daraus sehen, dass die Phokäer zumindest bis Tartessos und vielleicht noch darüber hinaus zu den westiberischen Zinnhandelsplätzen gelangt sind. Ihre Gründung Mainake (Torre del Mar, östlich von Málaga) an der südiberischen Küste zeugt von den guten Beziehungen der Phokäer zu Tartessos.

Abb. 2 Eine Büste des Herodot im Metropolitan Museum of Art

Rufus Festus Avienus, ein römischer Dichter des 4. Jahrhdts, verwendet einen Bericht eines "griechischen" Seefahrers aus Massalia (Marseille, eine Stadtgründung der Phokaeer) aus dem 6. Jahrhdt. v. Chr. in dem ausgesagt wird, dass die Bewohner von Tartessos regelmäßige Fahrten zu den Kassiteriden und den Oestrymniden (Zinnhandelsplätze an der Westkǘste Iberiens) unternahmen. Er gibt auch eine Beschreibung der Britischen Inseln, in der er aussagt: Von Britannien (wohl Bretagne) braucht ein Schiff zwei Sonnen um die "Heilige Insel" (Irland) zu erreichen, wie sie von den Alten genannt wurde. Auf ihr wohnt in Wohlstand das Volk der Hiberner (Hibernia = Irland). Unweit von ihr erstreckt sich die Insel der Albioner (Albion = England).

Der bekannteste und berühmteste Reisebericht des Altertums stammt aber von Pytheas, einem Astronomen und Geographen, ebenfalls aus Massalia. Er prägte lange Zeit die Auseinandersetzungen um das Wissen der Alten Welt über die Küsten nördlich von Iberien. Man nimmt heute an, dass seine Reise zwischen 330 und 310 v. Chr. stattgefunden hat. Die Veröffentlichung seines Reiseberichts muss vor 309 v. Chr. erfolgt sein, da das Werk des Dikaiarchos von Messene bereits eine Kritik an Pytheas' Angaben enthält. Außerdem haben sich Timaios von Tauromenion, Polybios, Diodorus von Sizilien, Plinius der Ältere, Eratosthenes und Strabo kritisch mit dem Werk des Pytheas auseinandergesetzt, ihn dabei teilweise anerkannt und teilweise auch als Lügner bezeichnet. (Hans Mette, Berlin, hat 1952 alle Fragmente hierzu veröffentlicht und kommentiert. [2])

Pytheas war anerkannter Astronom und Mathematiker und seine erstaunlich genauen Bestimmungen von Entfernungen und Größe der bereisten Länder zeigen heute, dass er diese Reise wirklich selbst unternommen hat. Bei seinen Zeitgenossen stieß er auf Unverständnis, weil es keine vergleichbaren Daten aus anderen Quellen gab und von den Kritikern keiner bereit und in der Lage war, die Daten des Pytheas selbst nachzuprüfen.

Auf Grund der nur fragmentarischen Überlieferung des Reiseberichts des Pytheas sind Größe und Anzahl der Schiffe, die für die Reise benutzt wurden, unbekannt. Es ist aber auf Grund des erfolgreichen Abschlusses der Reise anzunehmen, dass Schiffe ausreichender Größe und guter Besegelung und mehr als nur ein Schiff benutzt wurden.

Ebenfalls unklar ist, wie die durch Karthago stark kontrollierten Küsten Südiberiens zu dieser Zeit von griechischen Schiffen überwunden werden konnten. Es werden zwar Angaben zu Reisezeiten entlang der Westküste Iberiens gemacht, dies können aber spätere Hinzufügungen der Bearbeiter oder bewusste Fehlinformationen durch Pytheas sein.

Denn auf Grund der Kenntnisse des Pytheas und des Starts von Massalia aus ist es wahrscheinlich, dass er die alte, geheimgehaltene Route aus atlantischer Zeit durch Südwestfrankreich und dann die Garonne abwärts benutzte, die den Karthagern nicht bekannt war und die Pytheas selbstverständlich in seinem Bericht nicht verriet.

Abb. 3 Leider wird sich wohl nicht mehr klären lassen, mit wievielen Schiffen Pytheas seine Fahrt zu den Zinninseln unternahm, und ob sie in etwa jenem Typ entsprachen, der hier auf einer alten griechischen Keramik abgebildet ist.

Zwei Wochen nachdem er Massalia verlassen hatte, erreichte er jedenfalls den Ozean und segelte nach Norden. Im Bericht des Timaios von Tauromenion, der sich auf den Bericht des Pytheas stützt, werden die Mündungsgebiete von Garonne und Loire erwähnt und so ist anzunehmen, dass er entlang der gallischen Küste segelte bis er die Britischen Inseln erreichte. Auf der Fahrt lernten die Griechen die im Mittelmeer unbekannte Erscheinung von Ebbe und Flut kennen. Sie wurde von Pytheas als erstem Griechen als vom Mond abhängig erkannt. Für den Tidenhub lieferte Pytheas sogar exakte, gemessene Zahlen.

Die Griechen erreichten Lands End, die äußerste Westspitze Cornwalls, die in der Antike Kap Belerion genannt wurde. Hier trafen sie auf die Bewohner des zinnreichen Landes, die zu dieser Zeit ihr Zinn ausschließlich an punische Schiffe verkauften. Anschließend brach man zur Umsegelung der Insel der Albionen (Grossbritannien) auf.

Über Diodorus von Sizilien sind Einzelheiten über die Beschaffenheit der Insel überliefert, von denen man annimt, dass sie aus dem Bericht des Pytheas stammen. Albion wird als Dreieck beschrieben [3] mit Kap Belerion im Südwesten, Kantion (Kent) im Südosten und Kap Orkas im Norden. Auch die Entfernungen der drei Punkte wurden annähernd richtig angegeben. Als Haupthandelsplatz fuer den Zinnhandel mit dem Kontinent wird die Insel Iktis genannt, unter der manche die der Südküste vorgelagerte Isle of Wight sehen.

Auf der Fahrt nach Norden durch die Gewässer, die Britannien von Irland trennen, wurde mehrfach die große grüne Insel im Westen gesichtet und ihre geographische Lage mit großer Genauigkeit bestimmt. Dies geht aus dem Werk des Erasthenes von Kyrene (3. Jahrhdt. v. Chr.) hervor, das nach allgemeiner Ansicht auf dem Bericht von Pytheas aufbaut.

Eine Landung in Irland scheint nicht stattgefunden zu haben, da Irland in den aus alter Zeit stammenden Gräuelgeschichten, die Fremde vom Besuch der Zinn- und Goldinseln abhalten sollten, als Land der Kopfjäger verschrien war. Dagegen soll Pytheas nach Strabo "ganz Britannien durchwandert haben", was glaubhaft erscheint, da er überall Informationen sammelte, die er in seinem Bericht verwenden konnte.

Abb. 4 Karte Europas nach Strabon, mit den Kassiteriden (Zinninseln) im äußersten Westen

Diodorus von Sizilien hat etliche dieser wahrscheinlich von Pytheas ermittelten Details überliefert. Danach ist die Insel der Albionen (England) dreieckig wie Sizilien, aber mit ungleichen Seiten. Sie erstreckt sich im Verhältnis zur europäischen Küste in schiefer Richtung. Das dem Festland am nächsten liegende Vorgebirge heisst Kantion und ist 100 Stadien vom Festland entfernt.

Das zweite Vorgebirge, Belerion, ist vier Tagfahrten vom Festland entfernt und das dritte erstreckt sich in den Ozean hinaus. Die Seitenlängen des Inseldreiecks betragen 7500 Stadien, 15000 Stadien und 20000 Stadien, sodass die ganze Insel einen Umfang von 42500 Stadien hat. Die Nordspitze Schottlands ist nach den Berechnungen von Pytheas 1700 Km von Marseille entfernt und ist mit einer Abweichung von nur 100 km damit erstaunlich genau berechnet.

Die Einwohner sind Ureingeborene und haben noch alte Sitten beibehalten. Im Krieg verwenden sie noch Streitwagen wie die Griechen vor Troja. Die Häuser bestehen vorwiegend aus Holz und Rohr. Das Getreide wird so geerntet, dass die Ähren abgeschnitten und gelagert werden. Der Tagesbedarf wird aus den Ähren herausgerupft. Die Sitten sind einfach und weit entfernt von der Verschlagenheit und Verderbtheit der Sitten im Mittelmeerraum. Die Bevölkerung ist zahlreich, das Klima kalt. Könige und Machthaber gibt es viele aber untereinander leben sie meist in Frieden. Archaeologische Funde aus dieser Zeit haben alle diese Angaben bestätigt.

Nach Plinius dem Älteren sind die Seefahrer dann noch über Britannien hinaus ins Meer vor Schottland vorgedrungen. Dort trafen sie auf hohen Seegang und Wellen bis 80 Ellen Höhe. Bei der römischen Elle von 50 cm wären dies 40 m. Dies erscheint doch etwas hoch gegriffen, aber Seefahrer aller Zeiten hatten Probleme beim Schätzen von Wellenhöhen in einem aufgewühlten Meer. Eine Welle von 40 m Höhe wird heute zu den "Monsterwellen" gerechnet, die sogar größeren Schiffen gefährlich werden kann. Dass sie vorkommen kann, wird heute nicht mehr bestritten. Auch in dieser Hinsicht war also der Bericht des Pytheas erstaunlich genau.

Von der letzten besuchten Insel Berrike segelten die Griechen nach Wetterberuhigung direkt in Richtung Norden um zur Insel Thule zu gelangen, von der die Einwohner Schottlands berichtet hatten. Auf dieser Insel sollte der Sonnenwendekreis mit dem Bärenkreis übereinstimmen. Die Reisenden waren erstaunt, dass die Sommertage, je weiter sie nach Norden kamen, immer länger wurden. Dabei regnete es fast immer.

Sie befanden sich offenbar in einem ausgedehnten Tiefdruckgebiet ohne Sicht auf Sonne und Sterne und damit ohne Chance auf eine genaue Bestimmung ihrer Position. Nach sechs Tagen Fahrt erreichten sie ein Land, unter dem man heute Norwegen sieht. Die stetigen Westwinde und der Golfstrom hatten die angestrebte Nordrichtung in eine Nordostrichtung verwandelt. Dichter Nebel, den die Griechen nicht kannten und als "Meerlunge, nicht Wasser nicht Luft" bezeichneten, empfing sie hier.

Abb. 5 Eine kartographische Darstellung Galliens mit Armorica im Norden

Die Bienen, die in diesem Lande lebten und den Honig für den "Hydromeli", Wassermet, dem "Getränk der Götter", lieferten, sprechen jedenfalls für Südnorwegen und nicht für Island, auf dem es heute keine Bienen gibt, und das einige unter "Thule" verstanden haben wollen.

Weil gleich hinter Thule das "gefrorene Meer" beginnen sollte und möglicherweise durch die große Anzahl von Walen in diesen Gewässern beunruhigt, die den Griechen als Seeungeheuer erschienen, beschloss die Mannschaft, den Vorstoß nach Norden zu beenden und den Bug nach Süden zu wenden.

Nach Strabo, der dies wieder von Timaios abgeschrieben hat, sind sie den nördlichen Küsten gefolgt und bis nach Skythien und den Fluss Tanais vorgedrungen. Unter Skythien ist wohl das norddeutsche Flachland und unter Tanais die Elbmündung oder die "Mündung" der Ostsee mit den drei "Armen" Großer Belt, Kleiner Belt und Sund zu sehen. Skythien reichte für die Gelehrten der Antike von den Steppen Südrusslands bis an den Ozean und entsprach hier dem nordeuropäischen Flachland.

Ob Pytheas auch die Gewässer der Ostsee bereist hat, ist ungeklärt. Wahrscheinlich wurde er nur von den "Guionen" , unter denen man die Goten vermutet, über ihr "mächtiges Mündungsgebiet" informiert. Auch die Insel "Abalon", die auch "Basileia" (griechisch: "die Königsinsel") genannt wurde und nahe an einer Bernsteinküste lag, könnte sowohl Bornholm wie auch Helgoland sein, da sie nur eine Tagesreise entfernt "gegenüber von Skythien" mitten im Ozean liege.

Neueren Untersuchungen zu Folge ist wahrscheinlich aber Helgoland gemeint, das durch seine Kupfer- und Bernsteinvorkommen und seinen imposanten roten Felsen mitten im Meer eine besondere Rolle in der atlantischen Bronzezeit spielte und als "heilige Insel" galt.

Nach Polybios ist Pytheas "vom Fluss Tanais" längs der Küsten Westeuropas "über Gades" nach Massalia zurückgekehrt. Dies erscheint wegen der karthagischen Sperrung der Küsten Iberiens wieder unwahrscheinlich und wahrscheinlicher ist der geheime und Polybios nicht bekannte Weg über die Garonne und die nördliche Küste des Tyrrhenischen Meers nach Massalia.

Abb. 6' Hier die Nachzeichnung einer römischen Trireme. Durch die römische Vernichtung oder Unterjochung aller zeitgenössischen seefahrenden Völker des Mittelmeer-Raums ging zunächst viel nautisches Wissen über die Gewässer jenseits der Säulen des Herkules verloren.

Der Bericht des Pytheas stellte für die Zeit, in der er entstand, eine echte Sensation dar. Kein Seefahrer vor ihm hatte bisher derart detailreich über die Küsten des Nordatlantiks und seiner Nebenmeere berichtet. Viele, die man heute als Wissenschaftler bezeichnen wuerde, zweifelten den Wahrheitsgehalt des Berichtes an. Dies verstärkte sich noch in der Folgezeit, in der das römische Reich die Tradition der Atlantikfahrt durch Vernichtung der seefahrenden Völker der Griechen, Phönizier und [[1]] zum Erliegen brachte. In der Anfangszeit des römischen Reiches war nichts mehr bekannt von den Küsten und den Seewegen des Atlantiks. Dies änderte sich erst, als Caesar und später die römischen Kaiser Gallien, Britannien und Germanien erobern wollten. Eine ausgedehnte Seefahrt entlang den atlantischen Küsten gab es erst viel später, zur Zeit der Wikinger wieder.

Pytheas, der Astronom aus Massalia, wurde bald von den Geographen der Antike als Fabeldichter verschrien, da sein Bericht einzigartig war und durch keine weiteren Berichte bestätigt wurde. Er wäre völlig in Vergessenheit geraten, wenn die kritische und teilweise abwertende Beurteilung der Nachwelt ihn nicht, zumindest in Teilstücken, überliefert hätte.

Aus der Zeit, als Karthago die Seeherrschaft um 500. v. Chr. im westlichen Mittelmeer übernahm, stammt der zweite, längst nicht so detailreiche Bericht von der Fahrt zu den Zinninseln. Auch er wurde indirekt über Griechen und Römer der Nachwelt übermittelt.

Plinius der Ältere und Avienus berichten von einer Erkundungsfahrt des Karthagers Himilkon, die um 480 v. Chr. stattgefunden haben muss. Sie benutzten dabei beide eine griechische Übersetzung des karthagischen Berichtes, der in der Bibliothek des Königs von Mauretanien die Vernichtung aller karthagischen Kulturzeugnisse durch die Römer überlebte. Das Original ist heute verschollen.

Nachdem Himilkon die Säulen des Herkules hinter sich gelassen und eine Zwischenlandung in Gades gemacht hatte, segelte er nach Norden. Vor den Küsten Galliens traf er auf Windstille und spiegelglatte See, die dort im Sommer heute noch häufig vorkommt. Da er sich offenbar aus Unkenntnis der Verhältnisse zu nahe an der Küste bewegte, hatte er mit Algenfeldern in den ausgedehnten Flachwassergebieten zwischen den Pyrenäen und der armorikanischen Steilküste zu kämpfen. Zusätzlich erschreckten hier in dieser Zeit noch häufig vorkommende Wale die Schiffsmannschaften.

Aus diesen Details kann man schließen, dass Himilkon über keinerlei Informationen über den Seeweg von griechischer oder phönizischer Seite verfügte und selbst diese Erfahrungen für die karthagische Schiffahrt sammeln musste. Dies war sicher auch der Zweck der Reise.

Er erreichte schliesslich die armorikanischen und britischen Zinninseln mit ihren Reichtümern an Zinn, Blei und Gold. Angaben über die Bevölkerungsdichte auf den Inseln, die archäologisch bestätigt wurden, können als Beweis dienen, dass er tatsächlich dort war.

Sonst ist der Bericht des Avienus eher dürftig. Himilkon hat sicher nur das für die Fahrt zu den Inseln Wichtigste berichtet. Immerhin erreichte seine Reise das Ziel, den Weg zu den Zinninseln für die punischen Schiffe zu erkunden und auf möglicherweise auftretende Erschwernisse und Probleme hinzuweisen.

Mit der echten Forschungsreise des Pytheas kann sich die zweckorientierte Erkundungsfahrt des Himilkon, die viel bekannter ist und in das allgemeine Geschichtswissen einging, allerdings kaum messen.


Literaturhinweis

Hepkebuch.jpg
Karl Jürgen Hepke, "DIE GESCHICHTE VON ATLANTIS, der vergessene Ursprung unserer Kultur", TRIGA - DER VERLAG, 2. Aufl. 2008, Hardcover, 268 Seiten, ISBN 978-3-89774-539-1


Anmerkungen und Quellen

Dieer Beitrag von Karl Jürgen Hepke (©) wurde seiner Webseite tolos.de entnommen, wo er unter dem Titel "Der Weg zu den Zinninseln (16a)" erstveröffentlicht wurde. Bei Atlantisforschung.de erscheint er in einer redaktionell bearbeiteten Fassung im Dezember 2019.

Fußnoten:

  1. Siehe zu diesen bei Atlantisforschung.de auch: Jürgen Hepke, "Megalithen, magische Steinkreise, Menhire und Dolmen"
  2. Siehe: Hans Joachim Mette, "Pytheas von Massalia", 56 Seiten, (Reihe: Kleine Texte für Vorlesungen und Übungen - Begründet von Hans Lietzmann - Herausgegeben von Kurt Aland), Berlin (Verlag Walter de Gruyter Co.), 1952 (Reprint 2015)
  3. Siehe dazu z.B.: Konrad Mannert, "Geographie der Griechen und Römer aus ihren Schriften dargestellt, Band 2", "Zweytes Kapitel. Begriffe der Griechen und Römer nach Pytheas von Britannien", Nürnberg, 1804

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Karl Jürgen Hepke / tolos.de
2) Marie-Lan Nguyen (Urheberin) bei Wikimedia Commons, unter: File:Herodot detail.JPG (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung 2.5 generisch“, US-amerikanisch)
3) AishaAbdel (Uploaderin) bei Wikimedia Commons, unter: File:NaveGreca black-figure greek ship cropped and color enhanced.png (Lizenz: Creative-Commons, „CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“)
4) Fphilibert (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Map of Europe according to Strabo.jpg
5) Paul Barlow bei Wikimedia Commons, unter: File:Armorica.png (Lizenz: Creative-Commons, unter: „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
6) F. Mitchell, Department of History, United States Military Academy (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Trireme.jpg