Andere Quellen der Atlantisforschung

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Abb.1 Die Toten beackern die Felder des "Jenseitsreiches". Auch aus solchen Texten wie dem 'Ägyptischen Totenbuch' und anderen Papyri oder Inschriften, in denen von einem geheimnisvollen 'Land der Toten' im fernen Westen die Rede ist, versuchen Atlantisforscher Schlüsse zu ziehen.

Ist Platons Bericht tatsächlich die einzige Quelle zum Atlantis-Komplex?

(red) Häufig wird - besonders von Atlantologie-Kritikern und 'schulwissenschaftlich' argumentierenden Atlantisforschern - ins Feld geführt, dass Platons Bericht in den Dialogen Timaios und Kritias die einzige überlieferte Quelle sei, aus der wir etwas über dieses versunkene Reich der Vorzeit erfahren können. Dies sagt allerdings weniger über die tatsächliche Quellenlage als über den Informationsstand derjenigen aus, die solche Behauptungen gebetsmühlenartig wiederholen, um die Atlantida als fiktionalen Text "entlarven" oder interpretativ in das 'Korsett' derzeit gültiger Paradigmata und Lehrmeinungen zur Zivilisations-Geschichte zwängen zu können.

Tatsächlich zeugen solche Behauptungen von einiger Unkenntnis der Sachlage - und von einer euro- oder ethnozentristischen Betrachtungsweise des Atlantis-Problems. Zunächst einmal ist Platon keineswegs der einzige antike Autor, der über eine Atlantikinsel schreibt und sie als 'Atlantis' bezeichnet. Zu erwähnen sind hier von Apollonius von Rhodos ('Argonautica') und Plinius der Ältere ('Historia Naturalis') sowie Marcellinus, Diodorus Siculus, oder auch Theopompos von Chios, die von den 'Atlantiden' (also den 'Töchtern des Atlas'), oder über eine von ihnen (Meropa) berichten. Platon kannte also den Namen der von ihm beschriebenen Großinsel entweder selbst nicht, oder er wollte der Nachwelt ein Rätsel aufgeben, indem er sie schlicht und einfach als "Atlantikinsel" deklarierte, denn nichts anderes ist die geographische Bedeutung der Metapher von der "Tochter des Atlas", und der Άτλαντὶς νῆσος / Átlantìs nē̂sos = "zum Atlas gehörigen Insel".

Doch nicht nur bei diesseits des Atlantik, bei hellenischen Autoren, finden sich mythische Reminiszenzen an eine verlorene Inselwelt der Vorzeit. Eine weitere interessante Quelle heutiger Atlantisforschung stellen auch die Legenden der Indianer Nordamerikas dar, die einige Beachtung verdienen. So berichten die Überlieferungen der Shawnee, der Mandanen und insbesondere deren Zweig der Iowa, ihre Vorfahren seien von einer Insel im östlichen Meer nach Amerika gekommen, und die Okanagan nennen diese Großinsel Samah-tumi-whoo-lah, während sie den Hopi unter dem Namen Taláwaitíchqua bekannt ist. Den seit langem ausgestorbenen Anaszazi wird ein Ursprungs-Mythos nachgesagt, in dem von einer mythischen Herkunfts-Insel 'Tulapin' in der Karibik die Rede ist, während bei den Cherokee oder Tsalagee (ein südlicher Zweig der Irokesen) fünf Ursprungs-Inseln im Osten erwähnt werden, die zusammen als Elohi Mona bezeichnet wurden. (Siehe dazu auch: Indianische Ursprungs-Mythen, Atlantis und Meropa) [1]

Die Mythen der alten Völker Mittelamerikas und Südamerikas passen, wie die Atlantisforschung aufzeigen kann, geradezu nahtlos zu diesen nördlichen Überlieferungen. So dürfte mehr als eine lediglich phonetische Ähnlichkeit zwischen dem 'Tulapin' der Anasazi und der Insel Tlapallan der Tolteken bestehen, nach deren Traditionen sich im "östlichen Meer" eine große Insel befand, auf der ihre Vorfahren einst lebten, bevor sie bei einer großen Katastrophe unterging. Ein anderer Name, den dieses Volk der legendären Insel gab, war Aztlán oder Atlan, wie auch die Maya und Azteken sie nannten.

Zudem werden, neben den Sintflutmythen der Völker, auch alte Papyri und Inschriften der Ägypter, wie das 'Buch der Toten' (Abb. 1), oder altgriechische Texte, wie Homers Odyssee, und neuerdings auch altindische Quellen, z. B. das Mahabharata zum Gegenstand atlantologischer Untersuchungen; stammen doch die ältesten Überlieferungen in dem Kulturkreis des indischen Subkontinents vermutlich aus fernen Prä-Sanskrit-Zeiten. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Indizien für früheste kulturelle Kontakte zwischen den alten Ägyptern und den Industal-Kulturen. [2]

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Abb. 2 Katchina-Tänzer der Hopi. Die Mythen und Legenden dieses Volkes berichten von versunkenen Kontinenten oder Großinseln im Atlantik (Taláwaitíchqua) und Pazifik (Kásskara). Auch die mythisierten Uralt-Überlieferungen des Hopi-Volkes gehören zu den 'Apokryphen' der modernen Atlantologie.

Es macht also durchaus Sinn, auf der Suche nach Belegen für eine historische Existenz von Atlantis auch in den Überlieferungen des Alten Indien nachzuforschen (siehe dazu auch: Atlantis in Indien - die Theorie des Radek Brychta). Herausragende Grundlagenarbeit hat dazu im deutschsprachigen Raum der Alternativhistoriker Dr. Martin Freksa geleistet, dessen Arbeit wir bei Atlantisforschung.de natürlich ebenfalls ausführlich vorstellen. Auch aus dem Koran und der altnordischen Edda lassen sich interessante Bezüge zu den Angaben aus Platons Dialogen ableiten, wie die Beiträge unseres Gastautors Uwe Topper aufzeigen.

Zu den "apokryphen Texten" [3] der Atlantologie gehört auch die umstrittene "Oera Linda Chronik" [auch: Ura Linda Buch], angeblich eine friesische Familienchronik aus dem Mittelalter, die von einem vorzeitlichen, nordischen 'Atland' berichtet, das nicht nur eine Namensähnlichkeit mit dem platonischen Atlantis aufweist, sondern - im Jahre 2193 v. Chr. - ebenfalls infolge einer gewaltigen Naturkatastrophe im Meer versunken sein soll. Dieses Buch wurde in der Vergangenheit leider auch von völkisch-rechtsextremen "Ario-Atlantisten" als Beleg für ihre ideologischen Thesen instrumentalisiert. Aus atlantologischer Sicht muss dieser Sachverhalt Beachtung finden, spricht aber nicht gegen eine vorurteilsfreie Überprüfung des Materials.

Absolute Aussagen zur Historizität der Ura Linda Chronik und lautstarke 'Abgesänge' auf sie erscheinen jedenfalls verfrüht und vorschnell. So schließt man sich z.B. bei Wikipedia - ganz im Sinne der dort propagierten neo-scholastischen Geschichtsbetrachtung - ohne wenn und aber Goffe Jensma´s Meinung [4] an, der das umstrittene Buch im Jahr 2004 angeblich "zweifelsfrei als eine Fälschung" aus dem 19. Jahrhundert "entlarvte", die "in satirischer Absicht" von einem holländischen Schriftsteller namens François Haverschmidt verfasst worden sein soll. [5] Tatsächlich lässt sich bei einer inhaltlichen Betrachtung der Ura Linda kein wirklicher Anhaltspunkt dafür entdecken, dass es sich bei ihr durchgängig um "Satire" handeln könnte. Stattdessen kann auch der Eindruck entstehen, dass es sich dabei um ein heterogenes, die Annahme einer Fälschung womöglich begünstigendes, 'Material-Konglomerat' handelt, an dessen Erstellung mehrere Personen beteiligt gewesen sein könnten, möglicherweise sogar über einen langen Zeitraum hinweg.

So stellte etwa unser Gastautor, der Wissenschaftshistoriker Dr. Horst Friedrich, 1990 zum Oera Linda Buch fest: "Es ist nicht auszuschließen, daß trotz allerhand möglicherweise erst von Renaissance- und Barockgelehrten vorgenommenen Hinzufügungen und Veränderungen hier ein historischer Kern von bis in die Bronzezeit zurückreichenden Berichten durch immer erneutes Kopieren über die Zeiten gerettet werden konnte, der zeitgenössische Annalen den allmählichen Niedergang der alten nordwesteuropäischen Zivilisation durch Naturkatastrophen und Einfälle kriegerischer, aus dem Osten kommender Völker enthält." [6]

Kommen wir zum Schluss: es wird deutlich, dass es aus alternativ-historischem und atlantologischem Blickwinkel geradezu abstrus erscheinen muss, sich bei der Erforschung des Atlantis-Problems auf die Exegese der beiden Platon-Dialoge zu beschränken, in denen von 'Atlantis' die Rede ist. [7] Die mythischen Überlieferungen, Sagen und Legenden der Völker dieser Welt - sowohl diejenigen alter 'Hochkulturen' als auch die der so genannten 'Naturvölker' - können der Forschung, wenn sie bereit ist, sich von dogmatischen, scientistischen und neo-scholastischen Vorstellungen zu lösen, wesentliche Schlüsselinformationen zur Lösung des Atlantis-Problems und zahlreicher anderer Rätsel der Ur- und Frühgeschichte liefern.

Team Atlantisforschung.de


Beiträge zu diesem Thema:

Das Mahabarata und die Atlantis-Saga (red)

Erinnerungen der Hopi an Atlantis (rmh)

Samah-tumi-whoo-lah (red)

Netamaki - C.S. Rafinesque und die sagenhafte Urheimat der Lenni Lenape (bb)

Kásskara und Taláwaitíchqua (rmh)

Indianische Ursprungs-Mythen, Atlantis und Meropa (bb)

Die Edda und der Atlantisbericht (Uwe Topper)

Der Koran als Quelle der Atlantisforschung (Uwe Topper)


Siehe auch:

Atala - Das Atlantis der altindischen Puranas und des Mahabharata (Frank Joseph)

Atlaintika - Das Atlantis der Basken (red)

Emain Ablach -Das keltische Atlantis (red)

Die Prähistorie der Roten Rasse (William James Sidis)


Externa:

Matthias Wenger, Patriarchalische Ideologie oder matriarchalisches Wertsystem - Die Auseinandersetzung um Herman Wirth und die Ura-Linda-Chronik


Anmerkungen und Quellen

  1. Anmerkung: Zu den Überlieferungen der Hopi siehe auch: J. F. Blumrich, "Kásskara und die sieben Welten - Die Geschichte der Menschheit in der Überlieferung der Hopi", München 1999; sowie: Frank Waters, "Das Buch der Hopi, Mythen, Legenden und Geschichte eines Indianervolkes", München, 2000
  2. Siehe: Ägypten und das alte Indus-Empire von Sushama Londhe
  3. Anmerkung: Unter "apokryphen Texten" versteht man in der christlichen Theologie diejenigen Schriften, die keine Aufnahme in den offiziellen Kanon der Bibel gefunden haben.
  4. Siehe: Goffe Jensma, Het Oera Linda-boek: fascimile's, transcriptie en vertaling, 2006
  5. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, "Jürgen Spanuth" (Abschnitt: "Andere Lokalisierungen von Atlantis in der Nordsee"), online unter http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Spanuth --- Vergl. bei Wikipedia außerdem das Stichwort: Ura-Linda-Chronik; siehe aber auch die differenziertere Darstellung in der englischsprachigen Wikipedia, unter: Oera Linda
  6. Quelle: Horst Friedrich, "Velikovsky, Spanuth und die >Seevölker-Diskussion - Argumente für eine Abwanderung atlanto-europäischer spät-bronzezeitlicher Megalith-Völker gegen 700 v. Chr. in den Mittelmeerraum", 2. Auflage mit ausführlichen aktualisierenden Vorbemerkungen, (im Selbstverlag des Autors) Wörthsee, 1990, S. 42
  7. Anmerkung: Auch wenn die Bezeichnung 'Atlantis' dort nicht vorkommt, sind zudem verschiedene Abschnitte von Platons Dialog Nomoi ("Die Gesetze") von höchstem alternativ-historischem sowie atlantologischem Interesse, in denen er seine zyklisch-katastrophischen Vorstellungen zur Menschheits- und Zivilisations-Geschichte erläutert. Siehe dazu z.B.: Nomoi (Die Gesetze), Atlantis und das verlorene Wissen der Alten von Bernhard Beier; sowie: Platons anderer Atlantis-Bericht - Die 'Gesetze' und das Dunkle Zeitalter von Frank Joseph


Bild-Quellen

(1) http://www.onlinekunst.de/rinder/rinderreiten/400_zugtier_aegypten.jpg

(2) http://terresacree.org/Hopis.htm