Spanuths 'Schlüssel zum Atlantisbericht'

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Abb. 1 Pharao Amasis (570-526 v. Chr.), der Ägypten während Solons Reise an den Nil regierte, war von den Hellenen begeistert und gehörte "ganz und gar der griechischen Welt" an. (Breasted)

(bb) Wie die meisten Atlantisforscher - "schulwissenschaftlich" argumentierende Konformisten ebenso wie "grenzwissenschaftliche" Nonkonformisten - hielt auch Jürgen Spanuth den platonischen Atlantisbericht für ein HOMOGENES literarisches Erzeugnis, wobei er fest davon überzeugt war, es handle sich dabei in toto um "eine Nacherzählung altägyptischer Tempelinschriften und Papyrustexte, die Solon im Jahr 560 v. Chr. aus Ägypten nach Athen gebracht hat." [1]

Dabei konnte er sich auf Platons Aussagen berufen, welcher in seinem Dialog Timaios angibt, der Athener Staatsmann Solon, "der weiseste unter den sieben Weisen Griechenlands" (Tim. 20), habe diesen Bericht auf seiner zehnjährigen Reise nach Ägypten (570-560 v. Chr.) erfahren, wohin er sich begeben habe, "um die Kunde vergangener Zeiten zu studieren". Spanuth bemerkt dazu: "Solon konnte sich für diese Studien kein geeigneteres Land aussuchen, denn die ägyptischen Priester jener Zeit, die man mit Recht >eine Zeit der Restauration< (Breasted) genannt hat, waren damals schon seit etwa hundert Jahren damit beschäftigt, die alten Inschriften und Buchrollen ihres Landes zu sammeln, abzuschreiben und zu ordnen." Spanuth stellt weiter fest, dass Solon sich "für seine Studienreise" auch "keinen geeigneteren Zeitpunkt" aussuchen konnte, "denn damals regierte der König Amasis (Amose 570-526 v. Chr.) (Abb. 1) über Ägypten, der >ein großer Griechenfreund war< und >ganz und gar der griechischen Welt angehörte (Breasted, 1954, 316)." [2]

Tatsächlich gibt es keine ernsthaften Zweifel an der Historizität der Reise Solons nach Ägypten, wo er laut Platon "ehrenvolle Aufnahme" (Tim. 21c) fand, und Spanuth konnte - zu Recht, wie der Verfasser meint - davon ausgehen, dass Platon Kenntnisse über dessen 'Reisebericht' und seine Inhalte besaß, die er dann in seinen Dialogen weiterverarbeitete. Dazu beruft er sich u.a. auf den Wiener Altphilologen Wilhelm Brandenstein und seine eingehende Untersuchung des Atlantisberichts, in welcher der Wissenschaftler 1951 schrieb: "Die Annahme, daß Platon die Herleitung aus Ägypten einfach erfunden hätte, während er gleichzeitig einen umfangreichen Quellenbeweis angetreten und immer wieder versichert hat, daß alles reine Wahrheit sei, ist v ö l l i g u n h a l t b a r." [3]

Allerdings ist Solons Originalbericht offenbar schon in der Antike verlorengegangen, und so ist manches, was Spanuth im Zusammenhang mit dessen Reise und den Gesprächen mit den Neith-Priestern ausführt, lediglich ein Konstrukt. So behauptet er, der Athener Staatsmann habe bei dieser Gelegenheit u.a. mit "Sonchis von Theben und Psenophis von Heliopolis" geredet, "die in diesen Dingen am meisten kundig waren (Tim 22)" [4] Allerdings finden sich diese Namen weder in der von Spanuth verwendeten, noch in einer anderen, dem Verfasser bekannten, Übersetzung des 'Timaios' [5]; und auch seine Behauptung auf Seite 12, Solon habe sich bei der Unterredung mit den Priestern "am meisten" für den Atlantisbericht interessiert, "weil in diesem Bericht von einer besonderen Heldentat seiner Vaterstadt Athen die Rede war" (was für Platon und seine Verwertung dieses Materials durchaus zutreffen mag!), schwebt erst einmal im Raum. [6]

Spanuth kommt jedenfalls weder auf den Gedanken, Platon könne bei seiner Neufassung des Atlantisberichts auch auf andere Quellen [7] zurückgegriffen haben, noch untersucht er die Überlieferungen anderer alter Völker des panatlantischen Großraums [8] auf entsprechende Sagen, Mythen und Legenden. So erscheint ihm "klar, daß der einzige Schlüssel zur Lösung aller Fragen, die uns diese Nacherzählung, die leider mitten im Satz abbricht, aufgibt, die alt-ägyptischen Tempelinschriften und Papyrustexte sind, die den ägyptischen Priestern als Vorlage dienten, als sie dem Solon den Bericht über Urathen und das Inselreich Atlantis vortrugen." [9]


'Ur-Athen' und Spanuths Revision der platonischen Datierungen

Abb. 2 Die Akropolis von Athen. Im Vordergrund ist ein Teil der so genannten 'Zyklopenmauer' zu sehen, die auch in Platons Atlantisbericht (Kritias 112b) erwähnt wird. (Foto: J. Spanuth)

Auch wenn Spanuth im Grundsatz von der Historizität des Atlantisberichts überzeugt war, akzeptierte er als schulwissenschaftlich argumentierender Forscher keineswegs alles, was dort zu lesen ist. So betrachtete er die dort vorgestellten Zeitangaben als "gefährliche Klippe" atlantologischer Forschung [10], "denn die ägyptischen Priester haben dem Solon erzählt, daß sich alles, was sie ihm berichteten, vor 8000 oder 9000 Jahren ereignet hätte.

Diese Zeitangabe ist nun", wie er meint, "völlig unmöglich, denn 8000 oder 9000 Jahre vor Solons Aufenthalt in Ägypten gab es alle jene Dinge, von denen der Atlantisbericht berichtet, mit Sicherheit noch nicht. In Ägypten gab es im 9. und 10. Jahrtausen v. Chr. noch keinen ägyptischen Staat, keine Tempel mit Inschriften, keine Papyrustexte. Das Niltal war damals noch unbesiedelt, nur auf den Randhöhen der Nilebene hat man einige wenige Spuren aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. gefunden. Es gab damals auch noch keine Libyer im Westen Ägyptens, sie tauchen zum erstenmal in den Texten Merenptahs um 1227 v. Chr. auf. [11]

In Griechenland gab es im 9. und 10. Jahrtausend v. Chr. noch keine Stadt Athen, keine Burg auf der Akropolis, keinen Tempel der Athene und des Hephaistos auf der Akropolis, keine Mauer, es gab damals noch keine griechischen Staaten und kein griechisches Heer Nirgendwo auf der Erde gab es damals ein Volk wie das vom Inselreich Atlantis, das Waffen aus Kupfer und Zinn und sogar schon aus Eisen herstellen konnte, über eine große Kriegsflotte verfügte und Streitwagen und Reiterkrieger in der Schlacht einsetzen konnte. Von allen diesen und vielen anderen Dingen, die es mit Sicherheit [sic; bb] im 9. oder 10. Jahrtausend v. Chr. noch nicht gab, wird ja im Atlantisbericht erzählt." [12]

Spanuth erweist sich hier als atlantologischer Konformist und echter 'Jungzeitler', der durchaus geringschätzig auf alle herab blickt, die zu anderen Schlüssen kommen: "Wer diese Zeitangabe der ägyptischen Priester ernst nimmt, muß den ganzen Atlantisbericht als >ahistorische Mythe< verwerfen. [sic!; bb] Daß diese Zeitangabe nicht richtig sein kann, haben viele Atlantisforscher eingesehen. Sie haben versucht, ihrerseits den Atlantisbericht zu datieren, und sind bei diesem Versuch zu überaus törichten Datierungen gekommen." [13]

Abb. 3 Gleichzeitig mit der Kranzmauer um die Akropolis von Athen wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. auch die verstärkte Wallanlage um die Burg von Mykene (Bild) erbaut, die ein 35 000 qm ein größeres Areal umfaßte.

Was die ihm suspekte Position der atlantologischen 'Altzeitler' angeht (die Platons Datierungen akzeptieren, ohne die Atlantida als "ahistorische Mythe" zu betrachten), vermeidet er jede argumentative Auseinandersetzung und erwähnt (auf S. 16) lediglich - wohl als 'abschreckendes Beispiel' - kurz die Ergüsse des Atlantisten Rudolf Steiner, dessen esoterische "Erkenntnisse" allerdings nicht das geringste mit empirischer Atlantisforschung zu tun haben. Die Ehre einer ernsthaften Diskussion lässt er (1976) [14] lediglich anderen schulwissenschaftlichen Atlantisforschern, wie etwa Adolf Schulten (siehe: Jürgen Spanuth über Schultens Tartessos-Theorie) und H. Diller (siehe: Atlantis und die Perserkriege), zukommen, deren Annahmen er allerdings bravourös widerlegt.

Beeindruckend und absolut stringent ist zudem seine Beweisführung, dass im Atlantisbericht "Ereignisse aus den Jahrzehnten vor und nach 1200 v. Chr. überliefert wurden." Da diese Tatsache von vielen anderen Atlantisforschern ('Altzeitler' und 'Mittelzeitler') nach wie vor übersehen wird, wollen wir ihn dazu ausführlicher hören: "1. Die Athener hatten zu jener Zeit auf der Akropolis >eine Ringmauer (Abb. 2) errichtet, die die Burg, die Wohnungen der Krieger, den Tempel der Athene und des Hephaistos wie den Garten eines Hauses umgab, denn die Nordseite bewohnten sie ...< (Krit. 112b).

Von dieser ersten und ältesten Mauer auf der Akropolis schreiben die Archäologen E. Kirsten und W. Kraiker: >In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. wurde das gesamte Felsplateau umgeben von einer gewaltigen 4 bis 6 m dicken und mindestens 10 m hohen Kranzmauer aus großen unbehauenen Felsblöcken aus Burgkalkstein. Die Mauer ist nach einem einheitlichen Plan in einheitlicher Bauart aufgeführt wie die gleichzeitige Burgmauer von Mykene (Abb. 3) und umfaßte mit 35 000 qm ein größeres Areal als diese (Mykene 30 000 qm, Tiryns 20 000 qm).< [15]

Der Archäologe Fr. Dirlmeier hat eine ausführliche Arbeit über diese älteste Mauer auf der Akropolis von Athen, die man >Pelasgermauer< oder >Zyklopen-Mauer< nennt, veröffentlicht. Er schreibt: >Wir dürfen also die Pelasgermauer als das mächtige Verteidigungswerk einer Fluchtburg auffassen, geschaffen im Augenblick drohender Gefahr. Die Amerikaner denken an eine 'Frühstufe der Dorischen Wanderung'< [16]

2. Im Atlantisbericht heißt es", wie Spanuth ausführt, "weiter: >An der Stelle, wo jetzt die Burg steht, befand sich eine einzige Quelle, von der, als sie durch Erdbeben verschüttet wurde, ringsherum die jetzigen Bächlein geblieben sind. Für die gesamte damalige Besatzung (der Akropolis) aber strömten sie, bei einem für den Winter und Sommer angemessenen Wärmegrad in ausreichendem Maße.< (Krit. 112d) Diese Quelle wurde an der angegebenen Stelle, >wo jetzt die Burg steht<, >an der Nordseite<, im Jahre 1938 wiedergefunden und ausgegraben.'

Abb. 4 Auch die Stadt Tiryns (Bild), eine der bedeutenden Metropolen des mykenischen Griechenland, wurde am Ende der Bronzezeit zerstört. Vermutlich fiel auch sie dem 'Seevölker-Sturm' zum Opfer.

Man fand dort eine in einem Naturschacht des Kalkfelsens künstlich errichtete Brunnentreppe, die >an der Nordseite< der Akropolis innerhalb der >Pelasgermauer< zu einer in etwa 40 m Tiefe entspringenden Quelle führte. Der obere Teil dieser Brunnentreppe war bis in die Neuzeit zugänglich, >der untere Teil war verschüttet und schon in der klassischen Zeit vergessen< [17] Am Grunde dieses tiefen Schachtes hatten man in endmykenischer Zeit einen tiefen Brunnen gegraben, in dem sich das Wasser der Quelle sammelte.

Der Archäologe Fr. Matz hat die Ausgrabungsergebnisse wie folgt zusammengefaßt: >Am Nordabhang der Athener Akropolis wurde nach Broneer die Brunnentreppe zu dieser Zeit (Ende des 13. Jahrhunderts vor Chr.) angelegt. Die Scherben, die der Fundlage nach der Bronzezeit angehören, stammen aus dem Übergang vom Myk. IIIb zu IIIc. Die Treppe ist nach Schätzung der Ausgräber nur 20-25 Jahre später benutzt worden. Die im Schutt der Treppe gefundene Keramik hat diesen zeitlichen Abstand ... Mit dem im Peloponnes feststellbaren gleichzeitigen Katastrophenhorizont hängt er mittelbar, aber natürlich zusammen.< [18]

Broneer vermutet, daß starke Erdbeben diese Brunnenanlage verschüttet hätten und sie so bis in die Neuzeit unzugänglich machten. Für diese Vermutung sprechen einige Indizien. Man fand in dem unteren Teil des Brunnenschachtes bei den Ausgrabungen einen Kinderschädel und Skelettreste einer Frau. Die Annahme liegt nahe, daß eine Frau und ein Kind gerade Wasser holen wollten, als ein Erdbeben die Brunnenanlage verschüttete. Hinweise auf ein schweres Erdbeben, das gegen Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr. die Bauten auf der Akropolis zerstörte, fand man allenthalben.

So fand man unmittelbar neben dem Eingang zur Brunnenanlage eingestürzte Häuser, die weder abgebrannt noch geplündert worden waren. Trotzdem muß die Flucht der Bewohner so plötzlich erfolgt sein, daß sie den Hausrat, den man teilweise noch unzerstört an seiner Stelle fand, nicht mitnehmen konnten. >Sogar der Topf auf einem Dreibein über der Feuerstelle wurde entdeckt. Offenbar waren die Bewohner in panischer Angst aus ihren Häusern geflohen, die hinter ihnen zusammenstürzten.< [19] Genau denselben Befund zeigen zahlreiche Häuser, Burgen und Paläste im östlichen Mittelmeergebiet, die zu derselben Zeit - >am Ende des 13. Jahrhunderts v. Chr.< [20] - zweifellos durch schwerste Erdbeben zerstört wurden. So darf man vermuten, daß auch die Angabe des Atlantisberichtes, daß diese Quelle >durch Erdbeben verschüttet wurde<, historisch richtig ist.

3. Auch die anderen Angaben des Atlantisberichtes über >die Stadt Athen zur damaligen Zeit< (Krit. 111e) sind zweifellos richtig. A. Franke [21] hat diesen Angaben eine eingehende Untersuchung gewidmet und kommt zu dem Ergebnis: >Vergleichen wir mit dieser Schilderung die Ergebnisse der Erforschung des des mykenischen Athens und durch die verschiedensten Unternehmungen der griechischen, amerikanischen und deutschen Institute am Anfang und in der Mitte des 20. Jahrhunderts, so ergeben sich verblüffende Übereinstimmungen< ..." [22]

Wir fassen zusammen: Platon lieferte im Atlantisbericht (Krit. 111e-112e) detaillierte Schilderungen des vorgeschichtlichen Athen und erwähnte ein Erdbeben, das Teile der Stadt (speziell die beschriebene Brunnenanlage) zerstört habe. Diese Aussagen lassen sich aufgrund archäologischer Befunde ZWEIFELSFREI verifizieren und chronologisch der späten Bronzezeit (spätmykenische Periode) zuordnen. Jürgen Spanuth kommt das Verdienst zu, dieses, von A. Franke (1972) erkannte, Faktum in die populäre atlantologische Forschung eingebracht zu haben. Es darf demnach als ERWIESEN gelten, dass zumindest TEILE des Atlantisberichts bzw. der darin geschilderten Ereignisse der (späten) Bronzezeit zuzuordnen sind.

Spanuth IRRTE nach Meinung des Verfassers allerdings, als er aus den betreffenden archäologischen Fakten den Schluss zog, dass die in der Atlantida geschilderten Ereignisse INSGESAMT dieser vorgeschichtliche Periode zuzuordnen seien. Er übersah schlichtweg die Möglichkeit, dass, um es mit den Worten des Atlantologen Axel Hausmann zu sagen, "der Philosoph offenbar zwei unterschiedlich alte Quellen verwendet hat" [23], indem er für seinen Atlantisbericht nicht nur das (durch Solon von seiner Ägyptenreise mitgebrachte) Material verwendete, welches aus dem anzunehmenden 'altägyptischen' oder 'solonischen Quellen-Komplex' stammte, sondern offenbar auch uralte Überlieferungen seines eigenen Volkes ('protohellenischer Quellen-Komplex') nutzte, die er mit dem vermutlich solonischen Material amalgamierte. [24]


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Jürgen Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, S. 14
  2. Quelle: ebd., S. 12
  3. Quelle: ebd., S. 14 --- Anmerkung: Spanuth bezieht sich auf: Brandenstein, Wilhelm: "Atlantis - Größe und Untergang eines geheimnisvollen Inselreiches", in: 'Arbeiten aus dem Institut für allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaften', Wien, 1951
  4. Quelle: ebd., S. 12
  5. Anmerkung: Mit einiger Sicherheit hat Spanuth diese Interpretation aus dem "Leben des Solon" von Plutarch (46–120 n. Chr.) übernommen.
  6. Anmerkung: Wenn wir die diesbezüglich signifikante Passage in der Atlantida (Tim. 22a) genauer betrachten, lässt sich jedenfalls der Schluss ziehen, dass Solon sich besonders für die ÄLTESTE Zivilisations-Geschichte interessierte - und die war, wie ihm die namentlich ungenannten Neith-Priester klar machten, mit dem versunkenen Reich von Atlantis verknüpft, wobei ihn sicherlich auch die Rolle beeindruckt haben dürfte, die seine Vaterstadt Athen in diesem Zusammenhang gespielt haben soll.
  7. Anmerkung: Bestimmte Detail-Angaben zur hellenischen 'Ur-Historie' (siehe etwa Timaios 24b sowie Kritias 109b-110b und 110e-112e) berechtigen zur Annahme, dass Platon für dieses Opus auch auf alte Überlieferungen der Griechen zurückgriff, die wir als zweiten, 'protohellenischen', Quellenkomplex des Atlantisberichts betrachten dürfen. Es erscheint jedenfalls undenkbar, dass ägyptische Chronisten jemals derart detaillierte Informationen zum protohellenischen Griechenland und seinen Bewohnern protokolliert haben sollen - auch wenn Platon selbst diese Angaben den Neith-Priestern zuschreibt (Krit. 110a).
  8. Anmerkung: Man denke etwa an das 'Atlantis-Motiv' in der Mythologie der amerikanischen Indianer. Siehe dazu z.B.: Indianische Ursprungs-Mythen, Atlantis und Meropa von Bernhard Beier; allerdings betrachtete Spanuth die platonische Atlantida durchaus nicht als einzige Überlieferung, die Hinweise zur Lösung des Atlantis-Problem liefert. Vergl. dazu: J. Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, sechstes Kapitel: "Eine germanische Atlantisüberlieferung", S. 324-346
  9. Quelle: Jürgen Spanuth, op. cit., S. 14
  10. Anmerkung: Neben seiner chronologischen Revision der platonischen Daten bezieht Spanuth auch gegen die klassische Interpretation seiner geographischen Angaben ("Atlantis IM Atlantik") Stellung, worauf wir an anderer Stelle näher eingehen. Siehe dazu: "Jürgen Spanuth wider die klassische Atlantis-Theorie"
  11. Anmerkung: Im Atlantisbericht ist von "Libyern" nicht die Rede; sie spielen lediglich in Spanuths Atlantida-Interpretation (op. cit., Kapitel 5) und bei Diodorus Siculus´ Bericht über die westafrikanischen 'Atlantioi' eine Rolle.
  12. Quelle: Jürgen Spanuth, op. cit., S. 15
  13. Quelle: ebd., S. 15-16
  14. Anmerkung: Eine weitere Arbeit von J. Spanuth, in der er sich vermutlich ausführlicher mit einer Kritik nokonformistischer Atlantologie befasst (Spanuth, Jürgen: "Alles über Atlantis? Besprechung des Buches von O. Muck", DGG, 1976), liegt dem Verfasser derzeit noch nicht vor.
  15. Siehe: Kirsten, E. und Kraiker, W.: "Griechenlandkunde", Heidelberg, 1956, S. 40
  16. Siehe: Dirlmeier, Fr.: "Die Pelasgermauer der Athener Akropolis", in: Kleine Kostbarkeiten, hrsg. von J.O. Plassmann, Berlin 1940, S. 42
  17. Siehe: Broneer, O.: "A Mycenaean Fountain on the Athenian Acropolis", in: Hesperia, Vol VIII, No. 4, 1939, S. 317 - 429 --- sowie: Franke, A.: "Zum Wahrheitsgehalt der beiden Platonischen Atlantisberichte", in Mannus, 38. Jg., H. 4, 1972, S. 267-286; und: Franke, A.: "Auf den Spuren der Atlantisforscher", in: Mannus, 1976
  18. Siehe: Matz, Friedrich, "Die Katastrophe der mykenischen Kultur im Lichte der neuesten Forschungen", in: Vorträge auf dem archäolog. Kongreß in Neapel, 1958
  19. Siehe: Broneer, O.: "What happened at Athens", in: American Journal of Archaeology (A.J.A.), 1948, S. 112
  20. Siehe: Kehnschärper, G.: "Wanderwege der der Nord- und Seevölker, I. Teil", Hamburg, 1963, S. 149
  21. Siehe: Franke, A.: "Zum Wahrheitsgehalt der beiden platonischen Atlantisberichte", in: Mannus, 38. Jg., H 4, 1972, S. 279
  22. Quelle: Jürgen Spanuth, op. cit., S. 18-20
  23. Quelle: Axel Hausmann, "ATLANTIS WAR SIZILIEN - Vom Mythos zur Realität", Atlantisforschung.de, 2004
  24. Anmerkung: Es erscheint dem Verfasser jedenfalls unsinnig, den Ägyptern der Bronzezeit - respektive aus noch früheren Perioden - zu unterstellen, sie hätten derartig detailreiche Informationen über eine Stadt in Griechenland archiviert, sofern sie ihnen überhaupt bekannt waren. Selbst alte Informationen über die Frühzeit des Pharaonenreiches lagen in der Antike allenfalls im 'Telegramm-Stil' vor. Dazu heißt es etwa bei Axel Hausmann: "Nimmt man beispielsweise den >Stein von Palermo< zum Vergleich, so fällt auf, wie komprimiert die Überlieferung der Vorzeit war. Diese Basalttafel ist ein Überrest einer größeren Stele aus der Mitte des 3. Jahrtausends mit annalistischen Notizen zu den wesentlichen Ereignissen eines jeden Jahres, die für die Regierungszeiten der Könige des Alten Reichs aufgezeichnet worden sind.

    Heute befindet das Dokument im Archäologischen Museum in Palermo, woraus sich sein Name herleitet. Von den Pharaonen aus den frühdynastischen Herrscherhäusern am Ende des 4. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung überliefert die Stele nur deren Namen in Hieroglyphenschrift. Selbst bei den späteren Herrschern bestehen die Aufzeichnungen meist nur aus kurzen Aussagen über die wichtigsten Ereignisse eines Jahres wie zum Beispiel Hungersnöte, Kriege oder Expeditionen zur Beschaffung von Zedernholz und aus Angaben über die Höhe und Dauer der Nilüberschwemmung." (Quelle: A. Hausmann, "Atlantis - Die versunkene Wiege der Kulturen", Aachen, 2000, S. 35)

    Es ist also höchst unwahrscheinlich, dass Platons Atlantida lediglich auf den Angaben beruht, die Solon aus Saïs mitgebracht haben soll. Außerdem weist Spanuth selbst de facto auf die mögliche Existenz eines zweiten 'proto-hellenischen Quellenkomplexes hin, wenn er (1976, S. 299) mythisierte Erinnerungen der Hellenen an den im Atlantisbericht beschriebenen Krieg und den Triumph Athens über die Atlanter/Herakliden beschreibt (vergl. dazu: B. Beier, "Jürgen Spanuth und die 'Große Wanderung'" - Dorer, Urnenfelder-Leute und Atlanter in Griechenland?).


Bild-Quellen

(1) Wikipedia - The Free Encyclopedia, Stichwort: Amasis II

(2) J. Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976

(3) University of North Florida (UNF), unter: http://www.unf.edu/classes/freshmancore/coreabroad/pictures/Mycenae/mycenae-fromair1.jpg (Bild dort nicht mehr online)

(4) Universität Wien-zentraler informatik dienst, unter: http://www.unet.univie.ac.at/~a9725261/Tiryns.jpg