Die Hethiter

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Alternativ-historische Notizen zu einem noch immer rätselhaften Volk

Einführende Informationen

Abb. 1 Das Hethiterreich (blau markiert) und seine Nachbarn - die Mykener (violett) im Westen, Assyrien (grün) im Osten und Ägypten (gelb) im Süden - um 1400 v. Chr.

(bb) Die Hethiter waren ein bedeutendes protohistorisches Volk Kleinasiens, das, wie die deutschsprachige Wikipedia vermerkt, "im 2. Jahrtausend v. Chr. auch in Syrien und Kanaan (Teile des heutigen Libanon und Palästina) politisch und militärisch einflussreich war. Ihre Hauptstadt war die meiste Zeit Ḫattuša, unmittelbar beim heutigen Dorf Boğazkale gelegen. Die Hethiter sprachen Hethitisch, eine indogermanische Sprache. Von den Hethitern werden die Hattier unterschieden, die eine nicht-indogermanische Sprache sprachen. Allerdings nannten die Hethiter selbst ihr Reich Ḫatti." [1]

Obwohl die Hethiter bzw. ihr Reich vom 16. Jahrnundert v.d.Z. bis zum Untergang ihres Imperiums um etwa 1200 v.d.Z. zu den Großmächten des Alten Orients zählten, waren sie bereits zur Zeit des klassischen Altertums vollständig in Vergessenheit geraten. Wiederentdeckt wurden sie und Hatti erst im Rahmen der archäologischen Forschung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. 1905 begannen sporadische Ausgrabungen in Boğazköy, in deren Verlauf der deutsche Altorientalist und Archäologe Hugo Winckler (1863-1913) auf ein königliches Archiv mit 10.000 in Keilschrift beschrifteter Tafeln stieß, deren Texte aber noch nicht übersetzt werden konnten. Entziffert wurden diese, in nešili, der hethitischen Sprache, abgefassten Schriften erst einige Jahre später von dem tschechischen Linguisten Bedřich Hrozný (1879–1952). [2] Weitere Erkenntnisse über Kultur und Geschichte der Hethiter erbrachten die ab 1932 vorgenommenen systematischen, während des Zweiten Weltkriegs unterbrochenen Ausgrabungen von Ḫattuša durch Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts. [3]

Die Hethiter und Atlantis

Abb. 2 Eine der 'Standarten aus Alaca Höyük' mit der Darstellung eines Hirsches und zweier Stiere - Indiz für einen Stierkult im Reich der Hethiter?

Dass ein so rätselhaftes Volk wie die Hethiter auch im Bereich nonkonformistischer Atlantisforschung auf Interesse stößt, kann eigentlich kaum verwundern. So bemerkt etwa der Atlantologie-Enzyklopädist Tony O’Connell über den amerikanischen Privatforscher, Autor und Verleger David Hatcher Childress, dieser halte sie "für Nachfolger der Atlantier. Er führt ihr Erscheinungsbild, ihre Kleidung und Konstruktions-Techniken an, um seine Behauptung zu stützen. [4] Indes stehen Childress’ Ansichten im Widerspruch zur Meinung des professionellen Archäologen [genauer gesagt: Geo-Archäologen; d.Ü.] Eberhard Zangger, der einige der Kleinstaaten im Westen des Hethiter-Reiches als Teil der Seevölker-Allianz ausgemacht hat. In der selben Region setzt Zangger Troja mit Atlantis gleich." [5]

Tatsächlich muss man sowohl die diesbezüglichen Annahmen von David Hatcher Childress als auch Eberhard Zanggers 'trojanische' Atlantis-Lokalisierung kritisch hinterfragen, wobei wir uns hier auf die Frage konzentrieren wollen, ob es sich bei den Hethitern um Nachkommen der Atlantier handeln könnte. Dazu folgende Überlegungen:

Abb. 3 Hier die Nachzeichnung der Abbildung eines hethitischen Streitwagens auf einem alten ägyptischen Relief

Wiewohl Hatcher Childress’ Vermutung im Einklang mit der Annahme einiger - namentlich nicht bekannter - italienischer Archäologen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht, die Überlebenden einer von ihnen im zentralen Mittelmeer-Raum vermuteten Atlantis, seien nach deren Untergang nach Kleinasien geflüchtet, wo sie eine Nachfolgekultur aufbauten [6], ruht sie dennoch auf einem sehr schwachen Fundament. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich einzelne kulturelle Parallelen zwischen Platons Atlantiern und den Hethitern finden lassen.

So gab es z.B. bereits im jungsteinzeitlichen Kleinasien einen Stierkult, wie Platon ihn auch mit den Atlantiern in Verbindung bringt (Kritias, 119d-120a). So heißt es etwa in Volkert Haas’ »Handbuch der Orientalistik«: "Die überragende Bedeutung des Wildstieres in den neolithischen religiösen Vorstellungen spiegelt sich auch in den Kulturräumen der Siedlung Çatal Hüyük eindrucksvoll wider. Auf einen Stierkult lassen auch die 1000 Jahre älteren, mit Stierhörnern versehenen Herdbänke in Muraibit Schließen." [7] Aber auch bei den viel später auftretenden Hethitern existierten Stierkulte, die Anbetung von Stiergöttern - z.B. der vermutlich von den Hurritern übernommenen Gottheiten Šeri und Ḫurri - sowie Stieropfer [8], wie sie bei den Atlantiern üblich gewesen sein sollen. Die kultische Verehrung von Stieren bei den Hethitern bezeugen auch Artefakte, wie die so genannte 'Bronzestandarten aus Alaca Höyük' (Abb. 2 sowie hier ein weiteres Bild).

Abb. 4 Nachzeichnung eines altägyptischen Reliefs aus Medinet Habu, das eine erfolgreiche Abwehrschlacht der pharaonischen Armee gegen Truppen der 'Seevölker' abbildet. Die Hethiter waren in ihrem Abwehrkampf gegen diesen Gegner augenscheinlich weit weniger glücklich und wurden vernichtend geschlagen.

Zudem gibt es auch in militärischer Hinsicht mindestens eine Übereinstimmung zwischen den Armeen der Hethiter und Atlantier, die erwähnenswert erscheint: In beiden Streitkräften spielten nämlich, wenn wir Platons Schilderungen (Kritias 119a) zugrunde legen, Streitwagen eine wichtige Rolle. Dabei erscheint es interessant, dass die atlantischen Modelle mit zwei Kriegern (einem Wagenlenker und einem Kämpfer) bemannt gewesen sein sollen, was offenbar zunächst auch bei den Hethitern der Fall war, die als Erfinder dieses Kriegsgeräts gelten. Später sollen deren Wagen mit drei Mann besetzt gewesen sein: "Anfangs gab es einen Bogenschützen und einen Wagenlenker, der beide mit einem Schild beschützte, später kam ein dritter Krieger hinzu, der den Schild übernahm und für den Nahkampf ausgerüstet war." [9]

Dies mag, wer will, als Indiz für die Weiterentwicklung dieses - womöglich von einer unbekannten älteren Zivilisation im Rahmen von Tradition oder kultureller Transfusion übernommenen - Kriegsgeräts durch die Hethiter interpretieren; einen Beweis für eine irgendwie geartete Verwandtschaft dieses Volkes mit den Atlantiern stellt die beiderseitige Verwendung von Streitwagen jedenfalls ebenso wenig dar, wie die besagten Stierkulte. Zudem gibt es noch einen weiteren Denkansatz, der gegen Hatcher Childress’ Annahme spricht, die Hethiter seien Nachfahren der Bewohner von Atlantis gewesen. Immerhin betrachten zahlreiche Forscher den plötzlichen und überraschenden Untergang des hethitischen Großreiches um 1200 v.d.Z. als Resultat großräumig wirksamer katastrophischer Vorgänge [10] und des Ansturms der so genannten 'Seevölker' (Abb. 4) [11] bzw. einer kausalen Verkettung beider Ereignis-Komplexe. [12]

Wesentlich ist dabei im vorliegenden Zusammenhang, dass eine beträchtliche Zahl von Atlantisforschern besagte Seevölker als quasi 'internationale Koalition' unter maßgeblicher Beteiligung der - zumeist in atlantischen Küstenbereichen Nord- oder Westeuropas vermuteten - Atlantier ansieht. Zumindest aus ihrer Sicht muss es mehr als zweifelhaft erscheinen, dass ein, wenn auch entferntes, 'verwandtschaftliches' Verhältnis zwischen Hethitern und Teilen der Seevölker-Koalition bestand, zumal letztere den Herrschern von Ḫatti völlig fremd gewesen zu sein scheinen. [13] Wie es vor diesem Hintergrund möglich ist, die Hethiter zumindest indirekt mit den Atlantiern - und auch mit den östlichen Amazonen - in Verbindung zu bringen, zeigt z.B. der Bremer Naturwissenschaftler Prof. Dieter Ortlam mit seinem seinem online abrufbaren Essay "Der Untergang Hattusas und des Hethiter-Reiches...". [14]


Fortsetzung:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Hethiter" (abgerufen: 16. September 2007)
  2. Siehe: Bedřich Hrozný, "Die Sprache der Hethiter; Ihre Struktur und ihre Zugehörigkeit zur indogermanischen Sprachfamilie", Leipzig, 1915
  3. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, op. cit.
  4. Red. Anmerkung: In seinem Buch "Technology of the Gods: The Incredible Sciences of the Ancients" aus dem Jahr 2000 äußert Hatcher Childress sich allerdings etwas behutsamer in dieser Frage. Dort schreibt er auf Seite 222: "So wie auch Ägypten viele tausend Jahre v.Chr. zurückreicht und letztendlich mit Atlantis in Verbindung steht, so gilt dies auch das alte Reich der Hethiter. Wie die Ägypter meißelten auch die Hethiter massive Sphingen aus Granit, bauten in zyklopischem Maßstab und verehrten die Sonne. Die Hethiter verwendeten auch das gemeinsame Motiv des geflügelten Diskus für ihren Sonnengott, wie es auch die Ägypten taten. Die Hethiter waren in der Welt des [zeitgenössischen; d.Ü.] Altertums wohlbekannt, da sie der wichtigste Produzent von Gütern aus Bronze und Eisen waren. Die Hethiter waren Metallurgen und Seefahrer." (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Hittites"m 29. November 2009, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 16. September 2007)
  6. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de ausführlicher: "Die Etrusker und Atlantis" (red); sowie als Quelle: Helen Augur, "The City That Tried To Be Rome", 25. Juni 1922, in The New York Herald; online bei CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers (abgerufen: 17. September 2017)
  7. Quelle: Volkert Haas, "Handbuch der Orientalistik: The Near and Middle East. Der Nahe und Mittlere Osten. Geschichte der hethitischen Religion", Brill, 1994, S. 315
  8. Quelle: ebd., S. 319
  9. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Streitwagen", Abschnitt: "Hethitische Streitwagen" (abgerufen: 17. September 2017)
  10. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: 2hinzkunz et al., "Katastrophenzeit 12. Jahrhundert v. Chr."; sowie: Bernhard Beier, "Die end-bronzezeitliche Klimakatastrophe aus atlantologischer Sicht"
  11. Anmerkung: Die Vernichtung Ḫattis durch die Seevölker gilt keineswegs nur in atlantologischen, sondern auch in fachwissenschaftlichen Kreisen als wahrscheinlich. Siehe dazu z.B.: Berthold Seewald, "1177 v. Chr. – der erste Kollaps der Globalisierung", 02. Januar 2016, bei WELT.de (abgerufen: 19. September 2017)
  12. Siehe z.B.: Jürgen Spanuth, "Das enträtselte Atlantis", Stuttgart (Union Deutsche Verlagsgesellschaft), 1953; Derselbe, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen (Grabert), 1977; Immanuel Velikovsky, "Peoples of the Sea", Garden City / New York (Doubleday & Company), 1977; Herwig Görgemanns, "Platon", Heidelberg (Winter), 1994; Rainer Kühne, "Lage und Datierung von Atlantis" (Abschnitt: Vergleich von Atlantis und den Seevölkern), 6. August 2003, bei Mysteria 3000, Ausgabe 7 (3/2003); Günter Bischoff, "Atlantis und sein Zentrum Althelgoland", Husum (Husum Druck), 2016
  13. Siehe dazu einführend: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: "Geschichte der Hethiter", Abschnitt "Das Ende des Großreiches (um 1200 v. Chr.)" (abgerufen: 19. September 2017)
  14. Siehe: Dieter Ortlam, "Der Untergang Hattusas und des Hethiter-Reiches (~2.000-1.200 v. Chr.) und ihre möglichen Ursachen - Neue Überlegungen zur Atlantischen Völkerwanderung, zu den Amazonen, den Etruskern und zum Ende der endemischen Bronzezeit -- Brachten die Seevölker (Kelten) die Demokratie nach Griechenland?", Erst-Publikation: 2014; Fassung: 03/2017 (online als PDF-Datei; abgerufen: 19. September 2017)

Bild-Quellen:

1) Captain Blood, MichaelFrey (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:AlterOrient2.png
2) Klaus-Peter Simon (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:AlacaStandarte Hirsch&Stiere.jpg
3) Paul Volz, "Die biblischen Altertümer" (1914), S. 514; nach: Silje (Uploader), bei Wikimedia Commons, unter: File:Hittite Chariot.jpg
4) zurdig.com (nicht mehr online) / Bild-Archiv Atlantisforschung.de