Eine These zur Lokalisierung von Atlantis im Atlantik

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von Markus Fugger von dem Rech

Vorbemerkung

Der Philosoph Platon (428/427 – 348/347 v. Chr.) beschreibt in seinem Bericht in „Timaios" und „Kritias“, dass die Großinsel Atlantis im Atlantik „jenseits der Säulen des Herakles“ (Meerenge von Gibraltar) gelegen habe. [1] Dies spricht eindeutig für die Annahme, dass die Inselgruppe der Azoren den Rest der Landmasse des untergegangenen Atlantis darstellt. Im Folgenden werde ich diese These durch mehrere stimmige und schlüssige Erklärungen und Theorien untermauern. Die Abfolge der angeführten Punkte beginnt bei der einfachen Annahme und endet beim eindeutigen Indiz. Ich beschränke mich in meinen Ausführungen lediglich auf naturwissenschaftliche Aspekte. Ausführungen über die atlantische Kultur und ethnologische Untersuchungen bleiben einer eigenen Abhandlung vorbehalten. Zum besseren Verständnis meiner These gebe ich vorab einige grundlegende wissenschaftliche Erklärungen zu den Begriffen und Naturphänomenen „Plattentektonik und Kontinentalverschiebung“ sowie „Golfstrom und Klima“.


Plattentektonik und Kontinentalverschiebung

Abb. 1 Die Lithosphäre (feste Gesteinshülle, 4) umfasst die Erdkruste und den lithosphärischen Mantel unseres Planeten.

Grundlegend für die Plattentektonik ist die fragmentierte Struktur der Lithosphäre (Abb. 1), die in sieben große Platten gegliedert ist, die auch als Kontinentalplatten oder -schollen bezeichnet werden: die Pazifische und Antarktische Platte, die Nord- und Südamerikanische Platte, die Afrikanische und Eurasische Platte sowie die Australische Platte.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer kleinerer Platten wie z. B. die Karibische Platte, die Cocosplatte, die Nazca-Platte, die Indische Platte, die Scotia-Platte, die Arabische Platte und die Philippinische Platte sowie weitere Mikroplatten, über deren Abgrenzung jedoch teilweise noch wenig bekannt ist. Die Platten sind meist durch mittelozeanische Rücken oder Tiefseerinnen voneinander getrennt. An den Rücken driften die benachbarten Platten auseinander (divergierende Plattengrenze), wodurch basaltisches Magma aus dem Oberen Erdmantel emporsteigt und neue ozeanische Kruste gebildet wird. Dieser Prozess wird auch als Ozeanbodenspreizung oder Seafloor Spreading bezeichnet. In den Tiefseerinnen sinkt die Kruste wieder in den Mantel ab und wird >verschluckt< (subduziert). Die eigentlichen Kontinentalblöcke aus vorwiegend granitischem Material werden – zusammen mit den umgebenden Ozeanböden – wie auf einem langsamen Fließband von den Spreizungszonen weg beziehungsweise zu den Subduktionszonen hin geschoben. Nur eine Kollision mit einer anderen Lithosphärenplatte kann diese Bewegung aufhalten (konvergierende Plattengrenze). Da die kontinentale Kruste aber spezifisch leichter als die ozeanische Kruste ist, kann sie nicht mit der ozeanischen Platte zusammen in die Subduktionszone abtauchen und wölbt sich stattdessen darüber zu einem Gebirge auf. Durch Prozesse in der abtauchenden ozeanischen Platte entsteht zumeist auch ein ausgeprägter Vulkanismus. Bei der Kollision zweier kontinentaler Platten kommt es zu komplexen Deformationsvorgängen, die in der Regel mit der Auffaltung hoher Gebirgszüge einhergehen. Eine solche Kontinent-Kontinent-Kollision findet zum Beispiel zwischen der Eurasischen und der Indischen Platte statt und führte zur Bildung des Himalayas.

Darüber hinaus können zwei Platten auch einfach horizontal aneinander vorbeigleiten (konservative Plattengrenze). In diesem Fall wird die Plattengrenze als Transform-Störung (-Verwerfung) bezeichnet.[2]

Sofern wir Atlantis als Großinsel vulkanischen Ursprungs betrachten, und nicht als kleinen „Kontinent" [3] im geologischen Sinne, wird nun deutlich, dass die allgemein anerkannten Modelle der Kontinentaldrift und Plattentektonik keineswegs im Widerspruch zur Annahme einer solchen versunkenen Landmasse stehen, sondern vielmehr eine tragfähige erdgeschichtliche Grundlage für die Vermutung ihrer vormalige Existenz liefern. [4]


Golfstrom und Klima

Das wahrscheinliche Wettergeschehen auf der Insel Atlantis, speziell an der Südküste, lässt sich wie folgt ableiten: „Auch wenn der Golfstrom nach heutigen Vorstellungen die europäische Küste selbst nicht erreicht, so hat er doch einen ganz gewichtigen Einfluss auf das Klima Europas.

Golfstrom und Atlantis.jpg
Abb. 2 Von Südwesten kommend, überquert der Golfstrom (rot) heute den
Mittelatlantischen Rücken und das Gebiet des Azorenplateaus (weiß markiert).

Der Golfstrom ist ein außerordentlich wirksamer Temperaturregulator. Er lässt gewaltige Mengen warmen Wassers von Florida bis weit nach Norden strömen und trägt damit ganz wesentlich zum Temperaturausgleich zwischen den heißen und den kalten Regionen der Erde bei. Im mittleren Nordatlantik bewirkt die Wärmezufuhr, dass das Oberflächenwasser um rund 6 Grad wärmer ist, als für Meeresgebiete dieser Breitenlage zu erwarten ist.

Der Wärmetransport durch das Golfstromsystem hat weit reichende Folgen nicht nur für das Meer und das Leben in ihm, sondern auch für die Atmosphäre. Die Wärme des Wassers überträgt sich nämlich auf die Luft, so dass auch hier ein Wärmeüberschuss festzustellen ist. Er ist besonders stark im Winter.

Allerdings ist der unmittelbare Übergang der Wärme vom Wasser an die Luft allein nicht allzu wirksam. Entscheidend ist vielmehr, dass die Erwärmung der Luft von unten für eine Labilisierung der Luftschichten sorgt. Damit ist gemeint, dass innerhalb der unteren Atmosphäre die Neigung zur vertikalen Durchmischung zunimmt, da die warme Luft aufsteigt. Dies wiederum begünstigt die Entstehung von Tiefdruckgebieten. Sie entstehen vor allem dort, wo das warme Wasser des Golfstroms auf das kalte Wasser des Labradorstroms stößt, also vor der Küste Neufundlands. Hier bilden sich scharfe Luftmassengrenzen aus, die die Wirbelbildung begünstigen.

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Abb. 3 Schematische Darstellung des Wasserkreislaufs. Eine Ablenkung des Golfstroms
hätte massive Auswirkungen auf diesen Kreislauf, vor allem im Raum Nordwesteuropas.

Auch die hohe Luftfeuchtigkeit, die durch die Verdunstung von der relativ warmen Wasseroberfläche hervorgerufen wird, hat Einfluss auf das Geschehen in der Atmosphäre. Er ist die Voraussetzung für die Wolkenbildung, bei der große Mengen an Wärme in der Atmosphäre freigesetzt werden. Der Wasserdampf ist gewissermaßen ein Transportmittel für die Energie, die beim Verdunsten dem Wasser entzogen und bei der Wolkenbildung den höheren Luftschichten zugeführt wird. Dieser Vorgang trägt dazu bei, dass die Tiefs über dem Atlantik besonders kräftig sind und sich lange halten.

Die Tiefs sind vom Klima her gesehen das wichtigste und weit reichendste >Ergebnis< des Golfstroms. Da sie in der Westwindzone entstehen, treiben sie auf Europa zu. Bei ihrer Wanderung nach Osten machen sie nicht an der Küste halt, sondern sorgen auch auf dem Festland für reichlich Niederschlag, insbesondere dort, wo Gebirge die Luft zu weiterem Aufsteigen veranlasst. Deswegen gehören küstennahe Gebirgsregionen, wie z.B. Südnorwegen und Schottland, zu den regenreichsten Gebieten Europas.

Doch wenn die Regen bringenden Tiefs auch manchem Urlauber sehr ungelegen kommen, so ist ihre Wirkung doch von Vorteil. Sie bringen nämlich außer Niederschlag auch relativ warme Atlantikluft mit sich. Nicht nur Skandinavien, sondern der gesamte Nordwesten Europas profitiert davon, und selbst in Osteuropa lassen sich noch Auswirkungen der atlantischen Tiefs und damit des Golfstroms feststellen.[5]


Erklärungen und Schlussfolgerungen

Es wird mit einer bloßen Annahme in Punkt 1 begonnen. Mit den Punkten 2 bis 4 wird direkt auf den Platon-Bericht Bezug genommen, dessen Aussagen dann durch die folgenden Punkte 5 bis 12 im Wesentlichen verifiziert werden.


1. Die Ableitung des Namens

Abb. 4 Herodot führte die Bezeichnung 'Meer des Atlas' für die See außerhalb der 'Säulen des Herakles' ein.

Es darf angenommen werden, dass der Atlantische Ozean seinen Namen nach Atlas, dem sagenhaften ersten König von Atlantis, erhalten hat. [6] Dies weist eindeutig darauf hin, dass der Atlantische Ozean einst das Königreich des Atlas, eben Atlantis, umgab.


2. Die Lage

Platon erwähnt in seinem Atlantis-Bericht ausdrücklich die Lage von Atlantis als „jenseits der Säulen des Herakles“. Die „Säulen des Herakles“ waren in der Antike - jedenfalls zu Solons und Platons Zeiten! - die beiden Höhenzüge an der Meerenge von Gibraltar. [7] Also muss Atlantis im Bereich des Atlantik gelegen haben.


3. Die klimatischen Bedingungen

Die im Platon-Bericht beschriebenen klimatischen Bedingungen kommen den heute auf den Azoren herrschenden Verhältnissen sehr nahe. So wird von fruchtbaren Böden, mildem Klima und ausreichendem Niederschlag berichtet. Hierzu siehe auch vorstehende Hinweise zum Thema „Golfstrom und Klima“ sowie die Ausführungen unter 9.


4. Die geologischen Beschreibungen Platons

Die Beschreibung im Platon-Bericht über die geologischen Eigentümlichkeiten im Inselreich Atlantis finden sich in den Bedingungen auf den heutigen Azoren wieder. Es ist von heißen Quellen und Erde vulkanischen Ursprungs die Rede.


5. Die Vögel

Nahe bei den Azoren kann man über offenem Wasser noch heute manchmal ein Verhalten der dort beheimateten Vögel beobachten, wie es sonst nur über dem Festland vorkommt. Die Vögel scheinen sich regelrecht zu sammeln und nach Landestellen zu suchen. Es spricht vieles dafür, dass im genetischen Code der Tiere das Wissen um eine Landmasse an eben genau diesen Koordinaten abgespeichert ist. Auch der nächste Punkt beschreibt ein „tierisches“ Phänomen.


6. Die Aale

Abb. 5 Das rätselhafte Verhalten europäischer Aale (Anguilla anguilla, Bild) hat sie auch zu Studienobjekten der Atlantisforschung werden lassen.

Ein scheinbar unerklärbares Verhaltensmuster von Fischen entpuppt sich bei genauerer Hinsicht als ein weiteres starkes Indiz für die Existenz einer großen Landmasse im Atlantik in früheren Zeiten. Sowohl vor der mittelamerikanischen Küste als auch in europäischen Gewässern leben Aale. All diese Aale kommen in der Sargassosee zur Welt, welche westlich und südwestlich von den Azoreninseln liegt. Während die amerikanischen Aale (Anguilla rostrata), sobald sie der 'Kinderstube' entwachsen sind, den vergleichsweise kurzen Weg nach Amerika nehmen, scheinen ihre europäischen Vettern (Anguilla anguilla) vom Fernweh überwältigt zu werden. Von ihrem Instinkt geleitet, lassen sich die Fische vom Golfstrom in Richtung Ost-Nordost nach Westeuropa quer durch den Atlantischen Ozean treiben. Diese Reise dauert drei Jahre. Die überlebenden Tiere teilen sich an den europäischen Küsten auf. Die männlichen Aale bleiben im Salzwasser, die Jungweibchen schwimmen in die Unterläufe der europäischen Flüsse, also in Süßwasserbereiche. Diese Trennung der Geschlechter dauert ebenfalls drei Jahre, bis die Tiere geschlechtsreif sind. Danach treffen sie sich wieder bei den Flussmündungen, und schwimmen zurück in die Sargassosee. Sie schwimmen in großer Tiefe, wo sie vermutlich die Unterströmung ausnutzen. Wieder an ihrer Geburtsstätte angelangt, vollziehen sie die Paarung. Man fragt sich nun mit Recht, warum die europäischen Aale zweimal eine so gefährliche Reise unternehmen, obwohl doch auch sie in die Karibik bzw. nach Amerika schwimmen könnten. Hierauf wird meistens geantwortet, dass sich die Aale einfach dem Golfstrom anvertrauten. [8] Aber der Golfstrom treibt die Fische weit weg bis nach Europa, und er trägt sie auch nicht mehr zurück. Aber war das immer so?

Nehmen wir Atlantis an der Position des heutigen Azorenplateaus an, hätte die Insel damit dem Golfstrom den Weg nach Europa abgesperrt. Dieser wäre zurück Richtung Amerika abgelenkt worden, und so hätte der Golfstrom tatsächlich einen Kreislauf ausgeführt, dem sich die Aale sicher hätten anvertrauen können. Die Aale wären also von ihrem Laichplatz in der Sargassosee vom Golfstrom an die nahe gelegenen Küsten von Atlantis getragen worden, wobei die Weibchen wieder in die Flüsse geschwommen wären, um dort geschlechtsreif zu werden, während die Männchen draußen im Meer auf sie gewartet hätten. Dann hätte sie der Golfstrom gemeinsam zu ihrem Geburtsort zurückgetragen, der jetzt wiederum zu ihrem Laichplatz würde. Weil die Insel nicht mehr existiert, „verschleppt[9] nun der Golfstrom die Aale nach Europa. [10]

Das Verhalten der europäischen Aale macht lediglich dann einen Sinn, wenn man annimmt, dass die Tiere eine genetische Erinnerung an ein Festland mit Süßwasser mitten im Atlantik haben (s. auch Punkt 5). Da sie dieses Festland (Atlantis) aber heute nicht mehr finden, weil die Insel ja versunken ist, schwimmen sie einfach weiter bis nach Europa. [11]


7. Alte Flussbetten und Wasserläufe im Bereich der Azoreninseln

Abb. 6 Eines der um ca. 90 Grad gekippten und ausgetrocketen, alten Fluss-Betten auf São Miguel. (Foto: Christian und Barbara Joy O'Brien)

Die heutige Inselgruppe der Azoren wird von einem Netz submariner Täler umgeben, die mit einiger Sicherheit alte Flussläufe darstellen, die früher (vor dem Untergang der Landmasse Atlantis) oberirdisch verliefen. Im Besonderen kann man dies im Bereich der heutigen Azoreninseln Faial, São Jorge und Terceira beobachten. Hier ergeben zwei, heute submarine, Täler/Flüsse ein Gesamtsystem mit einer Ausdehnung von etwa 290 Kilometern. [12] Viele dieser alten Flussbetten weisen das Phänomen auf, dass sie nicht horizontal unter der Wasseroberfläche liegen, sondern vertikal. Auch an Land lässt sich dies beobachten, etwa auf São Miguel. (Abb. 6) Aus dem Dargestellten lässt sich zweierlei schließen: Einerseits hat es an der Stelle der heutigen Azorengruppe einst eine sehr viel größere Landmasse gegeben, zum zweiten kam es im Zusammenhang mit dem Untergang dieser Landmasse zu so heftigen Erdbewegungen, dass ein Teil der untergegangenen Insel regelrecht um 90 Grad gekippt ist, ob während oder kurz nach dem Untergang, lässt sich nicht genau feststellen. [13] Die heute auf den Azoreninseln vorkommenden Flussläufe müssen somit die oberen Wasserzuflüsse der Flusssysteme gewesen sein, die heute unterhalb des Meeresspiegels liegen.


8. Geologische und weitere ozeanographischr Indizien

Auf zahlreichen Gipfeln des Atlantischen Rückens, die heute zweitausend Meter unter dem Meeresspiegel liegen, stößt man auf Ablagerungen von typischen Flachwasserlebewesen wie etwa wärmeliebenden Korallen. Da aber solche Korallen nur bis zu einer Wassertiefe von vierzig Metern gedeihen [14], müssen wir uns fragen: Wie kommen die Korallenstöcke in jene große Tiefe? Ein Absinken des Meeresbodens um rund zwei Kilometer wäre die sinnvollste Erklärung. Sollte es ein Zufall sein, dass sich genau in dieser Tiefe das Azorenplateau befindet?

Koralle 1.jpgKoralle 2.jpg
Abb. 7 Korallenfragmente, die Mitte des 20. Jahrhunderts von sowjetischen Meeresforschern des Schiffs Mikhail Lomonossov aus einer Tiefe von ca. 2500 m (!) am Mittelatlantischen Rücken geborgen wurden

Manches weist darauf hin, dass sich diese unterseeische Hochfläche noch vor 12.000 Jahren als Großinsel mit 80.000 Quadratkilometer Bodenfläche über dem Wasserspiegel befand. Beispielsweise die Tatsache, dass auf dem Plateau nicht Meeressedimente sondern große Mengen von Strandsand lagern. [15] Am Meeresboden im Bereich des Azorenplateaus befindet sich häufig relativ junges Lavagestein mit einem Alter von 10.000 bis 15.000 Jahren. Da sich dieses aber nur über Wasser bilden kann, kann dieses Vorkommen nur als Indiz für das Absinken des Azorenplateaus eben vor 10.000 bis 15.000 Jahren gewertet werden, wobei übrigens auch der Platon-Bericht und die darin enthaltende Zeitangabe über den Untergang zum wiederholten Male bestätigt werden! Auch Funde bestimmter Kieselalgenarten bestätigen diese These. [16]


9. Das Ende von Atlantis

Das Ende von Atlantis ist wohl am ehesten mit den vulkanischen Aktivitäten im Bereich des heutigen Azoren-Plateaus zu erklären. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Atlantis auf einer riesigen Magma-Blase gelegen, die zum fraglichen Zeitpunkt zusammengesackt ist und so Atlantis in die Tiefe gerissen hat. Eine große Eruption kann zum selben Resultat geführt haben. Beides ist ohne weiteres möglich, da das Azoren-Plateau noch heute eine vulkanisch sehr aktive Gegend ist (Mittelatlantischer Rücken, s. Erläuterungen zur Plattentektonik und Kontinentalverschiebung) und auch in jüngster Vergangenheit dort kleinere Landmassen auftauchten und verschwanden, zuletzt im Jahre 1957, als durch einen Vulkanausbruch die Halbinsel Ponta dos Capelinhos entstand. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum ähnliche Ereignisse in fernerer Vergangenheit nicht in anderer Dimension stattgefunden haben könnten.


10. Das Ende der Eiszeit durch „Anwerfen“ des Golfstromes

Vor etwa 10.000 Jahren endete die Eiszeit in Europa. Dieser Zeitpunkt fällt ziemlich genau mit dem von Platon in seinem Bericht erwähnten Untergang von Atlantis zusammen. Dies lässt sich leicht erklären: solange Atlantis als Landmasse existent war, hatte es die Funktion einer Sperrinsel [17] in zentraler Lage im Atlantischen Ozean (s. auch Punkt 6). Gehen wir davon aus, dass schon früher eine Strömung bestanden hat, die dem heutigen „Ansatz“ des Golfstromes im Golf von Mexiko gleicht, so führte diese Strömung bis zum Zeitpunkt des Atlantis-Unterganges von seinem Ausgangspunkt im Mexikanischen Golf bis zur früheren Südküste von Atlantis. Dort wurde sie aller Wahrscheinlichkeit nach abgelenkt, in Richtung des Ausgangspunktes zurückgeführt, und es dürfte sich auf diese Weise eine Art Drehscheibe (Abb. 8) entwickelt haben.

Abb. 8 Das Modell der Atlantis als Sperrinsel, die einstmals den Golfstrom davon abhielt, Nordwest-Europa und Nordamerika zu erwärmen, nach Andrew Tomas, 1976

Die warmen Wassermassen aus dem Golf von Mexiko erreichten die Südküste von Atlantis und dürften sich dort durch entsprechende Wetterphänomene ausgewirkt haben (s. Erläuterungen „Golfstrom und Klima“). So würde sich das milde, immer feuchte Klima auf Atlantis erklären, welches Platon in seinem Bericht beschreibt. Der Weg weiter nach Norden in mitteleuropäische Breiten war jedoch für den Golfstrom versperrt. Das warme Wasser konnte erst in den Nordatlantik gelangen, als Atlantis unterging. Mit Eintreffen des warmen Wassers erwärmten sich der nordatlantische und europäische Raum allmählich und die heute noch andauernde Wärmeperiode in unseren Breiten begann. Hinweise für eine sogar relativ rasche Erwärmung des Nordatlantikraumes gibt eine 2008 vom Informationsdienst Wissenschaft herausgegebene Abhandlung, in der erstmals ein abrupter Klimawandel am Ende der letzten Eiszeit detailliert beschrieben wird: „... Dabei änderte sich das Klima im Nordatlantik quasi von einem Jahr auf das andere – schneller als bisher vermutet. Die Daten aus einem über 15.000 Jahre alten Eisbohrkern könnten wegweisend sein für die Vorhersage plötzlicher Klimaschwankungen in der Zukunft. Die Studie einer internationalen Forschergruppe mit Berner Beteiligung wurde nun im Journal >Science< publiziert. [18] Ein Eisbohrkern aus Grönland bringt es an den Tag: Dank einer zeitlich sehr hoch auflösenden Messung von Wasserisotopen und Staubkonzentrationen gibt das Eis in bisher ungekanntem Detail Aufschluss über sehr abrupte Klimawandel, die in Grönland im Zeitraum von 15.500 bis 10.000 Jahren herrschten. Die Daten zeichnen die damaligen Temperaturen, den Niederschlag sowie die Staub- und Meersalzpartikel nach – erstmals in Zeitabständen von wenigen Monaten. Einer internationalen Forschergruppe mit Berner Beteiligung ist es so gelungen, die Entstehung zweier abrupter Klimawandel zu rekonstruieren ...“ [19]

Die zitierte Pressemitteilung vom „Informationsdienst Wissenschaft“ gibt einen eindeutigen Hinweis auf ein akutes Ereignis, möglicherweise den Untergang einer großen Landmasse mit rasch spürbaren Folgen für das Klima im Nordatlantikraum.

Es wird nebenher deutlich, dass die Entwicklung Europas und damit letztendlich der ganzen Welt, von menschlichen Einflüssen einmal abgesehen, anders, zumindest langsamer verlaufen wäre, hätte es den Untergang von Atlantis nicht gegeben. Zusätzlich ist zu beachten, dass nach heutiger Erkenntnis der Golfstrom Teil eines weltumspannenden Strömungssystems ist. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass durch die Ausbreitung des Golfstroms in den Nordatlantik sich das gesamte Strömungssystem der Weltmeere verändert hat. Das könnte ein Erklärungsansatz für Wetterphänomene aus der Zeit von vor 10.000 Jahren sein, hier setzt dann die Arbeit von Meteorologen und Klimaforschern ein, wobei jeder Wissenschaftler für sich selbst entscheiden muss, wie weit er die wahrscheinlichste aller Erklärungen für die damaligen Veränderungen, eben den Untergang einer großen Landmasse im Nordatlantik, in seine Überlegungen einbeziehen möchte.


11. Das Azoren-Plateau

Abb. 9 Athanasius Kirchers Zeichnung einer atlantischen Großinsel zwischen Afrika und Amerika von 1665

Könnte man den Meeresspiegel des Atlantiks um ca. zwei bis drei Kilometer absenken, so würde sich das Azoren-Plateau über den Meeresspiegel erheben und in etwa eine Landmasse darstellen, wie sie Platon in seinem Bericht beschrieben und wie sie auch Athanasius Kircher in einer Kartendarstellung aus dem Jahre 1665 (Abb. 9) gezeichnet hat. Das lässt den Schluss zu, dass das heute weit unterhalb des Meeresspiegels liegende Azoren-Plateau ziemlich genau die untergegangene Insel Atlantis darstellt. Die heutigen neun großen Inseln der Azoren-Gruppe wären damit die einstmals höchsten Erhebungen von Atlantis. Allerdings muss hierbei beachtet werden, dass das heutige Relief des Azoren-Plateaus nicht exakt den Verhältnissen vor dem Untergang entsprechen kann, da sich das Profil der Landmasse sowohl während der finalen Katastrophe als auch durch den Jahrtausende währenden Einfluss der Atlantikströmung mehr oder weniger stark verändert haben dürfte.


12. Das „Loch“

Betrachtet man die Form der heutigen Landmassen unserer Erde, so fällt sofort auf, dass die heutigen Kontinente Teile eines früher zusammenhängenden Urkontinents („Pangaea“) sind. Dies ist auch die heute allgemein anerkannte Lehrmeinung. Wenn man sich nun die Mühe macht, aus den Erdteilen ein Puzzle zu schneiden und die einzelnen Teile zusammenschiebt, bemerkt man schnell, dass sich an der Nahtstelle zwischen Nordamerika, Europa, Afrika sowie Mittel- und Südamerika eine Stelle befindet, die nicht mit einer heute existierenden Landmasse ausgefüllt werden kann. Dieses „Loch“ entspricht in etwa den Ausmaßen des heutigen Azoren-Plateaus und ist ein eindeutiges Indiz auf das ehemalige Vorhandensein einer Landmasse.


Resümee

Zusammenfassend lässt sich sagen: die Wahrscheinlichkeit, dass Atlantis als große Landmasse an der Stelle des heutigen Azoren-Plateaus im Atlantik gelegen hat und der Platon-Bericht somit im Kern der Wahrheit entspricht, ist aufgrund der vorstehenden Indizien, Erklärungen, Deutungen und Ausführungen als größer anzunehmen als die Wahrscheinlichkeit, dass es sich anders verhält.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Markus Fugger von dem Rech (©) wurde von ihm für Atlantisforschung.de verfasst, wo er am 05.08.2013 als Erstveröffentlichung erscheint. (Siehe von diesem Autor hier auch: "Die Fugger vom Reh als Titularkönige von Atlantis")

Einzelnachweise

  1. Siehe: Platon, Dialog Timaios, 21e - 26d
  2. Stichwort: Plattentektonik, in: Academic dictionaries and encyclopedias (aus: Wikipedia); abgerufen: 05.08.2013
  3. Red. Anmerkung: Es sollte hierzu einmal mehr betont werden, dass Platon bezüglich Atlantis an keiner Stelle seines Berichts von einem 'Kontinent' spricht!
  4. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: R. Cedric Leonard, "Geologische und ozeanographische Evidenzen für Atlantis"
  5. Aus: www.wissen.de; Graphik aus: German wikipedia, original upload 3. Mai 2005 by Joooo.
  6. Red. Anmerkung: Die erste bekannte Erwähnung des Begriffs 'Atlantis' findet sich bei Herodot (* 490/480 v. Chr.; † um 425 v. Chr.), der ihn in seiner Abhandlung 'Klio' (Historien, Buch I, 202), im Zusammenhang mit dem Ausdruck θάλασσα (thálassa = Meer) als geographischen Terminus zur Bezeichnung des Meeres außerhalb der Säulen des Herakles - Ἀτλαντἰς θάλασσα (Átlantìs thálassa = Das Meer des Atlas, Atlantische See) - verwendete.
  7. Red. Anmerkung: Platon weist im Atlantis-Bericht (Kritias, 112e-113a) ausdrücklich darauf hin, dass die darin vorkommenden Namen von Solon an den Sprachgebrauch der ihm zeitgenössischen Hellenen angepasst wurden. Es gibt keinerlei Grund zur Annahme, dass von ihm mit Ortsnamen bzw. geographischen Bezeichnungen anders verfahren wurde als mit jenen von Personen.
  8. Red. Anmerkung: ...was die Frage offen lässt, warum ihre amerikanischen Verwandten sich nicht auch einfach von der Strömung treiben lassen.
  9. So René Frank, "Eine These über die Lage von Atlantis" (abgerufen: 05.08.2013)
  10. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: "Das Geheimnis der Aale" von Otto Muck
  11. Quelle: Otto Muck: „Alles über Atlantis“, München/Hamburg 1977; nach: René Frank, „Eine These zur Lage von Atlantis“, Quelle: http://rdmteam.piranho.at (nicht mehr online)
  12. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch die topographische Rekonstruktion (Karte) von Atlantis von Christian und Barbara Joy O'Brien
  13. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Christian und Barbara Joy O'Brien, "Beweise für die vormalige Existenz einer Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken "
  14. Red. Anmerkung: Zu anderen, nämlich den Tiefseekorallen, welche Biologen von Flachwasserkorallen unterscheiden können, siehe z.B.: Leben Korallen nur in tropischen Gewässern?, bei: planet-wissen.de (abgerufen: 05.08.2013)
  15. Nach: Klaus Aschenbrenner, „Atlantis - Geologische Argumente für eine Großinsel im Mittel-Atlantik“, bei: Atlantisforschung.de; Red. Anmerkung: Siehe dazu auch: "Die Fakten sprechen FÜR Atlantis" von Roland M. Horn
  16. Red. Anmerkung: Siehe dazu bei Atlantisforschung.de auch: Immanuel Velikovsky, "Der Boden des Atlantiks"; R. Cedric Leonard, "Geologische und ozeanographische Evidenzen für Atlantis"; sowie: Bernhard Beier, "Dr. René Malaise"
  17. Sperrinsel-Theorie, siehe: Otto Muck (wie Anm. 11); vergl. auch: Bernhard Beier, "Ekaterina F. Hagemeister" -- und Andrew Tomas, "We are not the first: Was the lost knowledge of the Ancients more potent than modern science?", (Taschenbuch-Ausgabe von 1976), S. 115
  18. Red. Anmerkung: Siehe dazu online auch: "Greenland Ice Core Analysis Shows Drastic Climate Change Near End Of Last Ice Age", bei: sciencedaily.com, 19. Juni 2008 (abgerufen: 05.08.2013)
  19. Aus: Pressemitteilung „Informationsdienst Wissenschaft“ vom 22.06.2008

Bild-Quellen

(1) Wikimedia Commons, unter: File:Earth-cutaway-schematic-numbered.svg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)

(2) René Frank, "Eine These über die Lage von Atlantis"

(3) Joooo sowie Saperaud, bei Wikimedia Commons, unter: File:Wasserkreislauf.png

(4) Marie-Lan Nguyen (2011) sowie Jastrow, bei Wikimedia Commons, unter: File:Herodotos Met 91.8.jpg

(5) Pmx, bei Wikimedia Commons, unter: File:Anguilla anguilla.jpg

(6) The Golden Age Project, unter: PROOF OF THE FORMER EXISTENCE OF A LARGE ISLAND ON THE MID ATLANTIC RIDGE - River Systems Extract - Azores as a Large Island

(7) N.N. Gorskiy, 'The Secrets of the Ocean', Moskau, 1960; nach: N. Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", The Minerva Group, Inc., 2001, S. 270

(8) Andrew Tomas, "We are not the first: Was the lost knowledge of the Ancients more potent than modern science?" (Taschenbuch-Ausgabe von 1976), S. 115

(9) Athanasius Kircher, "Mundus subterraneus, quo universae denique naturae divitiae", 1664–1678 (Bildarchiv Atlantisforschung.de)