Andalusien

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von Tony O’Connell

Abb. 1 Karte zur geographischen Lage Andalusiens (rot markiert) suf der Iberischen Halbinsel

Andalusien ist die zweitgrößte der siebzehn autonomen Gemeinschaften Spaniens. Es liegt im Süden des Landes (Abb. 1) mit Sevilla als Hauptstadt, die vormals als Spal bekannt war, als sie von den Phöniziern besetzt wurde.

Seinen Namen hat Andalusien wahrscheinlich vom arabischen al-andalus - dem Land der Vandalen. Joaquin Vallvé Bermejo (1929-2011) war ein spanischer Historiker und Arabist, der schrieb; "Arabische Texte, welche die ersten Erwähnungen der Insel Al-Andalus und des Meeres von Al-Andalus enthalten, werden außerordentlich anschaulich, wenn wir diese Ausdrücke durch 'Atlantis' oder 'Atlantik' ersetzen." [1]

Andalusien wurde von einer Reihe von Forschern als Heimstatt von Atlantis identifiziert. Es scheint, dass die frühesten Befürworter dieser Idee im 17. Jahrhundert José Pellicer de Ossau Salas y Tovar und Johannes van Gorp waren. Diese Lokalisierung wurde im 19. Jahrhundert vom Historiker Francisco Fernández y Gonzáles und später (1919) von seinem Sohn Juan Fernández Amador de los Ríos bestätigt. Ein Jahrzehnt später veröffentlichte Frau E.M. Whishaw die Ergebnisse ihrer umfangreichen Untersuchungen in der Region, insbesondere in und um Sevilla [2]. Im Jahr 1984 unterstützte Katherine Folliot diese andalusische Verortung von Atlantis in ihrem Buch Atlantis Revisited [3].

Abb. 2 Die Ebene von Atlantis in Andalusien nach Professor Stavros Papamarinopoulos

Im gleichen Zeitraum wie Elena Maria Whishaw war auch der deutsche Archäologe Adolf Schulten, der ebenfalls viele Jahre in der Gegend Ausgrabungen durchgeführt hatte, davon überzeugt, dass in Andalusien Beweise für die Existenz von Atlantis zu finden seien. Er identifizierte Atlantis mit dem legendären Tartessos [4].

Stavros Papamarinopoulos hat der Behauptung eines andalusischen Atlantis in einem Papier [5] aus dem Jahr 2010, das dem 12. Internationalen Kongress der Geologischen Gesellschaft Griechenlands vorgelegt wurde, seine maßgebliche Stimme hinzugefügt. Er argumentiert, dass die andalusische Ebene mit der Ebene von Atlantis übereinstimmt (Abb. 2), aber Plato beschreibt klar eine Ebene, die 3.000 Stadien lang und 2.000 Stadien breit war, und selbst wenn die Maßeinheit unterschiedlich definiert war, stimmt das Verhältnis von Länge zu Breite nicht mit der andalusischen Ebene überein. Darüber hinaus beschreibt Plato die Berge nördlich der Ebene von Atlantis als „zahlreicher, höher und schöner“ als alle anderen. Die Sierra Morena nördlich von Andalusien passt nicht zu dieser Beschreibung. Die Sierra Nevada im Süden ist beeindruckender, aber in dieser Region sind die Atlasberge Nordafrikas die prächtigsten. Außerdem stellt Plato klar fest (Kritias 118b), dass die Ebene von Atlantis nach Süden ausgerichtet ist, während die andalusische Ebene nach Westen ausgerichtet ist!

Abb. 3 Eine auf Basis eines Satelliten-Bilds erstellte künstlerische Rekonstruktion der vermuteten Atlantis im Nationalpark Coto de Doñana an der Costa de la Luz in Andalusien

Dr. Rainer W. Kühne unterstützt die Vorstellung, dass die Invasion der "Seevölker" mit dem von den Ägyptern aufgezeichneten Krieg mit Atlantis in Verbindung stand. Auch er findet Atlantis in Andalusien, und legt dessen Hauptstadt im Tal des Guadalquivir im Süden von Sevilla. 2003 erklärte der Berufsschullehrer Werner Wickboldt, er habe Satellitenfotos dieser Region untersucht und Strukturen entdeckt, die den von Plato für Atlantis beschriebenen sehr ähnlich seien. Im Juni 2004 veröffentlichte Antiquity einen Artikel [6] von Dr. Kühne, in dem Wickboldts Interpretation der Satellitenfotos des Gebiets hervorgehoben wurde. Dieser Artikel wurde in der ganzen Welt häufig zitiert. Der von ihnen gewählte Ort, die Doñana-Sümpfe (Abb. 3), wurde schon vor über 400 Jahren von José Pellicer mit Atlantis in Verbindung gebracht. Kühne bietet auch zusätzliche Informationen zum Hintergrund der Ausgrabung [7].

Ausgrabungen zeigten jedoch, dass die von Wickboldt identifizierten Strukturen kleiner als erwartet waren und aus der muslimischen Zeit stammten. Lokale Archäologen haben jahrelang an der Stätte gearbeitet, bis der bekannte Selbstdarsteller Richard Freund vor Ort eintraf und weniger als eine Woche dort verbrachte, aber anschließend den Medien 'erlaubte', ihn als Leiter der Ausgrabungen zu darzustellen.

Wärend die meiste Aufmerksamkeit stets auf das westliche Ende der Region gerichtet war, platziert eine Theorie [8] von Sandra Fernandez aus dem Jahr 2015 Atlantis nach Almería, eine östliche Provinz Andalusiens.

Georgeos Díaz-Montexano hat darauf hingewiesen, dass arabische Kommentatoren Andalus (Andalusien) nördlich von Marokko als Heimat einer mit goldenem Messing bedeckten Stadt bezeichneten. Karl Jürgen Hepke hat eine interessante Webseite [9], auf der er seine Unterstützung für die Idee zweier Atlantiden [10] im Atlantik und im Andalusien zum Ausdruck bringt.



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Anmerkungen und Quellen

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Dieser Beitrag von Tony O’Connell (©) wurde seiner atlantologischen Online-Enzyklopädie Atlantipedia.ie entnommen, wo er am 31. Mai 2010 unter dem Titel "Andalusia" erstveröffenlicht wurde. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung nach dem Stand vom 02. Mai 2020 durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Siehe: Joaquin Vallvé Bermejo, "The Territorial Divisions of Muslim Spain", Madrid (CSIC), 1986
  2. Siehe: Ellen Mary Whishaw, "Atlantis in Andalucia: a study of folk memory", Plymouth (Rider & Co., Paternoster House), 1928; siehe als Reprint auch: E.M. Whishaw, "Atlantis in Spain", Kempton, Illinois (Adventures Unlimited Press), 1997
  3. Siehe: Katherine Folliot, "Atlantis Revisited", H & B Publications, 1984
  4. Siehe: Adolf Schulten, "Tartessos und Atlantis", in: Pettermanns Geographische Mitteilungen, 1927
  5. Siehe: Stavros Papamarinopoulos, "ATLANTIS IN SPAIN", in: Bulletin of the Geological Society of Greece, 2010, Proceedings of the 12th International Congress, Part 1, Part 2, Part 3, Part 4, Part 5, Part 6 (online als PDF-Dateien; abgerufen: 03. Mai 2020)
  6. Siehe: Rainer W. Kühne, "A location for “Atlantis”?", in: Antiquity Vol 78 No 300, Juni 2004 (archiviert bei Atlantipedia.ie; abgerufen: 03. Mai 2020)
  7. Siehe: Rainer Kühne, "The Archaeological Search for Tartessos-Tarshish-Atlantis", 12. Dezember 2010 (aktualisiert: 15. August 2016), bei Mysteria3000 - Alternative Archäologie & PaläoSETI-Forschung (Ausgabe 19 - 2010)
  8. Siehe: Hipatia XX, "La Atlántida, sólo era cuestión de tiempo encontrarla.", 06. August 2015, bei Los atlantes de hoy - Hijos de Neptuno (abgerufen: 03. Mai 2020)
  9. Siehe: Karl Jürgen Hepke, "tolos.de" (abgerufen: 03. Mai 2020)
  10. Vergl. dazu bei Atlantisforschung.de: "Zwei mal Atlantis" (bb)

Bild-Quellen:

1) TUBS (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Andalucia in Spain (plus Canarias) (special marker).svg (Lizenz: Creative-Commons, „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“)
2) Stavros Papamarinopoulos, ATLANTIS IN SPAIN - Part V: Atlantis’ location, S. 4 (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) misterios - Curiosidades del mundo, unter: Breve reseña de la Atlántida, el misterioso continente desaparecido.