Cádiz

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Die wahrscheinlich älteste durchgehend bewohnte Stadt Europas - ein Teil von Atlantis?

von Tony O’Connell

Abb. 1 Ein Plan der heutigen Stadt Cadiz an der Atlantikküste von Andalusien in Süden Spaniens

Cádiz ist der moderne Name für das alte Gadir bzw. Gades, welches in der Atlantisforschung meist als das ursprüngliche Königreich von Gadeiros, dem Zwillingsbruder des Atlas gilt. Die Gewissheit, die normalerweise mit dieser allgemein akzeptierten Identifizierung verbunden ist, wird jedoch durch die Tatsache geschmälert, dass im zentralen und westlichen Mittelmeer-Raum eine ganze Reihe von Orten mit ähnlich klingenden Namen zu finden sind.

Abb. 2 In Gadir geprägte phönizische Münze, auf der Melkart und Thunfische abgebildet sind

Der spanische Historiker Adolfo Valencia (1903-1997) schrieb jedenfalls eine Geschichte von Cádiz [1], in welcher er vorschlug, Atlantis habe sich möglicherweise von Cádiz bis hin nach Malta erstreckt.

Es ist allgemein anerkannt, dass die Phönizier aus Tyros Gadir gründeten, das später bei den Römern als Gades bekannt wurde. Der römische Historiker Velleius Paterculus (ca. 19 v. Chr. - ca. 31 n. Chr.) schrieb, dass Cádiz 80 Jahre nach dem Trojanischen Krieg - um 1100 v. Chr. - gegründet wurde.

Im 9. Jahrhundert v. Chr. gründeten die Phönizier unter Prinzessin Dido eine neue Hauptstadt in Karthago in Nordafrika. In Gades bauten die Phönizier / Karthager einen Tempel für Melkart mit zwei Säulen, die viele als die ursprünglichen Säulen des Herakles betrachten. Im Jahr 2007 wurde bekannt gegeben, dass bei Ausgrabungen in der Altstadt Scherben phönizischer Keramik und Mauern aus dem 8. Jahrhundert vor Christus entstanden sind, was Cádiz zur wahrscheinlich ältesten bewohnten Stadt Europas macht.


Addendum

Abb. 3 Cádiz als urtümliches Atlantis bei Uwe Topper, 1977

(red) Nachdem die Iberische Halbinsel - und dort speziell Tartessos - schon länger als Örtlichkeit von Platons Atlantis in der Diskussion war, fassten einige Atlantisforscher seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Cádiz und seine Umgebung als Ort der Atlantier-Metropolis ins Auge - und interessanterweise handelt es sich bei ihnen durchweg um Forscher aus Deutschland.

Abb. 4 Ein Satellitenbild vermuteter Ruinen von Atlantis (rechts ein Teilstück eines der umgebenden Ringe) nahe der Mündung des Quadalquivir ((Bild: Rainer W. Kühne)

Den Anfang machte 1977 Uwe Topper, der - damals noch Platons Zeitangaben und der konventionellen Chronologie folgend - Cádiz in seinem schon fast legendären Werk Das Erbe der Giganten [2] als Hauptstadt eines urtümlichen Atlantis (Abb. 3) propagiert, dem später zwei weitere iberische Atlantier-Reiche nachgefolgt seien. Ganz anders Werner Wickboldt, ein Berufsschullehrer aus Braunschweig, und der Physiker Dr. Rainer W. Kühne: 2003/2004 sorgten sie - etwa zeitgleich, aber weitgehend unabhängig voneinander - mit ihren z.T. auf Satelliten-Bilder (Abb. 4) gestützen Thesen für einiges Aufsehen, denen zufolge Atlantis sich zur Bronzezeit im Bereich der Mündung des Guadalquivir befunden habe, oder, wie Dr. Kühne bemerkte, dass "der Landesteil des Atlas nicht weit von Cadiz entfernt" lag. [3] Dabei vertraten beide die Ansicht, der von Platon in seinem Atlantisbericht erwähnte Krieg zwischen Atlantis und den Ländern des östlichen Mittelmeer-Raumes basiere auf ägyptischen Beschreibungen der Seevölker-Kriege.

Erwähnenswert ist hier aber auch die Arbeit von Karl Jürgen Hepke. Hepke schließt sich zwar ebenfalls der Identifizierung von Cádiz und Umgebung als Königreich des Gadeiros an und lokalisiert die Metropole von Atlantis im nicht weit entfernten Puerto de Santa Maria, schreibt aber über die Große Ebene von Atlantis: "Nördlich von Cádiz liegt eine Ebene, die am Meer etwa 150 Km breit ist und sich in West-Ost-Richtung 300 km durch das heutige Spanien hinzieht. Diese Ebene war schon seit Urzeiten besiedelt. Man fand dort aus Stein grob gearbeitete Werkzeuge in Kieselsteinschichten, die den ehemaligen Rand des Meeres bildeten, das in jener Zeit noch ca. 30 Km weiter in das Landesinnere reichte.

Die Werkzeuge wurden dem sogenannten >Homo habilis< zugeordnet und sind etwa 1 Million Jahre alt. Sie sind damit die ältesten Zeugnisse menschlicher Ansiedlung auf der iberischen Halbinsel. Gegen die kalten Winde aus dem Norden wird die Ebene durch ein langgezogenes Gebirge, das heute Sierra Morena heißt, geschützt. Durch die Ebene fließen viele kleinere Flüsse und als großer, noch heute für große Seeschiffe befahrbarer Strom der Guadalquivir. Südlich vom Guadalquivir mündet ein kleinerer, aus den südlichen Bergen kommender Fluss bei der heutigen Hafenstadt Puerto de Santa Maria in den Atlantik." [4] Damit stützt Hepke aber auch die Annahmen derjenigen, die Cádiz mit Atlantis gleichsetzen.


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Anmerkungen und Quellen

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Der Hauptteil dieses Beitrags wurde der atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie von Tony O’Connell (©) entnommen, wo er am 29. Mai 2010 unter dem Titel "Cádiz" erstveröffenlicht und nachfolgend weiter ausgebaut wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 06. März 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: Adolfo Vila Valencia, "Historia de Cádiz", Sílex, 1991
  2. Siehe: Uwe Topper, ""Das Erbe der Giganten - Untergang und Rückkehr der Atlanter", Olten/Freiburg i.Br. (Walter-Verlag), 1977
  3. Quelle: Rainer W. Kühne, "Lage und Datierung von Atlantis", bei Mysteria3000 - Alternative Archäologie & PaläoSETI-Forschung (abgerufen: 06. März 2020)
  4. Quelle: Karl Jürgen Hepke, "Die Lage von Atlantis", auf tolos.de (abgerufen: 06. März 2020)

Bild-Quellen:

1) Bild-Archiv Tony O’Connell / Atlantipedia.ie
2) Numismática Pliego (Urheber) / Hispalois (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Gades Cádiz as 13457.jpg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
3) Bild-Archiv Uwe Topper
4) Bild-Archiv Rainer W. Kühne; nach: Andrea Naica-Loebell, "Atlantis auf Satellitenbildern entdeckt?", 13. Juni 2004, bei Telepolis